Das 2:2: Soriano nahm das Schiedsrichter-Geschenk an, verwandelte den zu Unrecht verhängten Strafstoß eiskalt.

© APA/DANIEL KRUG

Bundesliga
11/30/2014

Salzburg rettet einen Punkt gegen Verfolger WAC

Die Wolfsberger liegen bis zur 87. Minute 2:0 in Führung, dann trifft Soriano zweimal vom Elfmeterpunkt.

von Stephan Blumenschein

Ein Fußballspiel ist erst entschieden, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Diese längst abgedroschene Floskel hatte auch im gestrigen Bundesliga-Hit zwischen Tabellenführer Salzburg und dem Tabellenzweiten WAC ihre Gültigkeit: In der 87. Minute sah der Außenseiter wie der sichere Sieger aus, führte mit 2:0.

Doch in den letzten Minuten holte der angeschlagene Tabellenführer den Rückstand doch noch auf: Torjäger Soriano, der bis dahin unter der Wahrnehmungsgrenze gespielt hatte, behielt die Nerven und verwertete zwei Elfmeter eiskalt. Damit rettete der Spanier dem Meister, der keine einzige reguläre Torchance hatte, den Sechs-Punkte-Vorsprung auf, fixierte dazu die Herbstmeisterschaft, mit einer Schwalbe gab er allerdings keine Bewerbung für einen Fairnesspreis ab.

Salzburg-Trainer Adi Hütter hatte trotz des Europa-League-Spieles am Donnerstag bei Celtic (3:1) seine nominell stärkste Elf aufgeboten, die in dieser Besetzung erstmals begann. Mit Schwegler und Ulmer kehrten die beiden Stamm-Außenverteidiger in die erste Elf zurück, sonst spielten die Sieger vom Celtic Park.

Bei Wolfsberg wurde kräftig experimentiert. Dass Trainer Kühbauer das gesperrte Innenverteidiger-Duo Rnic und Sollbauer durch Hüttenbrenner und Drescher ersetzte, war weniger überraschend als die neue Position für Routinier Standfest. Der 34-Jährige wechselte von der angestammten Rechtsverteidiger-Position ins defensive Mittelfeld.

Dort bekam er auch gleich viel zu tun, von Salzburg wurde ihm keine Eingewöhnungszeit zugestanden. Der Meister startete von Beginn an erwartungsgemäß druckvoll.

Gerade vier Minuten waren gespielt, da hätte es schon 1:0 stehen können. Bruno traf nur die Latte. Der Belgier war allerdings im Abseits gestanden, wäre der Ball ins Tor gegangen, hätte dieses aber gezählt. Das sollte nicht der einzige Fehler des inferioren Schiedsrichtertrios bleiben.

Die erste Salzburger Drangperiode überstanden die Kärntner schadlos, kamen danach auch einige Male in die gegnerische Hälfte, aber zunächst nicht mehr.

Die Taktik, nichts für das Spiel zu tun und einfach auf Fehler der Salzburger zu warten, sollte aber nach einer halben Stunde vom Erfolg gekrönt sein: Ilsanker verfehlt den Ball, Ramalho kommt zu spät, Putsche kommt an diesen und spielt Wernitznig herrlich frei, der Keeper Gulacsi keine Chance lässt. Es war der erste WAC-Treffer nach über fünf Spielstunden – 0:1 (28.).

Salzburg musste nun überhaupt nur mehr gegen eine Kärntner Menschenmauer anrennen, verfing sich immer wieder im Gewirr von Beinen und anderen Körperteilen, blieb bis zur Pause ohne Ausgleichschance.

Nach dem Wechsel versuchten die Kärntner – überraschenderweise – auch Fußball zu spielen. Und das taten sie auch ganz ansehnlich. Salzburg bekam dadurch auch mehr Räume, konnte damit aber wenig anfangen – zu unpräzise waren die Zuspiele, zu oft wurde es auf eigene Faust probiert.

Die Minuten vergingen, die Spieluhr wurde immer mehr zum Gegner des Tabellenführers. Kühbauer bot derweil ein besseres Unterhaltungsprogramm als die Spieler, sorgte mit seiner Gestik und Mimik in der Coaching-Zone im Stil von Louis de Funes für Lacher auf der VIP-Tribüne.

Aber auch die Salzburger hatten eine Slapstick-Einlage auf Lager. Gulacsi und Leitgeb waren sich nicht einig, wer zum Ball gehen sollte, also schnappte sich Putsche diesen und schoss ein. Allerdings hatte der Torschütze davor Leitgeb regelwidrig gestoßen. Auch das hätte Schiedsrichter Schörgenhofer von seiner Position aus sehen müssen, sah es aber nicht – 0:2 (66.).

Damit war die Partie eigentlich entschieden, doch dann kam die turbulente Schlussphase mit den zwei Elfmetern, wobei der zweite keiner war, weil Schörgenhofer eine Schwalbe von Soriano fälschlicherweise als Foul ahndete, ohne wirklich freie Sicht auf die Szene zu haben.

Dafür hatte der einmal mehr überforderte Vorarlberger Schiedsrichter zwei Sekunden davor weiterspielen lassen, als Salzburg-Stürmer Alan von Baldauf ebenfalls im Strafraum umgemäht worden war.

Die beiden irregulären Tore beschäftigten natürlich auch die Trainer nach dem Spiel. Kühbauer ("Mir tun meine Spieler leid"), der nach dem Spiel mit Salzburg-Spieler Ilsanker zusammengekracht war, sah das Foul vor dem 2:0 mit dem ersten Elfmeter kompensiert. Zum zweiten Elfer meinte der WAC-Trainer, dass ein kleiner Klub diesen nie bekommen würde. Sein Gegenüber sah es anders. "Für mich waren beide Treffer irregulär", meinte Salzburg-Coach Hütter, der mit der Leistung seiner Mannschaft überhaupt nicht zufrieden war: "Wir haben schlecht gespielt."

Salzburg - WAC 2:2 (0:1)

Salzburg, Red-Bull-Arena, 9.616, SR Schörgenhofer

Tore:
0:1 (28.) Wernitznig
0:2 (66.) Putsche
1:2 (87.) Soriano (Foul-Elfmeter)
2:2 (91.) Soriano (Foul-Elfmeter)

Salzburg: Gulacsi - Schwegler, Ramalho, Hinteregger, Ulmer - Ilsanker - C. Leitgeb (71. Keita), Bruno (59. Sabitzer), Kampl - Soriano, Alan

WAC: A. Kofler - Berger, Hüttenbrenner, Drescher, Baldauf - Standfest - Seebacher, Putsche (70. Trdina), M. Weber, Wernitznig (78. Jacobo) - Silvio (94. Ritscher)

Gelbe Karten: Kampl, Ramalho, Alan, Schwegler bzw. Hüttenbrenner, M. Weber, Silvio

Tabelle

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