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Historisches im Fußball
07/01/2015

Als Wien erstmals besiegt wurde

Vor 50 Jahren wurde der LASK als erster Bundesländer-Klub österreichischer Meister.

von Wolfgang Winheim

Am Freitag lädt der LASK 180 Ehrengäst’ zur großen Nostalgieparty. Denn am 3. Juli sind’s genau 50 Jahre, seit mit dem Linzer Athletik-Sportklub erstmals ein Vertreter aus den Bundesländern österreichischer Fußball-Meister wurde. Was zu dieser Zeit in der Bundeshauptstadt als Kulturschock empfunden wurde, waren doch Wiens Funktionäre bis dahin überzeugt gewesen, den Fußball erfunden zu haben.

Zudem dachte man, dass sich die Linzer im internen Konflikt aufreiben würden. Grund: Ihr geschäftsführender Vize, der Uhrenhändler Otto Jungbauer, wollte sich nicht mehr erinnern, dass er jedem Kicker 2500 Schilling Prämie (= 182 Euro) versprochen hatte. Die Uhren für Fußball-Linz schienen abgelaufen. Die LASK-Spieler drohten mit Streik.

In letzter Minute

In letzter Sekunde erfolgte doch noch eine Einigung. Und in letzter Minute trafen die Linzer dann zum letzten Spiel der Saison gegen die Vienna auf der Hohen Warte ein. Die Döblinger, darunter Kapitän und 85-facher NationalspielerKarl Koller, warteten schon in ihrer blau-gelben Wettkampfmontur, während ein alter Bus mit Linzer Kennzeichen und der LASK-Mannschaft an Bord erst in die Döblinger Hauptstraße einbog.

"Bei der Vienna ham’s schon glaubt, dass wir überhaupt nicht mehr kommen.", erzählt LASK-Legende Dolfi Blutsch. "Wir waren auf dem Strengberg in einen Stau geraten." Über vier Stunden habe man bei brütender Hitze in einem Bus verbracht.

Es gab damals zwischen Wien und Linz noch keine Autobahn. Und es gab, zumindest für den LASK, noch keinen Bus mit Klimaanlage. Weshalb die Spieler unfreiwillig aufgewärmt, nämlich brennheiß, aus ihrem Transportmittel stiegen. Trotzdem schoss Blutsch, der aus dem Austria-Nachwuchs stammende Wiener, die Linzer schon in der 11. Minute in Führung. Istvan Szabo fixierte nach einer halben Spielstunde das 2:0, das bereits den Endstand und damit Platz eins bedeutete – weil Rapid beim GAK 0:1 verlor.

Am nächsten Tag glich Linz einem riesigen Festplatz. Der Brasilianer Chico zählte zu jenen, die besonders gefeiert wurden – bevor dessen Ruhm besonders rasch verblasste: 1994 verstarb er völlig vereinsamt in einem Linzer Armenhaus. Auch der Wiener Rudolf Sabetzer, der nach seiner Spielerkarriere als Trainer von Ostbahn XI die Weichen für die große Karriere des Wiener-Liga-Talents Herbert Prohaska gestellt hatte, sollte nicht einmal 50 Jahre alt werden.

Dem Wiener Internationalen Paul Kozlicek (der ein Jahr danach auch mit Admira Meister wurde) und dem Kärntner LASK-Abwehrchef Gerhard Sturmberger war ebenfalls kein langes Leben vergönnt. Obwohl Sturmberger, der im Karrierefinish auch für Rapid spielte, 43 Länderspiele für Österreich bestritten hatte, ließ sich bei dessen Begräbnis im Jänner 1990 in Klagenfurt, so Blutsch, niemand vom Verband blicken. Das hat Blutsch dem ÖFB bis heute nicht verziehen.

In Zukunft

Aktuell missfällt dem 74-Jährigen, dass vielen Trainern der Mut fehle, die Jugend zu forcieren. So kann er nicht verstehen, dass es Enkerl Markus bisher weder bei LASK noch bei Admira zum Stammspieler brachte. Und das, obwohl sich Österreichs U-20-Auswahl unter Regie von Markus Blutsch für die WM in Neuseeland qualifizierte. Dort hat Blutsch Junior-Junior die Rückennumer 10 getragen und die rot-weiß-rote Auswahl immerhin das Achtelfinale erreicht.

Für Markus Blutsch wird’s kein Trost sein, dass seinerzeit auch einem LASK-Idol das Junioren-Leben in Linz schwer gemacht wurde. So hat Helmut Köglberger (er war das erste Besatzungskind, das es bis ins Nationalteam schaffte) nicht vergessen, wie er sich einmal als dreifacher Torschütze beim nächsten Spiel unter Meistertrainer Frantisek Bufka nur auf der Tribüne wiederfand.

Wobei es in den ersten 60er-Jahren weniger die Legionäre waren, die der Jugend den Weg in die Kampfmannschaft erschwerten, sondern die Regeln. Spielerwechsel waren zu den Linzer Meisterzeiten noch verboten.

In 103 Meisterschaften seit 1912 gingen 78 Titel an Wiener Vereine. Rapid ist Rekordmeister mit 32 Titeln, gefolgt von der Wiener Austria mit 24.

25 Meistertrophäen gingen an Nicht-Wiener Klubs.

Innsbruck

Zehn Mal ging der Titel in die Tiroler Hauptstadt (SWW Innsbruck, SSW Innsbruck, FC Wacker Tirol, FC Tirol) – erstmals im Jahr 1971.

Salzburg

Austria Salzburg wurde drei Mal Meister (erstmals 1994), Red Bull Salzburg sechs Mal (erstmals 2007, zuletzt 2015).

Graz

Drei Mal holte Sturm (erstmals 1998) die Meisterschale in die Steiermark, ein Mal der GAK (2004).

Linz

Oberösterreich feierte ein Mal den LASK (1965) und ein Mal VOEST Linz (1974).

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