Sport | Fußball
25.02.2015

In Arsène we trust

Wie der Franzose Arsène Wenger einen eher unbeliebten Verein aus London zur Weltmarke machte.

Wenn Arsenal London heute im Champions-League-Achtelfinale auf den AS Monaco trifft, gibt es für Grand-Seigneur & Gunners-Trainer Arsène Wenger ein Wiedersehen mit dem Verein aus dem Fürstentum, den er von 1987 -1994 trainierte und mit Stars wie Jürgen Klinsmann oder George Weah zu bis dahin unbekannten Höhen führte.

"Als ich dort ankam, war Monaco noch nie über die erste Runde des Europapokals hinausgekommen". Wir kamen dann ins Endspiel des Pokals der Pokalsieger und ins Halbfinale der UEFA Champions League. Das sind große Erinnerungen, zuvor war es ein Klub, den man auf der europäischen Landkarte praktisch nicht kannte“ erinnert sich der 65-Jährige.

Nach einer kurzen Zwischenstation in Japan machte sich der Elsässer auf, Arsenal London zu einer der bekanntesten Mannschaften Europas machen. Dass Arsenal-Fußball vor Wengers Amtszeit nicht gerade für hohe Spielkunst stand, wissen zumindest jene, die das amüsante Buch „Fever Pitch“ des bekannten englischen Autors und Arsenal-Fans Nick Hornby gelesen haben.

Wengers Eleven

Wenger machte aus dem Arsenal FC eine Hausnummer. Den Höhepunkt seiner Laufbahn erlebte er mit der Meister-Saison 2003/04, in der es Arsenal unter Wenger gelang, das Kunststück einer „perfekten Saison“, das bis heute unerreicht ist, zu vollbringen. Kein einziges Saisonspiel ging verloren, weshalb die Mannschaft rund um Thierry Henry, Patrick Vieira oder Jens Lehmann als „Invincibles“ (zu Deutsch die „Unbesiegbaren“) oder auch als Wengers Eleven in die Geschichte des englischen Fußballs einging. Diese Spielzeit stellte den Höhepunkt von Wengers Schaffen dar, das Team erreichte sogar das Finale der Champions League, das trotz Führung unglücklich gegen den (Pre-Messi) FC Barcelona verloren ging.

Oft wurde Wenger schon von den Medien und Teilen der Fans geraten, aufzuhören, da seine Zeit vorbei sei. Vor allem die längere Titellosigkeit setzte ihm zu. Er ließ sich jedoch auf seinem Weg nie beirren und schaffte es trotz beschränkter finanzieller Mittel – im Vergleich zu Chelsea oder den Teams aus Manchester - sich mit dem FC Arsenal Jahr für Jahr für die Champions League zu qualifizieren. Nach einer Durststrecke von acht Jahren ohne Titel gewann die Mannschaft mit neuen Stars wie Mesut Özil oder Santi Cazorla im letzten Jahr auch endlich wieder den FA Cup.

3. Halbzeit mit Mourinho

Intim-Feind José Mourinho, mit dem sich Wenger seit vielen Jahren harte Wortduelle und sogar schon physische Auseinandersetzungen lieferte, erinnert gerne an Wengers fehlende internationale Titel und die nationale Titelflaute von 2006-2013. Erst kürzlich nannte der Portugiese den Franzosen in einem Interview einen „Spezialisten im Versagen“. Harte Bandagen, mit denen Wenger nach bald 20 Jahren in der Premier League jedoch mit Sicherheit umzugehen weiß.

Nach Manchester Uniteds legendärem Coach Sir Alex Ferguson ist Wenger mittlerweile längstdienender Trainer der Premier-League-Historie. Im nächsten Jahr begeht er sein 20-jähriges Dienstjubiläum. Mittlerweile eine wahre Rarität im modernen Fußballgeschäft.

Klopp ante portas?

Wie lange der Elsässer noch die Geschicke beim FC Arsenal leiten wird, weiß wohl nur er selbst. Dass die Gunners, um wieder ganz oben mitspielen zu können, möglicherweise nach fast zwei Dekaden Wenger auch in Sachen Trainer neue Wege gehen müssen, wurde und wird oft diskutiert. Auffällig oft fällt dabei der Name des augenscheinlichen Wunschkandidaten, BVB-Trainer Jürgen Klopp.