Sport | Fußball 08.03.2012

Bundesliga: Details zur Millionenfrage

Vor 15 Monaten gab es große Aufregung um eine Sonderförderung – nun kommt Licht ins Dunkel der Zahlungsflüsse.

Es war zu Weihnachten 2010, als der KURIER der Bundesliga eine eher unschöne Bescherung unter den Tannenbaum legte. Laut Recherchen hatte der Steuerzahler ungewollt dem Profifußball aus der finanziellen Patsche geholfen – unter dem Titel einer Sonderförderung für den Nachwuchs.

Relativ zeitnah mussten alte Finanzschulden beglichen werden, was den Verdacht eines Zug-um-Zug-Geschäftes nährte. Bundesliga, ÖFB und Bundeskanzleramt hatten stets betont, dass alles rechtmäßig abgelaufen sei. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein – bisher ohne Ergebnis. Nun sind neue Details aufgetaucht, die die komplexen Geldflüsse nachvollziehbarer machen und die Argumentation von ÖFB und Bundesliga bestätigen. Das Verfahren dürfte vor der Einstellung stehen.

Der Deal

Die Vorgeschichte: Der FC Tirol blieb vor 2002 der Finanz Millionen an Steuern schuldig. Das Finanzamt pfändete daraufhin die über die Bundesliga ausgeschütteten TV-Gelder des Klubs. Die Bundesliga zahlte trotz der Pfändung nicht an das Finanzamt, sondern an den FC Tirol. Der FC Tirol wanderte dennoch in den Konkurs (Juni 2002), die Steuern waren verloren. Die Republik brachte eine Klage auf Schadenersatz gegen die Bundesliga ein. Begründung: Verbotene Auszahlung von TV-Geldern an den FC Tirol trotz Pfändung. Klagsforderung: 1,6 Millionen Euro.

Nun passierte der Deal zwischen Finanz und Bundesliga. Statt 1,6 Millionen nur 1,2 Millionen an Rückzahlung, eine Million sofort. Die Bundesliga bezahlte ihre Schuld. In den selben Monaten wurde parallel dazu vom damaligen Liga-Vorstand Westenthaler eine Sonderförderung für den Nachwuchs verhandelt, die – wie sich nun herausstellte – zweckgewidmet ausbezahlt wurde.

Abgewickelt wurde der Deal über den Österreichischen Fußballbund (ÖFB), dem die Nachwuchsförderung vom Parlament gewährt worden war. Geflossen sind diese Sonderförderungen in drei Tranchen, die letzte Zahlung langte letztlich am 3. Februar 2005 in der Bundesliga ein – die Schulden beim Finanzamt waren jedoch bereits im Juni 2004 abgestottert und könnten daher gar nicht in Verbindung mit der Förderung gebracht werden, wie Liga-Vorstand Georg Pangl mitteilte.

Parlamentarische Anfragen

Sein Vorgänger Westenthaler verließ übrigens bereits Anfang August 2004 die Bundesliga – noch vor Eingang der Hälfte der Förderung – und zeichnete für die letztendliche Verwendung der Mittel nicht mehr verantwortlich.

Zu der brisanten Angelegenheit gab es auch parlamentarische Anfragen. In einer Beantwortung vom Februar 2006 durch Kanzler Schüssel wurde die sachliche Richtigkeit der Abrechnung bestätigt. In einer weiteren Anfragebeantwortung (März 2011) ortete Finanzminister Pröll keinen Zusammenhang mit der Gewährung der Förderung und den Finanzamtschulden der Bundesliga.

( Kurier ) Erstellt am 08.03.2012