Für Canadi ist die Anordnung am Feld nicht das Wichtigste.

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Damir Canadi
11/02/2014

"Ich finde auch zu den Schwierigen einen Draht"

Altach-Trainer Damir Canadi über sein abwechslungsreiches Leben, gute Ratschläge und das richtige System.

von Alexander Huber

Nach dem 1:0 in Wien plant Altach am Sonntag vor vollem Haus gegen Rapid den nächsten Coup. Der Mann hinter dem Erfolg des Aufsteigers ist Damir Canadi, 44, der im Jänner 2013 als Trainer kam.

KURIER: Wie bereichert Vorarlberg das Leben eines waschechten Wieners?

Damir Canadi: Vorarlberg ist noch mehr im Zentrum von Europa, ich bin in kurzer Zeit in vielen internationalen Großstädten. Ich erlebe hier Zusammengehörigkeit, hohe Lebensqualität, freue mich über die kurzen Wege. Anders als in Wien ist auch, dass viele Familien gemeinsam zum Fußball gehen.

Verstehen Sie auch den Dialekt?

Das war nicht so schwer. Meine Tochter spricht auch schon zweisprachig: Vorarlbergerisch und hochdeutsch.

Ihr 17-jähriger Sohn Marcel spielt seit Sommer in Gladbach. Was geben Sie ihm mit?

"Sei immer ein guter Bua" ist der wichtigste Satz, was er dann wird, ist gar nicht so entscheidend. Ich bin ihm ein sehr guter Freund. Ich versuche, ein guter Vater zu sein. Ich bin aber kaum Trainer für ihn, diesen Traum soll er selbst leben. Er macht mich aber schon sehr stolz.

Sie waren ab 2008 ein Jahr im Betreuerteam von Lok Moskau. Was haben Sie mitgenommen?

Du kannst bei der Fortuna in Wien genauso viel lernen wie bei Lok. Besonders wertvoll war Moskau aber, um zu erkennen, wie ein Großklub funktioniert. Wie Entscheidungen ablaufen, wie man sich auf ein Spiel in Wladiwostok mit acht Stunden Zeitverschiebung vorbereitet. Wie man mit Millionären im Fußball umgeht. Auf solche Themen war ich nicht vorbereitet und jetzt muss ich bei Altach ja auch mit langen Busreisen umgehen können.

Sie stehen als Trainer dafür, immer wieder etwas Neues einzubringen. Seit Sie auf ein 4-4-2 umgestellt haben, gab es sieben Spiele ohne Niederlage. War dieser Wechsel entscheidend?

Aufgestiegen sind wir mit einem 4-3-3, in der Bundesliga waren wir dafür aber noch nicht effizient genug. Es gab Probleme, das höhere Tempo anzunehmen. Ich habe auch länger gebraucht, um die sieben Neuen zu integrieren, als gedacht. Die Liga ist ja für viele neu. Viele haben anfangs Fotos von den großen Stadien gemacht, das war eine Erkundungstour. Entscheidend ist das 4-4-2 aber nicht.

Warum?

Die Anordnung auf dem Feld ist nicht das Wichtigste. Entscheidend ist die Spielphilosophie. Es geht mir um die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive.

Haben Sie unter den vielen erprobten ein Lieblingssystem?

Nein. Es geht immer darum, was der Kader am besten umsetzen kann. Da muss ich sensibel hinschauen. Für mich ist diese Vorgangsweise die erfolgreichste.

Halten Sie das populäre Offensivpressing für überschätzt?

Nein. Sicher nicht, wenn man das so perfekt wie Salzburg spielen kann. Man kann sich viel abschauen, wir Trainer müssen kreativ werden, um dagegen zu bestehen. Beim 0:5 in Salzburg ist das noch nicht aufgegangen. Aber selbst 90 Minuten so zu spielen, ist schwer, wenn die Erfahrung damit und die Qualität der Spieler nicht so da ist wie bei Red Bull.

Als Spieler waren Sie bei 15 Vereinen. Hätten Sie heute bei so einem Lebenslauf eines Spielers Bedenken, ihn zu verpflichten?

Diese vielen Transfers waren nicht mein Bedürfnis. Ich war in der Regionalliga oft unter den teureren Spielern und die werden als Erste rasiert, wenn der Erfolg fehlt. Heute stehe ich dafür, jedem Spieler ganz persönlich eine Chance zu geben. Ich finde auch zu den sogenannten Schwierigen einen Draht. Diese haben mich auch dann mit Erfolgen dafür belohnt.

Waren Sie selbst "schwierig"?

(denkt lange nach) Ich war immer charakterstark, offen und ehrlich. Ich habe eine Meinung und diese laut kundgetan – das kann es für andere auch schwierig machen. Da musste ich auch dazulernen, ich bin ruhiger geworden. Ich werde aber immer zu meinen Überzeugungen stehen.

Sie waren zwei Mal im U-21-Team. Warum reichte es nicht zur langen Bundesligakarriere?

Ich war wirklich sehr talentiert. Vielleicht hat das passende Umfeld gefehlt, um Fehler, die ich sicher gemacht habe, auch analysiert zu bekommen. Ich will manch falsche Entscheidung aber nicht missen. Sie hat mich geprägt und hilft mir heute als Trainer.

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