Sport | Fußball
05.03.2013

Neue Könige im alten Prinzenpark

Paris SG steht vor dem Viertelfinaleinzug. Doch der Klub hat Größeres im Sinn.

Paris gibt sich am Mittwoch wieder den großen Kick. Knallige Lichteffekte und dröhnende Musik werden das Prinzenpark-Stadion für 90 Minuten in die größte Disco der Stadt verwandeln. Für perfekte Bilder sollen aufwendige Choreografien auf den Tribünen und hübsche Cheerleader am Spielfeldrand sorgen.

Paris Saint-Germain empfängt den FC Valencia zum Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League, der Aufstieg gilt für die Franzosen nach dem 2:1-Sieg in Spanien als Pflichtaufgabe. Doch darum geht es nicht: Fußball muss in Paris nicht mehr nur bloß gespielt, sondern inszeniert werden.

Umsturz

Kein Stein blieb auf dem anderen, als der Hauptstadt-Klub im Sommer 2011 den Besitzer wechselte. Damals erwarb die Qatar Sports Investment Group (QSI) die Aktienmehrheit an dem Verein, der stets im Schatten der Ligakonkurrenten aus Marseille und Lyon gestanden war. Mit Tradition konnte der Klub ebenfalls nicht dienen, PSG wurde erst 1970 gegründet.

Die Herren aus Katar störte weder die fehlende Historie noch das sportliche Mittelmaß. Der Scheich, dessen Herrscherhaus QSI kontrolliert, sah ein Versprechen in die Zukunft. Wie andere Emirate auch ist Katar auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, wenn jene aus dem Öl endgültig versiegt ist.

Tourismus + Sport + Medien lautet die Formel. Die neuen Herrscher zogen in den Prinzenpark ein und brachten Millionen Argumente mit. 250 davon in Euro flossen in neues Personal. Dabei wird nicht nur auf Qualität und Perspektive geachtet wie bei Stürmer Zlatan Ibrahimovic, sondern auch auf Vermarktungspotenzial. Anders ist das Engagement des 37-jährigen David Beckham nicht zu verstehen.

Die Präsentation des Engländers wurde inszeniert wie die letzte Rede des Papstes. Beim Erstauftritt im rot-blauen Dress war eine eigene TV-Kamera, die „Beck-Cam“, auf den Neuzugang gerichtet.

Nach seinem Gastspiel in Los Angeles kehrt Beckham am Mittwoch in die Champions League zurück. „Es war nichts Neues, dass viele Leute dachten, ich wäre nur geholt worden, um die Trikotverkäufe anzukurbeln. Das war schon in Manchester, Madrid und in Mailand so. Und jedes Mal haben sie nach ein paar Spielen festgestellt, dass ich noch etwas kann“, sagt er.

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Der Trikotverkauf ist nur ein kleiner Stein im großen Puzzle, das die Katarer bauen: Gleichzeitig mit QSI betrat auch beIN Sport das Spielfeld. Die Pay-TV-Kette ist eine Tochter der katarischen Mediengruppe Al Jazeera und besitzt mittlerweile die Übertragungsrechte der französischen Ligue 1 sowie der Champions League. Im ersten halben Jahr verzeichnete der Sender über eine Million neue Abonnenten.

Wandel

Ohne Reibungen ging der Eigentümerwechsel allerdings nicht vonstatten. „Der Park ist tot“, skandieren alte Fans Woche für Woche. Nicht alle in Frankreich sind unglücklich über den Wandel auf den Tribünen. Jahrelang verströmten die „Boulogne Boys“ rechtsextremes Gedankengut in den Stadien.

Die Eintrittspreise wurden erhöht, dennoch kommen nun im Schnitt 12.000 Besucher mehr pro Spiel. Das ist gut für die Einnahmen, doch von einem Plus in der Bilanz sind die Pariser weit entfernt. Das rief wiederum die europäische Konkurrenz auf den Plan, die sich bei UEFA-Boss Michel Platini beschwerte. Seit Kurzem müssen sich die Klubs an das Financial-Fairplay-Abkommen halten, das kostendeckendes Wirtschaften vorschreibt. Doch die Herren aus Katar haben gleich doppelt vorgesorgt: Erstens mit einem millionenschweren Trikotsponsor (Katar Tourismus), und, zweitens, mit der Installierung eines neuen Europa-Chefs bei QSI. Es ist Platinis Sohn.