Anel Hadzic nahm ein Elfmeter-Geschenk dankend an.

© Agentur Diener/DIENER / Philipp Schalber

Bundesliga
08/16/2015

Rapid holt 0:2 gegen Sturm auf

Die Wiener geben erstmals in dieser Saison Punkte ab, beweisen aber Moral.

von Harald Ottawa

Wenn sich Wiener auf Wanderschaft Richtung Süden begeben, dann stehen zumeist schöne Fußballfeste an.

Insbesondere dann, wenn Sturm-Spieler von Rapidlern heimgesucht werden. Eine Begegnung, die auch am Sonntag ausverkauft war. Nach einem 0:2-Rückstand gab es schließlich ein gerechtes 2:2 – Sturm sorgte damit für den ersten Punkteverlust der Wiener in dieser Saison und bleibt selbst noch unbesiegt. „Es war das erwartet schwierige Spiel für uns, vor der Pause waren wir über weite Phasen nicht präsent genug. Zur Moral kann ich meiner Mannschaft nur gratulieren“, sagte Rapid-Trainer Zoran Barisic.

Er ließ im Erfolgsteam ein wenig rotieren, schob Steffen Hofmann und Beric auf die Ersatzbank, brachte dafür Prosenik und Schaub von Beginn an. Nach nur acht Minuten musste Barisic einen ungeplanten Wechsel vornehmen, Stangl musste wegen Adduktorenproblemen durch Pavelic ersetzt werden.

Selbstvertrauen

Vor enthusiastischen Fans – 1500 davon aus Wien – war eines klar: Ein offener Schlagabtausch blieb bei diesem aufgrund der derzeitigen Befindlichkeiten (Zweiter gegen Erster vor dieser Runde) noch emotionaler als sonst geführten Duell unausweichlich. Beide suchten ihr Heil sofort in der Offensive, fanden es aber nicht. Rapid wirkte zumindest ballsicherer.

Brandgefährlich wurde es im nicht mehr ganz so heißen Graz lange nicht: Viele Fouls, insbesondere von Sturm, störten den Spielfluss. Ein solches wollte Schiedsrichter Muckenhammer auch gesehen haben, als sich Pavelic und Dobras einen Zweikampf im Strafraum lieferten, so durfte Hadzic einen ungerechtfertigten Elfer zum 1:0 verwandeln. Fehlentscheidung. „Ich will über Schiedsrichterleistungen öffentlich nichts sagen“, erklärt Barisic.

Dann ging es rund: Schick hatte noch das 2:0 in den Beinen, dafür vergab Prosenik alleinstehend vor dem Tor. Da fehlte wohl Beric. Praktisch mit dem Pausenpfiff traf Donis Avdijaj nach Tadic-Zuspiel dann doch – ins kurze Eck.

Die Rückkehr

Kurz nach der Pause war es vorübergehend vorbei mit Sommerwetter und schöner Fernsicht, Nebelwerfer sorgten für undurchsichtige Aktionen. Verpasst haben die Fans zunächst nichts. Wie schon in der ersten Hälfte gab es auch im zweiten Abschnitt zunächst nicht wirklich Hochkarätiges in der Offensive.

Rapid wurde mit Fortdauer stärker, mit der Einwechslung von Steffen Hofmann kam viel Gefahr ins Spiel. „Da haben wir etwas die Ordnung verloren“, sagt Sturm-Trainer Franco Foda. Bis zur 70. Minute: Da schoss Schobesberger, Tormann Esser war geschlagen, Spendlhofer klärte auf der Linie. Ein Warnschuss Rapid hatte mittlerweile Robert Beric im Spiel, der nach einem Mini-Solo den Anschlusstreffer erzielte. Und wer Rapid kennt, der weiß, dass das Team nie aufgibt, ein Eigentor des sonst starken Kapitäns Michael Madl brachte den Gästen den Punkt.

Am Mittwoch kommt Donezk nach Wien. Keine Sorge: „Wir haben in Graz gesehen, dass wir körperlich in sehr guter Verfassung sind“, frohlockte Barisic.

Spielplan, Ergebnisse, Tabelle

SK Sturm Graz - SK Rapid Wien 2:2 (2:0)

UPC-Arena, 14.876 Zuschauer, SR Muckenhammer.


Torfolge: 1:0 (34.) Hadzic (Elfmeter)
2:0 (45.+3) Avdijaj
2:1 (70.) Beric
2:2 (88.) Madl (Eigentor)

Sturm: Esser - Ehrenreich, Madl, Spendlhofer, Potzmann - Kamavuaka, Hadzic (60. Piesinger) - Schick (77. Gruber), Avdijaj, Dobras - Tadic (74. Edomwonyi)

Rapid: Novota - Auer, Sonnleitner, M. Hofmann, Stangl (8. Pavelic) - Petsos, Schwab (55. S. Hofmann) - Schobesberger, Schaub, F. Kainz - Prosenik (63. Beric)

Gelbe Karten: Hadzic, Ehrenreich, Potzmann, Avdijaj bzw. Schaub, Pavelic, Beric

Barisic: "Die Mentalität der Mannschaft ist einzigartig"

Franco Foda (Sturm-Trainer): "Wir haben ein Topspiel gesehen von beiden Mannschaften - mit vielen Tormöglichkeiten auf beiden Seiten. Es war alles dabei, was ein Spitzenspiel beinhalten muss. Wenn man 2:0 führt, ist man schon enttäuscht nach dem Spiel. Wir haben es versäumt in der zweiten Hälfte, da waren wir zu passiv. Das war schon beim WAC (2:0/Anm.) so, da wurden wir aber nicht bestraft. Heute wurden wir für unsere Passivität bestraft. Wir müssen einfach lernen, dass man auch nach einer 2:0-Führung noch nach vorne verteidigen muss. So ist es eben, Rapid ist immer im Spiel."

Donis Avdijaj (Sturm-Torschütze): "Man muss gestehen: Rapid hat in der zweiten Hälfte gut Fußball gespielt. Vorne hätten wir eventuell mehr Druck machen müssen. Wenn wir zur Halbzeit 2:0 vorne liegen, müssen wir die drei Punkte zu Hause lassen. Wir müssen analysieren und schauen, was wir falsch gemacht haben. Ich denke, dass wir heute damit leben müssen. Rapid hat in der zweiten Hälfte super Fußball gespielt."

Zoran Barisic (Rapid-Trainer): "Speziell nach dem 0:2 in der ersten Hälfte ist es ein gewonnener Punkt. Das ist das Resultat, das dabei herausschaut, wenn man den Glauben an sich selbst nie verliert. Ich habe auch in einigen Mannschaften gespielt, aber diese Mentalität einer Mannschaft ist schon einzigartig. Kompliment an die Moral meiner Mannschaft. Wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft gespielt. Es war aber auch nicht notwendig, 0:2 in Rückstand zu liegen. Fehler passieren eben. Wir haben dann 45 Minuten Zeit gehabt, das Ergebnis zu reparieren. Das ist uns dann Gott sei Dank gelungen."