Jubelt Red Bull Salzburg auch im Champions-League-Play-off gegen Malmö FF?

© Agentur Diener/DIENER / Juergen Wassmuth

Champions League
08/19/2014

Nur einer darf in die Kommerzliga

Die Play-off-Gegner Salzburg und Malmö trennt weniger als es auf den ersten Blick scheint.

Es soll der ultimative Klassenkampf sein, das Duell um den Einzug in die Champions League zwischen Red Bull Salzburg und Malmö FF. Vor dem Hinspiel am Dienstag in der Red-Bull-Arena (20.45 Uhr, live Puls4, Sky) sind die Rollen laut schwedischer Boulevardmedien vergeben: Der böse Kommerzklub aus Salzburg trifft auf den guten Fan-Verein aus Malmö.

Ein wenig eindimensional ist diese Kategorisierung allerdings schon. Es stimmt natürlich, dass in Salzburg bei der Klubübernahme 2005 von Red Bull kein Wert auf Traditionen gelegt worden ist. Im Klubnamen wurde ein Sponsor durch einen anderen ersetzt, die Dressen- und Klubfarben wurden geändert, aber nicht in jene des Konzerns.

Finanz-Duell

Dank der Investitionen des Getränkekonzerns kann sich Salzburg die teuerste Mannschaft der österreichischen Bundesliga leisten. Aber auch Gegner Malmö tritt heute in der Red Bull Arena mit bezahlten Angestellten an. Ganz ohne Kommerz geht es deshalb auch bei Schwedens Meister nicht. Nur mit den Zuschauereinnahmen kann Malmö seinen Kader nicht finanzieren, ein Dutzend Sponsoren unterstützen den Klub.

Schwedens Meister ist mit einem in der letzten Bilanz ausgewiesenen Eigenkapital von 9,2 Millionen Euro übrigens der reichste Verein des Landes. Malmö hat rund 5000 Mitglieder, die alle ein Stimmrecht in der Hauptversammlung haben. In dieser werden das Budget abgesegnet und der Vorstand gewählt. Das unterscheidet den Klub vom heutigen Gegner. Die Salzburg Sport AG, die zu 100 Prozent Red Bull gehört, führt den Spielbetrieb autonom.

Finanziell ist Malmö in anderen Dimensionen als Salzburg. Der Jahresumsatz kann sich aber durchaus sehen lassen. Ohne Transfers betrug dieser 2013 18 Millionen Euro. Damit bewegt sich Malmö im Bereich von Austria (24,5 Mio. €) und von Rapid (22,3 Mio. €). Salzburg meldete 2012/’13 einen Umsatz von 60,8 Millionen Euro – Transfersummen wie bei Austria und Rapid inklusive.

Die Entscheidung um den Aufstieg fällt am 27. August im erst fünf Jahre alten Swedbank-Stadion. Das umgerechnet fast 80 Millionen Euro teure Stadion konnte Malmö nur errichten, weil die Namensrechte an eine Bank verkauft wurden und Investoren den Neubau, der fast doppelt so teuer war als kalkuliert, mitfinanzierten. In Salzburg war das anders: Für den Bau der EM-Arena gab es kein Red-Bull-Geld, die 70 Millionen Baukosten finanzierte die öffentliche Hand. Der Verein ist nur Hauptmieter, Malmö gehört das Stadion hingegen zu 75 Prozent.

Auch ist der Anlass ein abstruser, um einen Klassenkampf herbei zu beschwören: Kein Klubbewerb ist kommerziell so vermarktet wie die Champions League. Schon heute darf die Red-Bull-Arena offiziell nicht Red-Bull-Arena heißen. Die sieben Haupt- und zwei Nebensponsoren des Bewerbes dürfen werben, sonst niemand. Offiziell tritt auch der FC Salzburg an. Die finanzielle Entschädigung ist beachtlich: Beide Play-off-Teilnehmer kassieren über zwei Millionen Euro

Zuschaueransturm

Trotz neuer Firma im Klubnamen, neuer Dressen- und Klubfarben wird Salzburg bei den Zuschauern wieder angenommen. Heute wird wohl der Play-off-Zuschauerrekord von 2007 übertroffen werden. Damals kamen 26.000 gegen Donezk. Nach mageren Jahren scheint sich der Zuschauerschnitt auch langsam wieder dorthin zu bewegen, wo er in der Red-Bull-Ära schon war: Richtung 15.000. Der Fanverein Malmö hat 2014 einen Schnitt in allen Bewerben von 11.800 – in einer Stadt mit doppelt so vielen Einwohnern wie Salzburg.

Die Favoritenrolle gehört den Salzburgern

Sportlich sind die Rollen vor dem Hinspiel zwischen Salzburg und Malmö klarer vergeben als jene im Klassenkampf: Österreichs Meister ist der Favorit.

Dafür muss man jetzt nicht unbedingt die fiktiven Marktwerte der Spieler heranziehen, sondern dafür reicht etwa ein kurzer Blick auf die europäische Klub-Rangliste, für die die Europacup-Ergebnisse der letzten fünf Jahre zählen. In diesem Zeitraum war Salzburg trotz der Düdelingen-Blamage erfolgreicher als die Schweden: Österreichs Meister rangiert in der Fünf-Jahres-Wertung trotz des Wegfalls der starken Saison 2009/’10 noch immer auf Rang 54, Malmö ist aktuell die Nummer 181 in Europa.

Salzburg-Trainer Adi Hütter hat den Gegner am Mittwoch im Heimspiel gegen Örebro beobachtet. Er sah gegen den Abstiegskandidaten einen 3:2-Heimsieg nach einem 0:2-Pausenrückstand und eine „typische skandinavische Mannschaft, die versucht, mit hohen Bällen im Strafraum Gefahr zu erzeugen“. Der nötige Respekt vor dem Gegner ist da. „Ich bin überzeugt, dass wir die Mannschaft sein werden, die in die Gruppenphase der Champions League einziehen wird, wenn wir zwei gute Tage erwischen.“

Schwedens RekordmeisterGegner Malmö ist zwar mit 17 Titeln schwedischer Rekordmeister, war aber noch nie in der Gruppenphase der Champions League dabei. 2005 (gegen den FC Thun) und 2011 (gegen Dinamo Zagreb) war im Play-off Endstation. Salzburg konnte sich 1994 als erster österreichischer Verein für die Gruppenphase qualifizieren, hat sich seitdem aber acht Mal erfolglos in der Qualifikation versucht, davon sechs Mal in der Ära Red Bull.

Immer Heimvorteil

Vor dieser Saison kamen die Salzburger vier Mal in die letzte Qualifikationsrunde, scheiterten vier Mal – kurios: Wie auch gegen Malmö fand in allen anderen Duellen das Hinspiel in Salzburg statt.

Der Ländervergleich spricht ebenfalls für Salzburg – zumindest jener der Ligen. Die österreichische Bundesliga ist im UEFA-Ranking derzeit 16., die schwedische All-svenskan liegt nur auf Rang 23.

Auch die Europacup-Bilanz ist positiv: Österreich hat neun Duelle gewonnen, Schweden fünf – der letzte Sieg war ein 3:0 von Helsingborg gegen Austria 2007 im UEFA-Cup. Die Salzburger, die beide Spiele gegen schwedische Klubs gewonnen haben, feierten im 2013 Österreichs letzten Sieg (1:0 bei Elfsborg).

Malmö hat bisher vier Spiele gegen Bundesliga-Klubs absolviert, alle gegen Austria. Bilanz: ein Sieg und ein Remis im Meistercup-Semifinale 1979 sowie zwei Niederlagen in der Europa-League-Gruppenphase 2011.

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