Sport | Fußball
25.05.2013

David Alaba erklimmt den europäischen Fußballthron

Der Bayern-Kicker darf sich seit Samstag Champions-League-Sieger nennen.

David Alaba darf sich ab sofort Champions-League-Sieger nennen. Österreichs Fußballer des Jahres gewann mit dem FC Bayern München am Samstag das Finale im Londoner Wembley-Stadion gegen Borussia Dortmund mit 2:1 und setzte sich damit schon als 20-Jähriger die europäische Krone auf. Trotz seines Alters bot Alaba eine äußerst abgeklärte Leistung, blieb als Linksverteidiger im Abwehrverhalten so gut wie fehlerlos und kam in der 76. Minute sogar einem Torerfolg nahe.

Im ausgelassenen Freudentanz nach dem Schlusspfiff jubelte Alaba mit umgebundener Fahne, auf der drei Flaggen zu sehen waren: Jene der Philippinen für das Herkunftsland seiner Mutter, jene von Nigeria für das Herkunftsland seines Vaters und natürlich die österreichische.

Alaba startete mit einer gelungenen Aktion ins Spiel - in der 2. Minute wurde er von Blaszczykowski am eigenen Strafraum stark unter Druck gesetzt, konnte sich aber trotzdem souverän befreien. Schwerstarbeit hatte der 20-Jährige auch danach zu leisten, denn die Dortmunder fokussierten ihre Angriffsbemühungen auf die linke Bayern-Seite.

David Alabas Finalerlebnis

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BRITAIN SOCCER UEFA CHAMPIONS LEAGUE FINAL 2013

Bayern Munich's David Alaba controls the ball watc

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Dortmund's Robert Lewandowski of Poland, left, and…

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Bayern's David Alaba of Austria, Bastian Schweinst…

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Chance

Neben Blaszczykowski bekam es Alaba oft auch mit Reus zu tun, der sich gerne vom Zentrum auf den Flügel fallen ließ. Zu allem Überdruss kam vom ansonsten kongenialen Partner Ribery wenig Entlastung im Offensivspiel: Der Franzose machte gegen Piszczek praktisch keinen Stich, war sich aber immerhin nicht zu schade, Defensivarbeit zu verrichten.

Dennoch wurde es auf der linken Bayern-Seite das eine oder andere Mal gefährlich - so etwa in der 15. Minute, als Reus einen Querpass auf Blaszczykowski spielte, der wiederum an Neuer scheiterte. Die Chance entstand aber dadurch, dass ein Alaba-Kollege im Zentrum das Abseits aufgehoben hatte.

In der 30. Minute jedoch war es Österreicher, der den Dortmundern eine gute Gelegenheit ermöglichte. Nach einem Ballverlust Alabas in der Vorwärtsbewegung marschierte Lewandowski Richtung Bayern-Tor, ehe er in Neuer seinen Meister fand.

Ansonsten verzichtete Alaba auf allzu viele Vorstöße. Eine seiner Offensivaktionen hätte aber beinahe das 1:0 für die Bayern bedeutet. Österreichs Fußballer des Jahres spielte in der 30. Minute auf Müller, der Robben einsetzte - der Niederländer konnte BVB-Goalie Weidenfeller allerdings nicht überwinden.

Auf den Spuren von Hasil

In der zweiten Hälfte wurden die Bayern stärker, und Alaba mit ihnen. Zwei Minuten nach der Führung der Münchner durch Mandzukic (60.) schlug der Österreicher einen 60-Meter-Pass quer über das Spielfeld - ähnlich wie bei seiner Torvorlage für Robben in Barcelona -, doch Weidenfeller parierte den Schuss von Mandzukic.

Am Ausgleich durch den Gündogan-Elfmeter (68.) traf Alaba keine Schuld. Dafür wäre er in der 76. Minute fast zum Bayern-Helden avanciert, doch sein Weitschuss wurde von Weidenfeller gerade noch entschärft. So blieb es Robben in der 89. Minute vorbehalten, die Münchner zum Champions-League-Titel zu schießen.

Alaba ist damit der zweite Österreicher nach Franz Hasil (1970 den Meistercup mit Feyenoord), der den wichtigsten europäischen Clubtitel gewann. Bei den Bayern-Finalniederlagen 2010 (nicht in den Kader berufen) und 2012 (gesperrt) musste er auf der Tribüne sitzen.

Bayern ist Champions-League-Sieger 2013

Der FC Bayern ist am Ziel aller Münchner Träume angekommen. Um 21.34 Uhr Ortszeit im Wembley-Stadion von London krönte sich der Deutsche Rekordmeister zum fünften Mal in der Vereinsgeschichte zum besten Klub Europas. Erstmals seit 1997, seit Wolfgang Feiersinger mit Dortmund, durfte mit David Alaba auch ein Österreicher wieder diesen Thron besteigen. Doch es war ein hartes Stück Arbeit für den 20-jährigen Wiener und seine Kollegen im ehrwürdigen Wembley-Stadion gegen den Erzrivalen aus Dortmund.

Denn es waren nicht die Bayern, die in diesem Spiel von Beginn an den Ton angaben hatten. Es war der Außenseiter. Mit mehr Bewegung ohne Ball und jenem Pressing, das die Mannschaft von Jürgen Klopp in den letzten Jahren ausgezeichnet hatte, wurde der Favorit unter Druck gesetzt.

Gelbe Gefahr

Die Bayern mussten eigentlich darauf vorbereitet gewesen sein. Rezept hatten sie anfangs dennoch keines dagegen. Und so dauerte es nicht lange, bis die Dortmunder gefährlich wurden. Blaszczykowski konnte die größte Dortmunder Chance an diesem Abend nicht nutzen. Nach einem Reus-Pass von rechts kam der Pole fünf Meter vor Neuer zum Abschluss. Der Bayern-Keeper rettete in höchster Not im Stile eines Handball-Torwarts.

Die Bilder des Bayern-Triumphs

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Supporters of Bayern Munich react after a public v

Borussia Dortmund soccer fans react at a public vi

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Players watch as Bayern's Bastian Schweinsteiger, …

BRITAIN SOCCER UEFA CHAMPIONS LEAGUE FINAL 2013

Bayern's Mario Mandzukic of Croatia, left, scores …

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Dortmund's Ilkay Guendogan, center, scores from a …

Bayern Munich's Robben, evades Borussia Dortmund's

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Bayern Munich's Arjen Robben shoots to score past

Bayern Munich's Arjen Robben reacts after the fina

Bayern's Arjen Robben of the Netherlands tosses th…

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Bayern's Franck Ribery of France holds the trophy …

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Es dauerte 25 Minuten, bis die Bayern erwachten. Ein Befreiungsschlag muss her, dachte sich Franck Ribéry und holte zu so einem aus, nachdem er von Dortmunds Lewandowski am Trikot zurückgehalten worden war. Für den Schlag mit dem Unterarm ins Gesicht des Polen kann man Rot zeigen. Ribéry sah nicht einmal Gelb und holte prompt zur nächsten Initialzündung aus.

Die Traumflanke des Franzosen landete auf dem Kopf von Mandzukic, Weidenfeller rettete (26.). Es war die erste Chance der Bayern, die erst damit im Spiel angekommen waren.

Mehr noch: Plötzlich waren sie sogar hellwach, die Münchner. Robben tauchte unbedrängt vor Weidenfeller auf, scheiterte jedoch mit dem Versuch, den starken Keeper zu überheben. Wenige Augenblicke später konnte sich auch Neuer noch einmal im Duell mit Lewandowski auszeichnen.

Spektakel

Ein offener Schlagabtausch entwickelte sich in Hälfte zwei zu einem Spektakel. Nur die Tore fehlten noch. Bis zur 60. Minute. Wie im Vorjahr gegen Chelsea gingen die Bayern in Führung. Mandzukic stand goldrichtig und musste nur noch Danke sagen, nachdem Robben Weidenfeller gekonnt umkurvt hatte (60.). Die Führung hielt jedoch nicht lange. Gündogan glich vom Elfmeterpunkt aus, nachdem Dante Reus im Strafraum ungestüm gelegt hatte (68.).

Der Ausgleich sollte die Münchner aber nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Subotic musste gegen Müller auf der Torlinie und Weidenfeller bei einem sehenswerten Alaba-Schuss und einem weiteren von Schweinsteiger retten. Die letzten 25 Minuten gehörten den Bayern allein. Sie drückten auf den Siegestreffer. Und sie bekamen ihn. Arjen Robben, gerade jener Mann, der im Vorjahresfinale in der Verlängerung noch einen Elfmeter verschossen hatte, wurde vom Buhmann zum großen Helden. Nach einem Ferserl von Ribéry stand der Niederländer zum zweiten Mal an diesem Abend alleine vor Weidenfeller. Diesmal ließ er ihm keine Chance – 2:1, der K.o. in der 89. Minute.

Zu Ehren der Champions: Stern des Südens

Borussia Dortmund - FC Bayern München 1:2 (0:0)
London, Wembley-Stadion, 86.298 (ausverkauft), SR Nicola Rizzoli (ITA).

0:1 (60.) Mandzukic
1:1 (68.) Gündogan (Foulelfmeter)
1:2 (89.) Robben


Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (92. Sahin), Gündogan - Blaszczykowski (91. Schieber), Reus, Großkreutz - Lewandowski

Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Martinez, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribery (91. Luiz Gustavo) - Mandzukic (94. Gomez)

Gelbe Karte: Großkreutz bzw. Dante, Ribery

Die Besten: Weidenfeller, Reus, Gündogan bzw. Neuer, Mandzukic, Robben

Abwarten

Es wurde so ziemlich alles geboten, was das Drehbuch verlangt hatte.

Bayern lässt sich im Mutterland des Fußballs die Traumsaison tatsächlich nicht vermiesen.

Ausgerechnet Arjen Robben, ein Mann mit nur einem Trick in gleichnamiger Kiste, gelingt der entscheidende Treffer.

David Alaba wird trotz relativer Unauffälligkeit erster aktiver österreichischer Champions-League-Sieger.

Auf der Tribüne freut sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß über seinen großen sportlichen Coup und auch ein wenig über seine Freiheit.

Der große alte Trainer, Jupp Heynckes nämlich, legt seinem jüngeren Nachfolger die Latte noch ein paar Stufen höher. Was treibt Pep Guardiola eigentlich noch nach München, wenn er im kommenden Jahr nichts mehr erreichen und nur noch verlieren kann?

Auf der Tribüne leidet der Jungstar Mario Götze mit seinem Klub und muss den Jubel seines neuen Arbeitgebers mit Trauermiene begleiten.

Borussia Dortmund, von vielen als Titelgewinner gewünscht, kommt zurück ins Spiel und geht am Ende doch unter. Mitleiderregend, untermalt von den Gefühlseruptionen des Trainers.

Viel Show, viel Kampf, etwas weniger spielerische Klasse an diesem Abend. Deutschlands Fußball hat gezeigt, Nummer eins zu sein.

Ob es zum Dauerzustand wird, wie viele glauben? Das muss erst noch bewiesen werden.

Heynckes: Erst spröde, dann weich

Ein findiger Fußballfan hat dieser Tage einen Kaugummi aus dem Gras gefischt und ihn teuer versteigert. Es war der letzte, den Sir Alex Ferguson als Trainer von Manchester United aus dem Mund gespuckt hat.

Wo war dieser findige Fußballfan nach dem letzten Bayern-Spiel in dieser Bundesligasaison? Wäre er in Gladbach gewesen und hätte mit einem kleinen Röhrchen die Tränen von Jupp Heynckes aufgefangen – er hätte noch reicher werden können.

Emotionen

Heynckes ist hochgradig spröde. Einen glanzvollen Sieg seines Teams kommentiert er genauso unaufgeregt wie eine bittere Niederlage. Öffentliche Gefühlsausbrüche bei der Arbeit? Das ist nicht die Sache von Jupp Heynckes – selten ein Lächeln, erst recht keine Wutausbrüche oder Attacken auf Spieler oder Trainerkollegen.

Aber nach dem Spiel in Gladbach hatte er mit den Emotionen zu kämpfen, wischte sich nach dem 642. und vielleicht letzten Bundesligaspiel das Feuchte aus dem Augenwinkel. Er war von den Borussia-Fans gefeiert worden, was einem Bayern-Trainer ja nicht so oft passiert. Aber der 68-Jährige hat dort seine beste Zeit als Fußballer erlebt, als noch im Bökelbergstadion gespielt wurde. Vier Mal wurde er Meister mit der Borussia, in dieser Zeit wurde er auch Weltmeister (1974) und Europameister (1972).

Mit 34 Jahren begann er in Mönchengladbach als Trainer. Daraus wurde eine Erfolgsgeschichte, denn er führte die Mannschaft gleich im ersten Jahr ins Finale des UEFA-Cups. Mit Bayern holte er drei Meisterschaften – 1989, 1990 und 2013.

Bitterer Abschied

Seinen größten Erfolg feierte er mit Real Madrid: Unter seiner Führung gewann der Klub 1998 die Champions League. Das gewonnene Finale war gleichzeitig sein letztes Spiel als Trainer bei Real, da er nach nur einer Saison entlassen wurde.

Ein Schicksal, das ihn auch jetzt in München ereilt. Unter seiner Leitung haben die Bayern nach zwölf Jahren ihre titellose Zeit in Europa beendet. Man wollte ein Zeichen setzen und verpflichtete Ex-Barcelona-Erfolgscoach Josep Guardiola. Am 16. Jänner hatte Heynckes von seiner Ablöse erfahren. Seither will er es bei den Bayern allen zeigen.

Schweres Erbe

Und das ist ihm gelungen: Heynckes hat Guardiola ein schweres Erbe hinterlassen mit Meisterschaft, Champions League und vielleicht auch noch dem Cupsieg. Für den Deutschen war diese Saison eine tiefe Befriedigung, dass es auch seine Trainergeneration noch richten kann. Im Winter, im Trainingslager in Katar, hatte er gespottet: „Masterplan, das haben die jungen Trainer heute, die Konzept-Trainer und Laptop-Trainer, die gekommen und gegangen sind in der Liga. Die machen so etwas. Ich habe klare Vorstellungen.“

Das ändert aber nichts daran, dass der Erfolgstrainer gehen muss. Noch nicht nach dem Triumph in der Champions League: Denn mit den Bayern gibt es kommenden Samstag noch das Pokal-Endspiel in Berlin gegen den VfB Stuttgart. Aber dann ist wirklich Schluss.

Oder doch nicht?

Katerstimmung in Schwarz-Gelb