Sport | Fußball
26.04.2017

Abenteurer Heraf: "Das kann es nicht gewesen sein"

Andreas Heraf erklärt, warum er den ÖFB verlässt und Sportdirektor in Neuseeland wird.

Er hat Österreich zur Unter-17-EM, zwei Mal zur U-19-EM und zu zwei U-20-Weltmeisterschaften nach Kolumbien bzw. Neuseeland geführt. Andreas Heraf war der erfolgreichste Nachwuchs-Teamchef des ÖFB der letzten zehn Jahre. Am Montag wurde der 49-Jährige überraschend vom neuseeländischen Verband als neuer Sportdirektor präsentiert.

KURIER: Wie wird man Sportdirektor in Neuseeland?

Andreas Heraf: Ich mag dieses Land und ich war seit der U-20-WM 2015 wieder drei Mal dort, um Urlaub zu machen. In diesem Zusammenhang lernt man immer wieder Leute kennen. Zu Weihnachten hat mich ein Funktionär gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in Neuseeland zu leben und zu arbeiten.

Und Sie haben sofort eingeschlagen?

So schnell geht es nicht. Noch im selben Urlaub hat mich die Agentur kontaktiert, die für das Bewerbungsverfahren zuständig war. Ich sollte einen Lebenslauf schicken und schreiben, warum ich denke, für diesen Job geeignet zu sein.

Wann war das?

Deadline war 20. Jänner. Danach wurde ich gefragt, ob ich bereit wäre, ein Job-Interview über Skype zu führen. Nach einem einstündigen Telefonat mit dem Generaldirektor des Verbandes musste ich vor drei Wochen über Skype eine zweistündige Präsentation halten über meine Vorstellungen und Ideen. Dabei hat ein ganzes Gremium zugehört. Nach einem tollen Gespräch mit Teamchef Anthony Hudson war für mich klar: Ich will das machen.

Und wann wurde es fixiert?

Nachdem man mir mitgeteilt hat, dass die Wahl auf mich gefallen ist, wurde ich eingeladen, mir vor Ort alles anzuschauen. Im Zuge dessen hat man mir einen Vertrag angeboten. Ich habe unterschrieben, weil sich alles rund und gut angefühlt hat.

Welche Rolle hat Geld gespielt?

Überhaupt keine. Es geht um die Herausforderung, komplett neue Erfahrungen in einem wunderschönen Land in einer anderen Sprache zu machen.

Wie gut sprechen Sie Englisch?

Die Frage, ob es ausreicht, um diesen Job zu machen, hat mich selbst beschäftigt. Bei den Job-Interviews, wo ich vorbereitet war, ist es sehr gut von der Hand gegangen. Ich habe auch dafür Komplimente bekommen. Aber natürlich muss ich da besser werden. Auch, weil der "Kiwi-Accent" nicht einfach ist.

Was wissen Sie schon über den neuseeländischen Fußball?

Die Nachwuchs- und Olympia-Teams, für die ich auch zuständig bin, qualifizieren sich regelmäßig für große Turniere. Die Spiele 2020 in Tokio sind ein großes Ziel. Bei der A-Nationalmannschaft ist es schwieriger, weil Ozeanien derzeit nur einen halben Startplatz hat und wir als Sieger gegen den Fünften aus Südamerika spielen werden. Im Land gibt es sieben regionale Verbände, die nationale Liga besteht aus zehn Teams. Positiv aufgefallen ist mir die Einstellung der Athleten. Sie geben ihr letztes Hemd. Das sieht man auch im Einzelsport, sie machen viele Medaillen bei Olympischen Spielen. Der Sport spielt eine große Rolle im Land.

Was ist Ihr Auftrag?

Der Verband ist von den Mitgliedern her schon Nummer eins im Land, hat aber mit Rugby und Cricket zwei noch populärere Sportarten vor sich. Es gibt zwei Ziele. Erstens mehr Mitglieder zu gewinnen, um Fußball zum Sport Nummer eins zu machen. Und zweitens bei Weltmeisterschaften, Olympia oder dem Confed-Cup Spiele zu gewinnen, Gruppenphasen zu überstehen und vielleicht auch einmal die eine oder andere K.-o.-Runde. Ich werde auch in der Trainerausbildung tätig sein, das ist ein wichtiger Part.

Eine Aufgabe von Ihnen beim ÖFB war die Sportliche Leitung der Akademien. Gibt es in Neuseeland ähnliche Strukturen?

Nein, aber auch der Aufbau einer nationalen Akademie ist ein Ziel. Das Land hat zwar nur vier Millionen Einwohner, ist aber lang gestreckt. Da wird es nicht leicht sein, das Ganze flächendeckend qualitativ abzudecken. Es ist ein Ziel, die größten Talente des Landes an einen Ort zu bringen.

Was werden Ihre ersten Schritte sein?

Am Anfang geht es darum, so viel wie möglich zu sehen und Gespräche zu führen, um einen Überblick zu bekommen, wo wir stehen, was wir für eine Infrastruktur haben. Erst dann kann man irgendwo ansetzen. Ich beginne Anfang September. Der Vertrag ist unbefristet.

Haben Sie schon realisiert, dass Sie ans andere Ende der Welt ziehen?

Manchmal krieg’ ich noch eine Ganslhaut und frag mich, ob das alles wahr ist. Aber ja, es ist so. Ich werde heuer 50, hatte neun erfolgreiche Jahre beim ÖFB mit drei EM- und zwei WM-Endrunden – und trotzdem ist die Perspektive verloren gegangen. Für mich stellt sich die Frage: Was steht noch drüber? Da gibt’s die Unter 21 und das A-Team. Ich habe nicht den Eindruck, dass das für mich in absehbarer Zeit ein Thema werden könnte. Ich war schon längere Zeit auf der Suche nach einer Herausforderung, weil ich wusste: Das kann es nicht gewesen sein. Ich hab’ das machen müssen, man lebt nur einmal.

Wie lässt sich das mit dem Privaten vereinbaren?

Meine Kinder sind mit 24 und 16 Jahren erwachsen, und meine Freundin und ich hatten schon länger geplant, irgendwann ins Ausland zu gehen.

Der Nachfolger Herafs? Lederer wird es nicht

Andreas Heraf betreute zuletzt das Unter-18-Team des ÖFB. Für den freien Posten ist es nun Sache von Willi Ruttensteiner, einen neuen Mann zu finden. Eine Frist gibt es dafür nicht. "Wichtig ist eine ordentliche Übergabe, weil auch die Position des Sportlichen Leiters für die Akademien neu besetzt werden muss. Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe", betont Ruttensteiner. Beides müsse aber nicht zwingend von der selben Person bekleidet werden.

Wie das Anforderungsprofil für Nachwuchs-Teamchefs aussieht? "Ein wichtiger Punkt ist Erfahrung im Umgang mit Spieler-Entwicklung und im Akademie-Bereich." Oliver Lederer hätte dies vorzuweisen. Laut KURIER-Recherchen wurde dem 39-jährigen Ex-Admira-Coach der Job angeboten. "Kein Kommentar, wir haben sehr viele gute österreichische Trainer", sagt Ruttensteiner dazu.

Gutes Verhältnis

Lederer und Ruttensteiner waren vor zwei Wochen im Zuge des Trainerlehrgangs zur UEFA-Pro-Lizenz gemeinsam in Nyon. Absolvent Lederer sagt: "Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zum ÖFB und zu Ruttensteiner, mit dem ich im Zuge meiner Diplomarbeit (Thema: Positionsspiel, Anm.) derzeit viel zu tun habe. Heraf nachzufolgen ist für mich jetzt kein Thema." Aktueller sei die bevorstehende Auflösung seines bis 2018 laufenden Admira-Vertrags.

Einen neuen Job hat Lederer dennoch. Künftig wird er als Experte für TV-Sender Sky ins Bild rücken.