Fuchs: "Der Fußball ist so vielfältig und kompliziert."

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Interview
03/14/2017

Christian Fuchs: "Tapetenwechsel hat uns gutgetan"

Österreichs ehemaliger Teamkapitän spricht über die Krise samt Trainerwechsel bei Leicester City.

von Günther Pavlovics

Vom Meister auf den Abstiegsplatz. Leicester stand auf der Kippe zur Lachnummer. Am 22. Februar haben die Engländer beim FC Sevilla 1:2 verloren, danach musste Trainer Claudio Ranieri gehen, sein Assistent Craig Shakespeare ist bis Ende des Jahres der neue Boss. Unter ihm wurden die zwei folgenden Spiele gewonnen. Der Österreicher Christian Fuchs über die Stimmung vor dem Rückspiel am Dienstag.

KURIER: Wie hat die Vorbereitung auf das Spiel gegen Sevilla ausgeschaut?

Christian Fuchs: Wir waren vier Tage in Dubai zu einem Kurztrainingslager. Der Tapetenwechsel hat uns gutgetan.

Haben Sie in Ihrer Karriere jemals so etwas erlebt. Dass einer Mannschaft, die so gut funktioniert hat, plötzlich nichts mehr gelingt?

Es schaut sicher schlimmer aus, als es ist. Anfang der Saison waren wir nicht so schlecht. Aber dann hat uns das Quäntchen Glück gefehlt, das wir letztes Jahr in manchen entscheidenden Momenten gehabt haben. Dann kam die Unsicherheit dazu, und die Leichtigkeit im Spiel ist verloren gegangen.

Kam Trainer Ranieri nicht mehr bei den Spielern durch?

Das kann man so nicht sagen. Der Fußball ist so vielfältig und kompliziert. Im Fußball gibt es wohl mindestens hundert Wahrheiten – und alle stimmen.

Trauern Sie Trainer Claudio Ranieri nach, der nach dem 1:2 in Sevilla gefeuert worden ist?

Wir müssen ihm für vieles dankbar sein. Auch ich, denn er hat auf mich gebaut, und wir haben etwas ganz Besonderes erreicht. Aber die Klubchefs waren der Meinung, dass etwas geändert werden muss. Das müssen auch wir Spieler akzeptieren. Es ist halt das Einfachste, wenn man dann den Trainer wechselt.

Was hat sich unter Craig Shakespeare geändert?

Nicht viel. Er ist wie unter Ranieri unsere Ansprechperson. Jetzt ist er halt Cheftrainer.

Jetzt geht es aber wieder aufwärts.

Das Spiel gegen Liverpool war für uns ideal, da hat niemand etwas von uns erwartet. Mit dem Sieg und danach dem Erfolg gegen Hull hoffe ich doch, dass wir den Turnaround geschafft haben und jetzt mit viel Selbstvertrauen ins Rückspiel gegen Sevilla gehen können.

Letztes Jahr wurdet Ihr in den Himmel gehoben, zuletzt waren die Kritiken untergriffig.

Ich habe längst aufgehört jede Zeile zu lesen. Aber man bekommt schon die allgemeine Stimmungslage mit. Besonders hier in England wird um jede Schlagzeile gekämpft. Aber wer weiß schon, welche Aufgaben wir für ein Spiel mitbekommen haben, und was hinter einer Spielanlage steckt.

Auch Sie standen erstmals in der Kritik. Ein TV-Reporter forderte, dass Sie ihren Startplatz verlieren sollten. Gary Neville hingegen hat Sie verteidigt.

Das von Neville wusste ich gar nicht, freut mich aber. Aber wie gesagt: Es wird hier so viel geschrieben, da kann man nicht alles lesen.

Sie und manche Teamkollegen sind in den sozialen Medien sehr aktiv. In den letzten Monaten scheint Ihnen aber der Schmäh ausgegangen zu sein?

Das ist klar. Wenn es läuft, sagen alle, wie toll das ist und wie lustig. Wenn es nicht läuft, dann gibt es Kommentare, dass man sich doch auf den Fußball konzentrieren soll.

Sie standen zuletzt auch im Mittelpunkt, weil Sie in Leicester mit ihren Modekreationen "#NoFuchsGiven" sogar auf dem Laufsteg waren.

Wir können nicht alle 24 Stunden Fußball fressen. Manche gehen nach dem Training heim und spielen mit ihren Kindern. Andere spielen mit dem Computer. Ich beschäftige mich eben mit meinen Projekten, halte mich damit mental auf Trab, mit meinen Fußballschulen, mit "#NoFuchsGiven", mit wirtschaftlichen Dingen. Wenn meine Familie da ist, dann haben natürlich meine Frau und die Kinder absolute Priorität.

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