Torgefährlich: Edomwonyi (li.) fehlt gegen Rapid, aber Deni Alar will gegen seinen Ex-Klub treffen

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Sport | Fußball
09/10/2016

Alar: "Niemand hat bei Rapid mit mir geredet"

Sturm-Goalgetter Deni Alar im Interview über seine Zeit bei Rapid und den Hit in Graz

Ausverkauftes Haus, 16 Uhr: Sturm gegen Rapid – dieser Klassiker ist wieder ein echter Hit. Weil der Erfolg nach Graz zurückgekehrt ist. Großen Anteil daran hat der Ex-Rapidler Deni Alar, 26, mit fünf Toren in fünf Einsätzen.

KURIER: Sie haben am 28. April bei Sturm unterschrieben. Hätten Sie sich vorstellen können, Erster nach der Länderspielpause zu sein?

Deni Alar: Mir war damals schon klar, dass ein größerer Umbruch bevorsteht. Aber an Platz eins hätte niemand gedacht. Wir haben dann in der Vorbereitung gesehen, dass wir richtig gute Spieler haben, dass es gut zusammenpasst. Das sieht man jetzt.

Ist ein Spiel gegen Rapid etwas Besonderes für Sie?

Es ist jedes Spiel wichtig, aber das wird schon etwas Besonderes . Es wird vom Gefühl sicher anders, aber im Spiel kann ich schnell abschalten.

Nach dem Umbau der Tribünen dürfen erstmals 16.764 Fans ins Stadion. Was ist da zu erwarten?

Spiele mit Rapid in Graz hatten immer eine unglaubliche Stimmung. Diesmal haben wir den Zuschauer-Rekord. Ich freue mich sehr auf die Atmosphäre. Seit dem Startsieg gegen Salzburg ist die Stimmung anders: Uns wird wieder vertraut.

Gibt es einen besonderen Grund, warum es bei Sturm für Sie wieder läuft?

Der wichtigste Grund ist, dass ich wieder spiele. Für jeden Stürmer ist es wichtig, dass er das Vertrauen des Trainers spürt. Das ist jetzt wieder so.

Sie sprechen "das Vertrauen in einen Stürmer" an. Aber eigentlich kommen Sie zumeist – wie früher bei Rapid – als offensivster Mittelfeldspieler in einem 4-2-3-1 zum Einsatz.

Ich lasse mich ein bisschen fallen, das ist kein Problem. Aber an sich spielen wir mit zwei Stürmern. So fühle ich mich wirklich wohl.

Ex-Trainer Barisic berichtete oft, dass Sie im Training richtig stark waren. Im Spiel hat es aber nicht mehr funktioniert. War das schon ein mentales Problem?

Ich habe am Ende gespürt, dass nicht mehr wirklich auf mich gebaut wird. Ich war da, aber bekam keine echte Chance.

Barisic wäre dafür gewesen, Ihnen ein Angebot zu unterbreiten. Sportchef Müller war dagegen. Hätten Sie sich eine Verlängerung vorstellen können?

Für mich war sehr früh klar, dass ich wechseln werde. Nur eine Sache hat mich dabei gestört.

Und zwar?

Im Fußball sollte man unter vier Augen offen reden können. Der Satz "Deni, es passt nicht mehr – such dir einen Verein" kam nie. Niemand hat mit mir geredet. Das war enttäuschend.

Sie haben Rapid 2012 mit Ihren Toren gegen Novi Sad und Saloniki in die Europa League geschossen. Damit wurde der Verein vor extremen Finanzproblemen bewahrt. Wussten Sie damals, wie schlimm die Lage war?

Wir Spieler haben schon mitbekommen, dass es wichtig wäre, in die Europa League zu kommen. Wir wollten das aus sportlichen Gründen. Über das Finanzielle wusste ich nur wenig.

War das Ihre schönste Zeit in den fünf Jahren bei Rapid?

Damals war es sehr schön – bis zum Achillessehnenriss 2013. Danach war es viel schwerer und ich hab’ auch nicht mehr so viel gespielt. Eigentlich bin ich 2011 gekommen, um einmal Meister zu werden. Das haben wir leider nicht geschafft.

Würden Sie nach einem Tor gegen Ihren Ex-Klub jubeln?

Pfuh... (denkt lange nach) Das weiß ich jetzt wirklich nicht. Grundsätzlich ist es nicht wichtig, ob ich treffe. Hauptsache wir gewinnen. Unser Ziel sind drei Punkte.

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle bei Sturm?

Ich bin ein Spieler wie alle anderen auch. Jeder Einzelne ist wichtig. Es ist wichtig, dass da kein Unterschied gemacht wird wegen des Alters oder nach Einsätzen.