Sport | Fußball
28.03.2017

Finnland-Match: Ein Testlauf für das Selbstvertrauen

Österreich probt in Innsbruck gegen Finnland für die ferne WM-Qualifikations-Zukunft.

Am vergangenen Freitag hat sich Österreichs Nationalteam mit einem 2:0 über Moldau vor der absoluten Trostlosigkeit gerettet. Man darf wieder leise mitreden in der WM-Qualifikation.

Aber was jetzt? Ein Testgegner, der Finnland heißt, in der WM-Qualifikation bisher genau ein Pünktchen gesammelt hat und von exakt null (!) Journalisten nach Innsbruck begleitet wird.

Ein Test wofür überhaupt? Für ein vorentscheidendes Qualifikationsspiel in Irland, das allerdings noch viele Wochen auf sich warten lässt, erst im Juni stattfindet? Welches System soll also heute probiert werden? Ein auf die Iren zugeschnittenes? Eines, das gegen die Finnen ein weiteres das Selbstvertrauen förderndes Erfolgserlebnis verspricht? Mit, oder ohne Arnautovic und Ilsanker, die beide in der Qualifikation gesperrt sind?

Also wozu dieser Test, in dem sich auch sonst erhebliche personelle Probleme auftun? Mit Lukse, Baumgartlinger und Schaub haben bereits drei Spieler das Team verlassen, dazu hat Koller bereits angekündigt, David Alaba heute nicht 90 Minuten zum Einsatz kommen zu lassen.

Kann so wirklich ein Härtetest für Irland aussehen?

Aufschlüsse

Marcel Koller verschwendet heute am Tivoli jedenfalls noch keinen Gedanken an das WM-Qualifikationsmatch im Juni gegen Irland. Zumal das Testspiel gegen diese Finnen in seinen Augen auch keinesfalls als Blaupause für Irland dienen kann. "Man kann diese beide Gegner nicht vergleichen", erklärt der Schweizer, der heute im Sparring mit den Männern aus dem Norden ganz andere Zwecke verfolgt. "Ich versuche, Aufschlüsse zu bekommen", sagt Koller.

Der 56-Jährige erwartet sich heute weitere wichtige Erkenntnisse darüber, wie sehr die Mannschaft das neue 3-4-3-System schon verinnerlicht hat, das bei diesem Lehrgang auf dem Taktik-Plan gestanden ist. "Das Ziel ist es, das zu verfestigen."

Dazu erhofft sich Marcel Koller im Tivolistadion auch wertvolle Hinweise, ob und wie sehr die Stabilität und der Rhythmus des Teams darunter leiden, wenn mit Ilsanker (in Irland gesperrt) und Baumgartlinger (derzeit verletzt) gleich zwei etablierte zentrale Mittelfeldspieler nicht zur Verfügung stehen. "Wir wollen sehen, wer da eine Alternative ist. Jeder will im Nationalteam spielen, aber es ist nicht jeder ein Nationalspieler."

Nicht zuletzt verspricht sich der Teamchef von der Hereinnahme von Alessandro Schöpf am rechten Flügel eine offensive Gegenbewegung zur linken Achse Alaba-Arnautovic, über die zuletzt beim 2:0 gegen Moldau praktisch alle gefährlichen Offensivaktionen gelaufen waren.

Erkenntnisse

Über all den Taktik- und Personalfragen steht für den Teamchef aber eines: Nach den Enttäuschungen und den Nackenschlägen des vergangenen Jahres muss die Nationalmannschaft wieder die alte Selbstsicherheit und Leichtigkeit zurückgewinnen. "Das geht aber nur mit Siegen und mit guten Auftritten", weiß auch Marcel Koller, denn: "Selbstvertrauen kann man nicht einfach so herbei reden ", erklärt der 56-Jährige, der selbst auch Konsequenzen aus dem 2016er Jahr gezogen hat. "Wenn man länger zusammen ist, dann schleicht sich das eine oder andere ein. Wir haben versucht, wieder eine gewisse Schärfe rein zu bringen."

Zumindest in dieser Hinsicht hat der Test gegen Finnland Würze. Auch wenn manche vielleicht die Sinnhaftigkeit dieser Partie in Frage stellen. Andererseits gehören solche Vorbereitungsspiele ohnehin bald schon der Vergangenheit an. 2018 wird als Ersatz für die Testspiele die UEFA-Nations-League eingeführt, bei der auch vier Startplätze für die EM vergeben werden. Dann geht’s für das Nationalteam in jedem Match um den Ernstfall.

Weiße Weste am Tivoli

Innsbruck ist ein guter Boden für das österreichische Nationalteam. Bei den bisherigen zehn Auftritten in Tirol verließen die Österreicher den Rasen noch nie als Verlierer. 1986 bei der Länderspielpremiere in Innsbruck hieß der Teamchef Branko Elsner, die Nummer eins war Klaus Lindenberger, der heutige Tormanntrainer bei der ÖFB-Nationalmannschaft. Das Highlight war das 3:2 gegen die Elfenbeinküste vor 30.000 Fans.

1986 Schweiz 1:1
2001 Liechtenstein 2:0
2003 Weißrussland 5:0
2004 Luxemburg 4:1
2006 Schweiz 2:1
2007 Elfenbeinküste 3:2
2009 Litauen 2:1
2012 Ukraine 3:2
2012 Rumänien 0:0
2014 Island 1:1