Joseph Blatter, Franz Beckenbauer, Fedor Radmann

© APA/AFP/PATRICK HERTZOG

WM-Affäre
02/09/2016

DFB fordert 6,7 Mio. von Beckenbauer-Intimus

Fedor Radmann hat als eine der Hauptfiguren im Sommermärchen-Skandal eine Zahlungsaufforderung vom DFB erhalten.

In der Sommermärchen-Affäre geraten die Hauptfiguren um Franz Beckenbauer juristisch immer mehr unter Druck. Die Bild-Zeitung hatte berichtet, dass Fedor Radmann, ehemaliger Vize-Präsident des Organisationskomitees der WM 2006, vom DFB eine Zahlungsaufforderung über 6,7 Millionen Euro erhalten haben soll. Radmann gab daraufhin an, allen der einstigen Spitzenfunktionäre wäre es so ergangen. „Mir ist bekannt, dass das jeder bekommen soll oder schon bekommen hat (...). Alle. Also, das heißt: Beckenbauer, Zwanziger, Niersbach, Schmidt und ich.“

Der DFB widersprach dieser Version allerdings. Nur Radmann habe eine Zahlungsaufforderung bekommen. Dies habe mit der Rechtsordnung in der Schweiz zu tun, wo der langjährige Vertraute von Franz Beckenbauer wohnt. Mit diesem Vorgehen will der DFB einen möglichen finanziellen Schaden vom Verband fernhalten und eine Verjährung von Ansprüchen verhindern. "In der Schweiz wurde auf Grundlage des dort geltenden Rechts das Betreibungsverfahren auf den Weg gebracht, das sich in der Ausgestaltung von den Güteanträgen unterscheidet, aber für uns dasselbe Ziel verfolgt, nämlich die Sicherung von Ansprüchen für den gemeinnützigen Verband und die Vermeidung des Eintritts der Verjährung", teilte DFB-Präsident Rainer Koch am Dienstag mit.

Dubioser Geldfluss

Zuvor hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet, dass Radmann das Geld innerhalb von 20 Tagen an den Deutschen Fußball-Bund überweisen soll. Dabei geht es um jene Summe, die der DFB vor der WM auf ein Konto des Weltverbandes FIFA geleitet hatte. Angeblich sollte der Betrag zur Rückzahlung eines Darlehens des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus verwendet werden. Wohin es tatsächlich floss, ist bislang nicht geklärt.

Radmann erklärte, er habe die Zahlungsaufforderung am 8. Januar in seinem Schweizer Wohnort bekommen. Er habe widersprochen, jetzt sei der Verband am Zug. „Damit ist der DFB gefordert, nachzuweisen, dass es überhaupt eine Forderung gibt. Denn bis zum 8. Januar hat niemand mit mir je darüber gesprochen, noch gibt es irgendeinen Schriftverkehr. Die werden nie in der Lage sein, nur den Hauch einer Forderung nachzuweisen“, sagte Radmann. Das sei alles „ein bisschen sehr merkwürdig - das ist aber noch diplomatisch formuliert“.

Die 6,7 Millionen Euro an die FIFA waren ursprünglich als Beitrag für die später abgesagte WM-Eröffnungsgala verschleiert worden. Der ursprüngliche Kredit von Dreyfus war nach Angaben von Beckenbauer als Gegenleistung für einen hohen FIFA-Zuschuss zur WM in Deutschland verwendet worden.

Schadensersatz

Der DFB hat Güteanträge bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle in Hamburg eingereicht, um den Anspruch auf möglichen Schadensersatz in Millionenhöhe zu wahren. Die Ansprüche richten sich neben Beckenbauer und Radmann auch gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach, Ex-DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, den Testamentsvollstrecker von Robert Louis-Dreyfus sowie die FIFA.

Radmann ist seit vielen Jahren ein enger Vertrauter und Wegbegleiter Beckenbauers - quasi der Schattenmann der Lichtgestalt. Der heute 71-Jährige saß einst im WM-Organisationskomitee und begleitete Beckenbauer auf seiner Welcome-Tour über 132 276 Flugkilometer durch 31 Länder. Wegen Interessenskonflikten gab Radmann 2003 sein Amt als Vize-Chef des WM-OK an Theo Zwanziger ab. Er war wegen Beraterverträgen mit Adidas und der Kirch-Gruppe, die er dann teilweise ruhen ließ, in Erklärungsnot gekommen.

Verdacht der versuchten Bestechung

Der gebürtige Berchtesgadener muss sich ebenso wie Beckenbauer des Vorwurfs erwehren, einen Bestechungsversuch zumindest geplant zu haben. Es geht um den brisanten Vertrag mit Jack Warner: Dem einstigen FIFA-Spitzenfunktionär aus Trinidad & Tobago, der inzwischen wegen Korruption lebenslang gesperrt ist, wurden laut eines beim DFB gefundenen Papiers vier Tage vor der Abstimmung zur WM-Vergabe „diverse Leistungen“ zugesagt. Unterschrieben hat das Papier Beckenbauer, den Entwurf paraphierte Radmann.

Zu Beginn der WM-Affäre hatte der gebürtige Berchtesgadener in der Wochenzeitung Die Zeit gesagt: „Ich könnte beim Leben meiner sechs Kinder beschwören, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass nicht ein Mensch von uns bestochen wurde.“

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