Sport | Fußball
19.04.2017

Bayern nach CL-Aus: "Sind beschissen worden"

Ein paar Bayern-Profis sollen dem Schiedsrichter Viktor Kassai einen Kabinenbesuch abgestattet haben.

Den Schuldigen für das bittere Aus in der Champions League hatte der FC Bayern fix ausgemacht. Schiedsrichter Viktor Kassai lag gegen Real Madrid wiederholt daneben. „Das kann im Fußball passieren, aber nicht so eine Serie von Fehlern“, rügte Münchens Coach Carlo Ancelotti.

„Ich muss sagen, ich habe heute zum ersten Mal so etwas wie wahnsinnige Wut in mir, Wut, weil wir beschissen worden sind. Wir sind beschissen worden, im wahrsten Sinne des Wortes“, erklärte Bayerns Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Kassai übersah bei zwei Real-Treffern und einem Bayern-Tor die Abseitsstellung. Dazu gab der Ungar nach zuvor nicht mit einer Karte geahndeten Vergehen von Arturo Vidal den Platzverweis für eine regelkonforme Aktion. „So kämpfst du gegen etwas, auf das du keinen Einfluss hast“, haderte Bayern-Star Arjen Robben. Kassai, der im April 2012 beim Elfmeterkrimi der Münchner im Halbfinale bei Real Schiedsrichter war und auch auf dem Weg zum Titel 2013 im Halbfinale im Spiel gegen Barcelona pfiff, erwischte einen schwarzen Tag.

Der 41-Jährige war zuletzt kein Glücksbringer für deutsche Teams. Wolfsburg verlor in der Vorsaison gegen Manchester (1:2) und Real (0:3). Beim 4:4 zwischen Leverkusen und Rom war der Ungar im Einsatz. Einen gravierenden Fehler leistete sich Kassai bei der EM 2012. Er verweigerte der Ukraine gegen England ein reguläres Tor. Die Ukraine schied nach dem 0:1 aus. Das Tor hätte sowieso nicht zählen dürfen, weil Kassai zuvor eine Abseitsposition übersah.

Besuch in der Kabine?

Die spanische Zeitung Marca berichtet, dass nach dem Spiel Thiago, Robert Lewandowski und der vom Platz gestellte Arturo Vidal die Kabine des Schiris gestürmt haben sollen. Laut einem Reporter des TV-Senders La Sexta soll das Bayern-Trio den Ungarn beschimpft und angeschrien haben. Zur Sicherheit des Unparteiischen soll die Polizei geholt worden sein.

Bereits im Spielertunnel seien nach dem Abpfiff laute und wütende Schreie zu hören gewesen. Einige Spieler hatten Kassai aufgelauert und ihn "auf jede mögliche Art beleidigt", wie das Blatt schrieb.

Die UEFA teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass nach dem Spiel keine disziplinarischen Verfahren eingeleitet worden seien. Vom FC Bayern gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Vorkommnissen.

Rot, Abseits! Schiri pfeift Bayern raus

SPANIEN:

El Pais: "Cristiano befreit Madrid."

AS: "Cristiano bringt die Bayern zum Einstürzen. Hattrick des Portugiesen, der in der Champions League bereits 100 Tore erzielt hat."

Marca: "Madrid regiert. Real überlebt in einer denkwürdigen Nacht. Ronaldo - König von Europa".

Sport: "Historischer Raubüberfall. Kassai stellte Vidal vom Platz und erkannte zwei Abseitstore an, die Madrid für das Halbfinale qualifizierten."

DEUTSCHLAND:

Bild: Bayerns bitteres Aus. 2:4! K.o. durch Ronaldos Abseits-Tor. Bayern liefert eine magische Nacht - und wird ums Halbfinale der Champions League gebracht."

B.Z.: Rot, Abseits! Schiri pfeift Bayern raus."

ENGLAND:

The Telegraph: "Die Schiedsrichter-Entscheidungen spielen die Hauptrolle trotz Ronaldos Hattrick."

Daily Mail: "Bayerns Star Arturo Vidal erregt sich über Schiedsrichter-'Clown', der das Champions-League-Halbfinale 'geraubt' hat. Es war grausam für Bayern München, das einen harten Platzverweis für Arturo Vidal hinnehmen musste und sich darüber beschweren könnte, dass Ronaldos zweites und drittes Tor Abseits war."

FRANKREICH:

L'Equipe: "Cristiano erzielt einen Hattrick, während Kassais Spielleitung umstritten war."

ITALIEN:

Corriere dello Sport: "Skandal um Real! Der Schiedsrichter eliminiert Ancelottis Bayern. Ein grotesker Platzverweis für Vidal, während Casemiro verschont bleibt. Ronaldo erzielte das entscheidende Tor aus klarer Abseitsposition."

SCHWEIZ:

Blick: "Am Ende sind die Bayern mit 2:4 geschlagen, schleichen mit gesenkten Köpfen vom Platz. Das schmerzhafte Aus nach großem Spiel."

Basler Zeitung: "Sie lamentierten und klagten. Sie fühlten sich um den Sieg gebracht. Die Bayern hatten Grund zum Klagen. (..) Allerdings: Was alles an Entscheiden zu ihren Gunsten ausfiel, davon redeten weder Rummenigge noch Ancelotti - obwohl auch das eine Menge war."

Atlético festigt den Rang in Europas Spitze

Der Traum von Leicester City vom Titel in der Champions League ist zu Ende. Englands Meister musste sich im Viertelfinale Atlético Madrid beugen. Den Spaniern reichte nach dem 1:0 im Hinspiel im King Power Stadium am Dienstag ein 1:1-Remis. Zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren geht die Vorschlussrunde mit Atlético über die Bühne.

"Ins Halbfinale zu kommen, ist alles andere als einfach. Es dreimal in vier Jahren zu schaffen, ist unglaublich. Wir genießen es", sagte der 25-jährige Mittelfeldspieler Koke. 2014 (1:4 in der Verlängerung) und 2016 (3:5 im Elfmeterschießen) gelang auch der Einzug ins Finale, in dem jeweils Lokalrivale Real zu stark war. Die "Königlichen" sind nun ein möglicher Semifinalgegner. Die Auslosung findet am Freitag (12 Uhr) in Nyon statt.

Stolzer Trainer

Architekt des Erfolgs ist Trainer Diego Simeone. "Ich bin gerührt, stolz und voller Hoffnung nach diesem Spiel gegen ein Team, das bis zum Schluss gekämpft und uns alles abverlangt hat", resümierte der 46-jährige Argentinier.

"Es ist keine Schande gegen ein Team dieses Kalibers auszuscheiden. Am Ende wollte es nicht mehr sein", meinte hingegen Leicester-Trainer Craig Shakespeare, der bis jetzt durchaus erfolgreiche Nachfolger von Claudio Ranieri. In der Liga ist der Meister 2016 längst entthront, zuletzt konnte aber zumindest die Abstiegsgefahr gebannt werden.