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25.07.2013

Dragovic bestätigt Transfer nach Kiew

Top-Transfer: Aleksandar Dragovic wechselt zu Dynamo Kiew und wird zum teuersten Fußballer Österreichs.

Also doch. Nicht einmal eine Woche ist es her, das Aleksandar Dragovic „Nein“ gesagt hat. Nein zu einem Transfer, dem er gestern doch zustimmte. Der Abwehrchef des österreichischen Nationalteams wechselt vom FC Basel zu Dynamo Kiew. Neun Millionen Euro überweisen die Ukrainer als Ablöse in die Schweiz. Dragovic wird damit zum teuersten Fußballer Österreichs. Bisher konnte sich Marc Janko diesen Titel voller Stolz auf die Brust heften.

Dragovic flog auf Einladung von Dynamo-Präsident Igor Surkis Donnerstagfrüh von Basel via Nizza nach Monaco, wo er sich mit dem Klubboss persönlich auf den Deal einigte. Am Abend flog der 22-jährige Wiener nach Kiew weiter, um am Freitag die üblichen medizinischen Tests zu absolvieren. Danach wird er einen Fünfjahresvertrag bis Sommer 2018 unterschreiben.
Neues AngebotGut zwei Millionen Euro hatte Kiew dem Absolventen der Frank-Stronach-Akademie vor einer Woche geboten. Nach der Absage des Innenverteidigers entschlossen sich die Ukrainer, die Bemühungen zu verstärken und Dragovic ein neues Angebot vorzulegen. Am Donnerstagmittag sagte er schließlich zu.

Am Abend erreichte ihn der KURIER in der ukrainischen Metropole. „Ich bin extrem erleichtert, dass der Transfer über die Bühne ist“, sagte Dragovic. „Ich gehe zu Dynamo Kiew, weil sich der Klub enorm um mich bemüht hat. Dynamo hat große Ziele, auch international. Da möchte ich sehr gerne dabei sein.“ Schon im nächsten Sommer soll der Meistertitel gefeiert und danach die Champions League in Angriff genommen werden.

Mit dem kolportierten Transfer zu Inter Mailand war es zuvor nichts geworden. Nachdem sich die Italiener bereits mit Dragovic und dem FC Basel geeinigt hatten, scheiterte der Wechsel. Auch von Topklubs wie Dortmund, Arsenal, Liverpool, Everton oder dem HSV war der Abwehrspieler in der vergangenen Saison beobachtet worden. HSV-Trainer Thorsten Fink, der Dragovic 2011 nach Basel geholt hatte, wollte seinen ehemaligen Schützling erneut unter seine Fittiche bringen. Allein, das nötige Kleingeld fehlte. Die Norddeutschen boten Ende Juni vier Millionen Euro, Basels unterste Schmerzgrenze lag jedoch bei sieben Millionen.

Gutes Geschäft

Dass es nun noch einmal mehr wurde, wird die Schweizer nicht stören. Das Geschäft mit dem Österreicher, den man 2011 um eine Million von der Wiener Austria losgeeist hatte, ist so oder so mit einem Lottosechser vergleichbar. Ein Geschäft ist der Transfer auch noch für Österreichs Meister. Die Austria kassiert zumindest 500.000 Euro für den Weiterverkauf ihres ehemaligen Schützlings.

Zuwarten war aber auch Dragovics Sache nicht. Drei Meistertitel, ein Cupsieg, dazu Erfolge in der Champions (Achtelfinale) und Europa League (Halbfinale) und die Wahl zum besten Verteidiger der Schweiz – mehr konnte der Österreicher in Basel nicht mehr erreichen.

Der Ruf nach neuen Herausforderungen, verbunden mit einem lukrativen Angebot dürfte am Ende den Ausschlag für den Wechsel nach Kiew gegeben haben. „Ich möchte in meiner Karriere den nächsten Schritt machen“, sagt Dragovic. „Kiew ist eine tolle Herausforderung für mich. Mein großer Dank gilt aber auch dem FC Basel, dem ich extrem viel zu verdanken habe.“
Am Freitag fliegt Dragovic zurück nach Basel. In einer Woche soll er im Spitzenspiel gegen Schachtar Donezk bereits sein Debüt für Dynamo Kiew geben.

Die teuersten Österreicher-Transfers

Die teuersten Österreicher-Transfers

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Aleksandar Dragovic

Marc Janko im Twente-Dress.

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dapdHessen/ Fussball, 1. Bundesliga, Saison 2012/13, 6. Spieltag, Eintracht Frankfurt - SC Freiburg, Sonntag (30.09.12), Commerzbank-Arena, Frankfurt: Frankfurts Erwin Hoffer (l.) und Freiburgs Diagne Fallou kaempfen um den Ball. (zu dapd-Text) +++ Achtun

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Andreas Ivanschitz und seine Mainzer tanken vor dem Duell gegen Werder Selbstvertrauen.

Die Wiener Austria unterlag heute, am 1. Oktober 2002, Schachtjor Donezk 0:1, steigt aber mit einem Gesamtstand von 5:2 in die zweite Runde des UEFA-Cup auf. Im Bild Trainer Walter Schachner nach dem Spiel. REUTERS/Robert Zolles REUTERS

Christian Fuchs im Schalke-Dress.

Not amused: Paul Scharner zeigt sich von den Krawallen beeindruckt.

APA/EXPA/ SANDRO ZANGRANDOAPA5403882-2 - 29092011 - ATHEN - GRIECHENLAND: ZU APA-TEXT SI - Mario Haas (Sturm) jubelt über das 2:1 während der Europa League-Begegnung zwischen AEK Athen und SK Puntigamer Sturm Graz am Donnerstag, 29. September 2011, in A

Marc Janko jubelt über seinen Treffer für den FC Porto.

EPAepa03204224 Uruguayan midfielder Gaston Ramirez (R) celebrates with his teammate Gyorgy Garics after scoring the 1-0 against Catania Calcio during their Italian Serie A soccer match at Angelo Massimino Stadium in Catania, Italy 02 May 2012. EPA/ORIETT

Emanuel Pogatetz und Hannover fallen auf Rang sieben zurück.

ZU APA TEXT SI - Andreas Herzog nach dem WM-Qualifikationsspiel Österreich gegen Spanien heute abend im Ernst Happel-Stadion in Wien. (electronic image) APA PHOTO: Robert Jaeger

Verlockungen

Name: Aleksandar Dragovic. Alter: 22 Jahre. Beruf: Fußballer. Wohnhaft: demnächst Kiew/Ukraine.

Persönliche Daten eines österreichischen Teamspielers, die nach den Gerüchten der letzten Wochen einen gewissen Überraschungseffekt beinhalten.

Nein, Dragovic bricht aus Basel doch nicht auf zu Inter Mailand, nach England oder sonst in eine europäische Topliga. Dragovic musste zur Kenntnis nehmen, dass es als Österreicher noch keinen Freifahrtschein ins absolute fußballerische Glück gibt. Das Interesse einiger sogenannter Promi-Klubs existiert immerhin – ob echt, oder als Teil eines Transfer-taktischen Spiels.

Und die Hüter der sportlichen Moral werden die Hände über ihren Köpfen zusammenschlagen. Wie konnte es ihn nur an die Ufer des Dnjepr verschlagen? Zu einem Klub, dessen goldene Zeiten in weiter Vergangenheit liegen? Berechtigt auch die Frage, ob es der richtige Schritt war, um den nächsten größeren sportlichen Sprung zu machen.

Vielleicht lieben es die von der erfolgreichen Alaba-Performance bei Bayern München auf den Geschmack gekommenen Verfechter der Leistungsgesellschaft auch nur zu träumen. Aber es ist jedenfalls naiv zu glauben, ein junger Mann würde die Chance ablehnen, plötzlich das Fünffache zu verdienen.

Dies sind nicht die Probleme des Aleksandar Dragovic, sondern die längst bekannten Auswüchse des Fußball-Geschäfts.

Die Nummer 1 der Sowjetunion

13 Meistertitel in der Ukraine, weitere 13 in der Sowjetunion, insgesamt 18 Pokal- und zwei Europacupsiege – Dynamo Kiew ist der erfolgreichste und einer der bekanntesten Fußballklubs der ehemaligen Sowjetunion.

In den letzten Jahren ist der Dynamo-Motor allerdings ein wenig ins Stottern geraten. Vier Mal in Folge konnte Schachtar Donezk zuletzt die Meisterschaft für sich entscheiden.

Damit soll nun Schluss sein. Kiew hatte bereits vor dem Dragovic-Transfer rund 38 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben. Nach Platz drei in der vergangenen Saison – dem schlechtesten Abschneiden der Klubgeschichte – spielt Dynamo in diesem Jahr nur in der Qualifikation zur Europa League. Schon in einem Jahr will man aber wieder im Konzert der Großen mitmischen. Letzte Saison war man immerhin in der Gruppenphase der Champions League.

Dafür sorgen soll Igor Surkis. Der Großindustrielle ist – so wie sein Bruder Grigorij – einer der reichsten Männer des Landes. Seit 1998 ist er Vizepräsident, seit 2002 Klub-Boss. Bruder Grigorij war von 2000 bis 2012 Präsident des Ukrainischen Fußballverbandes, er sitzt zudem im Exekutivkomitee der UEFA. Die Brüder gelten auch als politisch einflussreich. 1995 versuchten sie, den spanischen Schiedsrichter Lopez Nieto bei einem Europacup-Spiel mit teuren Pelzmänteln zu bestechen. Dynamo wurde daraufhin für ein Jahr gesperrt.

Stark verbunden ist der Klub mit dem Namen des heutigen Trainers – Oleg Blochin. Der 60-Jährige spielte von 1969 bis 1988 in Kiew und wurde 1975 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Von 2003 bis 2007 sowie bei der Heim-Europameisterschaft 2012 war Blochin ukrainischer Teamchef. In Österreich bekannt ist der Rekord-Nationalspieler und -Torjäger der Sowjetunion durch sein Gastspiel bei Vorwärts Steyr 1988/’89.

Aleksandar Dragovic (22 Jahre)

Geboren: 6. März 1991 in Wien

Größe/Gewicht: 1,86 m/85 kg

Position: Innenverteidigung

Bisherige Vereine: Austria Wien (2007 bis Februar 2011), FC Basel (seit Februar 2011)

ÖFB-Team: 21 Länderspiele

Erfolge:

* Österreichischer Cupsieger 2009

* Schweizer Meister 2011, 2012, 2013

* Schweizer Cupsieger 2012

* Europa-League-Halbfinale 2012/13

* Wahl ins All-Star-Team der Europa-League-Gruppenphase 2012

Dragovic-Transfer fixiert

Der Transfer von Aleksandar Dragovic vom FC Basel zu Dynamo Kiew ist seit Freitagabend offiziell. Die Ukrainer verkündeten auf ihrer Vereins-Homepage, dass der 22-jährige österreichische Nationalteam-Fußballer in Kiew einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet hat. "Dynamo ist ein großartiges Team. Ich bin sehr froh, dass ich hier sein darf. Ich möchte so viele Trophäen wie möglich gewinnen", sagte Dragovic.

Der Innenverteidiger betonte, dass Kiews Fehlen in der aktuellen Champions-League-Saison kein Problem für ihn darstellt. "Ich bin mir sicher, dass wir in der kommenden Saison an diesem Bewerb teilnehmen werden." Dragovic stellte klar, dass er nach der in Basel absolvierten Saisonvorbereitung voll fit und einsatzbereit ist. "Ich kann ab sofort spielen", verkündete Dragovic.

Kiew empfängt am Sonntag Sewastopol - allerdings ohne Dragovic, der noch einmal in die Schweiz zurückreist, um organisatorische Dinge zu erledigen. Sein Debüt könnte der Wiener am nächsten Wochenende im großen Schlager auswärts gegen Schachtar Donezk geben.