Sport | Fußball
11.03.2012

Bundesliga-Duo mit Treue-Pass

Nur zwei aktuelle Bundesliga-Spieler haben nie den Verein gewechselt. Heute trifft Gorgon auf Admiras Schachner.

Sie sind die Letzten ihrer Art: Alexander Gorgon von der Wiener Austria und Admiras Bernhard Schachner. Die beiden Mittelfeldspieler, die einander heute in der Generali-Arena gegenüberstehen (16.30 Uhr/live ORFeins, Sky), sind aktuell die Einzigen im österreichischen Fußball, die nie für einen anderen Verein gespielt haben – abgesehen von Schachners kurzem Gastspiel bei Admira-Fusionsklub Schwadorf.

"Natürlich macht mich das stolz. Im heutigen Fußball ist das nicht selbstverständlich", sagt Alexander Gorgon, der derzeit beim Wiener Traditionsklub die Einzigartigkeit gepachtet zu haben scheint. Die treue Seele ist im Jahr 2012 der einzige Austrianer, der in einem Pflichtspiel ins gegnerische Tor getroffen hat.

Während Gorgon, 23, auf den Außenbahnen für Chaos bei den Gegnern sorgt, ist Bernhard Schachner, 26, für Ordnung zuständig. Der Mödlinger ist mehr Arbeiter denn Künstler – unauffällig, konstant, und wohl auch deshalb für Trainer Dietmar Kühbauer gesetzt im zentralen Admira-Mittelfeld. Nach dem langfristigen Ausfall von Abwehrchef Christopher Dibon (Wadenbeinbruch) und dem kurzfristigen von Routinier Gernot Plassnegger durfte Schachner letzte Woche "seinen" Verein sogar als Kapitän auf das Spielfeld führen. "Egal, wie oft ich das noch darf", sagt er, "es war mir auch dieses eine Mal eine große Ehre."

Das Erbe

Zwanzig Jahre trägt Schachner bereits den Klubdress seines Vertrauens, beim um zwei Jahre jüngeren Gorgon sind es mittlerweile auch schon 16. Eine entscheidende Rolle beim Karriereweg spielten bei beiden die Väter. Papa Schachner (nicht der Schachner) lief selbst für die Admira in der Bundesliga auf und war einer der ersten Jugendtrainer von Klein-Bernhard in der Südstadt.

Papa Gorgon spielte zwar nie für die Austria, war aber nach der aktiven Laufbahn in seiner polnischen Heimat Schiedsrichter in Österreich. Er wusste daher über die Qualitätsunterschiede in der Jugendausbildung Bescheid und schleppte seinen Filius zu den Veilchen, damals noch in den Prater. "Daher gab’s auch keinen Grund für mich, den Klub zu wechseln", erklärt Gorgon.

Auch nicht in Krisenzeiten, vor denen kein Treue-Pass dieser Fußball-Welt schützen kann. Gorgon war lange Jugendjahre einer der Schmächtigsten, weshalb er sich mehrmals auf der Ersatzbank wiederfand. Bernhard Schachner debütierte zwar bereits 2005 als 19-Jähriger in der Bundesliga, ging in den Jahren darauf aus Loyalität auch den schwierigsten Gang in der Klubgeschichte mit, der die Admira erstmals in die Regionalliga führte. "Eine Liebe lässt man nicht im Stich."

Auch nicht, als es persönlich bergab ging. 2009 schickte ihn der damalige Trainer – ausgerechnet Namensvetter Walter, dem Bernhard den Spitznamen Schoko verdankt – zu den Amateuren. "Da hab’ ich erstmals zu Grübeln begonnen, ob es das jetzt war mit der Karriere. Erst Trainer Kühbauer hat mir wieder Leben eingehaucht."

Die Zukunft

Weshalb es Schachner bisher auch erst auf 28 Bundesliga-Einsätze gebracht hat. "Es wäre schön, wenn ich noch ein paar Jahre oben bleibe." Am liebsten bei der Admira. Auch bei Alexander Gorgon ist die violette Uhr noch lange nicht abgelaufen: "Das Ausland ist sicher reizvoll, vor allem Spanien. In Österreich sehe ich keinen Grund für einen Wechsel."

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