"Es ist gut, wie es ist" - Zoran Barisic, Ex-Rapid-Coach

© APA/GEORG HOCHMUTH

Interview
03/21/2017

Barisic: "Verbundenheit zu Rapid ist sehr groß"

Zwischen Hütteldorf und Karabük: Trainer Zoran Barisic spricht über sein Leben als Lernender.

von Alexander Huber

Mit einem überraschenden 3:3 beim Tabellenzweiten Başakşehir verabschiedete sich Zoran Barisic in die Länderspielpause – und in die Wiener Heimat. Trotz des Erfolgs gegen den Erdoğan-Klub kam vom Präsidenten kein Ausreiseverbot für den Trainer von Karabükspor.

Vor dem Kurzurlaub gelang Barisic mit sieben Punkten in vier Spielen ein starker Start. Obwohl ihm bei den Assistenten nicht jeder Wunsch erfüllt wurde. Immerhin funktioniert die TV-Box in der Wohnung beim Trainingszentrum, damit die Bundesliga live verfolgt werden kann. "Mein Interesse an Österreich ist hoch geblieben", erzählt der 46-Jährige.

Im KURIER-Interview spricht der Ex-Rapidler über seinen Neustart in der Türkei – und erstmals ausführlich über sein Ende in Hütteldorf.

KURIER: Ist Karabükspor für Sie ein Einstieg, Aufstieg oder Umstieg?

Zoran Barisic: Alles davon! Es ist ein Einstieg in eine neue Liga. Ein Aufstieg, weil das Niveau der türkischen Liga eindeutig höher ist. Und ein Umstieg, weil die Türkei für mich doch ein neues Land ist.

Ihr Vorgänger wurde von Galatasaray abgeworben. War diese Chance auf eine internationale Karriere ein Grund, das Angebot anzunehmen?

Definitiv! Die SüperLig ist eine große Herausforderung und ein guter Ort, um sich als Trainer weiterzuentwickeln. Daher habe ich jetzt nur Karabükspor im Kopf.

Wie ist der Klub auf Sie gekommen?

Das weiß ich nicht, aber ich habe mitbekommen, dass ich schon länger ein Thema war. Sie haben sich fünf Rapid-Spiele genau angesehen und meine öffentlichen Auftritte. Beides hat sie überzeugt. Das Angebot habe ich dann schnell angenommen.

Der Europacup ist nicht weit entfernt. Ist das ein Ziel?

Der Verein hat aufgrund früherer Vorgänge eine Financial-Fair-Play-Strafe bekommen. Deswegen dürften wir nächste Saison nicht im Europacup starten. Es wird aber einen Einspruch geben.

Ihnen waren bei Rapid die Sprache und der richtige Ton besonders wichtig. Wie handhaben Sie das mit den türkischen Spielern und den 14 Legionären?

Wir kommunizieren auf Englisch. Es gibt Dolmetscher für Türkisch, Englisch, Französisch und auch Portugiesisch. Das funktioniert sehr gut.

Ihr Englisch ist sehr ordentlich. Haben Sie nach der Schule noch Sprachkurse besucht?

Nein. Mit der Praxis steigt das Können. Ich habe früher mit vielen Mitspielern Englisch gesprochen. Als Co-Trainer sehr viel mit Heikkinen. Mein nächstes Ziel ist es, in ein paar Monaten ein wenig Türkisch zu können.

Bei Rapid haben Sie auf verpflichtende Deutschkurse für die Legionäre gesetzt. Besuchen Sie selbst Türkisch-Kurse?

Das habe ich angedacht. Ich übe aber täglich mit meinem Assistenten Murat Topal und schreibe mir die wichtigsten Fußballer-Kommandos auf. Murat ist eine große Hilfe: Er kennt die Liga sehr gut, außerdem versteht er Türkisch, Serbokroatisch, Spanisch und Portugiesisch.

War das Wegziehen von der Familie das Schwierigste?

Ja! Dass ich meine Familie und die Freunde selten sehe, ist hart. Als Spieler habe ich alle Angebote aus dem Ausland aus Rücksicht auf meine Familie abgelehnt. Jetzt sind beide Töchter mit der Schule fertig, da geht das.

Sie haben eine besondere Begeisterung für junge Spieler. Können Sie den sehr routinierten Kader von Karabükspor im Sommer anpassen?

Nur ein wenig. Es schaffen in der Türkei nur wenige Junge den Sprung in die SüperLig. Ich mag ein guter Spielerentwickler sein, ich habe aber auch mit Routiniers wie Hofmann, Sonnleitner, Boskovic oder Katzer gut und gerne zusammengearbeitet. Ich muss mich als Trainer einstellen, umstellen und mich selbst der Mannschaft anpassen. Das ist das Wichtigste!

Wie geht es Ihnen mit der türkischen Lebensweise?

Sehr gut! Die Menschen hier sind so höflich, gastfreundlich und zuvorkommend. Außerdem leben sie Fußball. Die Freude nach einem Sieg ist extrem spürbar und echt. Das Politische lasse ich andere beurteilen, ich bin für den Fußball hier.

Karabük ist in Österreich kaum bekannt. Wie beschreiben Sie es?

Es ist eine klassische Arbeiterstadt, die eine riesengroße Uni mit 55.000 Studenten bekommen hat. Rundherum ist es gebirgig, und im Sommer soll es heiß werden.

Wie gut kennen Sie die Liga?

Gut, noch nicht sehr gut. Ich habe mir schon sehr viele Spiele angesehen. Die Qualität ist sehr hoch. Es wird schnell und hart gespielt. Auffallend sind die immens hohen individuellen Qualitäten. Es gibt viele Legionäre, die immer noch sehr gut sind.

Hat es Sie im Juni 2016 eigentlich geärgert, dass Sie im Urlaub eine Vorbereitung für Rapid im Detail geplant haben, ohne zu wissen, dass Sie vor dem Trainingsstart gehen müssen?

Es ist müßig, darüber zu diskutieren. Niemand kann das noch ändern. Dieses Buch haben wir alle zugeklappt.

Was war schwieriger: Emotional Abstand zu gewinnen, oder sich einzugestehen, dass das Rapid-Leben vorbei ist?

Pfuh, das ist eine gute Frage (denkt lange nach). Es war beides schwer. Die Verbundenheit zu Rapid ist sehr groß, das will ich nicht leugnen. Da ich aber nur bei Rapid Trainer war, ist es auch gut, dass ich eine neue Herausforderung suchen musste.

Wie meinen Sie das?

Ich will als Mensch reifen, ich will als Trainer noch besser werden. Das ist leichter möglich, wenn ich mich für Neues öffne und Rapid hinter mir lasse. Deswegen ist es gut, wie es ist.

Müssen oder können Sie sich selbst Vorwürfe zur Zeit vor dem Ende bei Rapid machen?

Nein. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Außer, dass ich in manchen Angelegenheiten rigoroser hätte handeln sollen. Ich habe immer alles für Rapid gegeben. Wir haben als ganzes Team mit den Trainern und Spielern sehr gute Arbeit geleistet. Die Fakten sprechen ja ohnehin für sich.

Wie wird Rapid aus der aktuellen Krise kommen?

Sie werden aus der Krise rauskommen, ganz sicher. Weil der Verein zusammenhält und so viel Qualität da ist. Vielleicht haben sie diesmal das Glück, das teilweise fehlt, ausgerechnet im Cup und gewinnen diesen Titel.

Zoran Barisic: Ein Wiener in der Türkei

Zoran "Zoki" Barisic wurde am 22. Mai 1970 in Wien als Sohn von Gastarbeitern aus Ex-Jugoslawien geboren. Der Mittelfeldspieler wurde mit Rapid Meister, Cupsieger und kam ins Europacup-Finale. Mit dem FC Tirol folgten als Libero ab 2000 drei Meistertitel in Serie. Ab 2006 arbeitete der einfache Teamspieler als Trainer bei Rapid, von April 2013 bis Juni 2016 als Cheftrainer. Der Vater von zwei Töchtern wurde drei Mal in Serie Vizemeister und schaffte die erste Überwinterung von Rapid im Europacup nach 20 Jahren. Am 16. Februar unterschrieb der 46-Jährige bei Karabükspor in der Türkei einen Vertrag bis Sommer 2018.

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