Die Admira (Pavic gegen Lazaro) will Salzburg im Cupfinale mehr als nur ärgern.

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Cup-Finale
05/19/2016

Admira-Präsident: "Salzburg ein Segen für die Liga"

Der Admira-Präsident über den heutigen Gegner und die Zukunft seines Klubs.

von Philipp Albrechtsberger

Seit zwei Jahren ist er Admira-Präsident, dies ist sein zweites Interview. "Ich finde nichts uninteressanter als Funktionäre, die zu allem ihre Meinung abgeben müssen", sagt Philip Thonhauser. Vor dem Cupfinale gegen Salzburg macht der Unternehmer, der bis 18 bei der Admira kickte, eine Ausnahme.

KURIER: Warum wird man Admira-Präsident?

Philip Thonhauser: Ich war dem Verein immer verbunden. Und beim neuen Vorstand handelt es sich um Unternehmer aus der Region, die alle wissen, welche Bedeutung der Klub für das Umfeld hat. Dennoch ist uns allen wichtig: Wir wollen uns damit weder verwirklichen noch Millionen aus den eigenen Taschen hineinstecken.

Was wussten Sie von dem Klub und wie war er aufgestellt?

Ich wusste, was man als ehemaliger Jugendspieler und Sympathisant wissen konnte. Gute Akademie, wenige Fans, kaum politische Unterstützung. Was die Organisation angeht, fielen mir zwei Sachen auf: Es gab keine Stelle, die sich dezidiert um neue Sponsoren kümmerte. Das war unter Vorgänger Richard Trenkwalder gar nicht gewünscht. Man wollte neben dem Eigentümer keine anderen Marken.

Und zweitens?

Der Verein heißt zwar Admira Wacker Mödling, aber der Bürgermeister von Mödling wird nicht zu den Spielen eingeladen. So braucht man sich nicht wundern, wenn keine Unterstützung kommt.

Was ist schwieriger zu führen: ein Unternehmen oder ein Fußball-Klub?

Ein Profiverein muss ein Unternehmen sein. Der einzige Unterschied ist, dass man im Fußball jedes Wochenende eine kleine sportliche Zwischenbilanz gelegt bekommt, die in alle Richtungen ausschlagen kann. Da musste ich auch lernen, dass das nur eine sportliche Momentaufnahme ist.

Wo sehen Sie die Admira mittelfristig?

Unser Anspruch muss es sein, uns mittelfristig im Europacup-Segment zu etablieren. Die Säulen, die uns stark machen, wollen wir weiter stärken. Die wichtigste Säule ist der Nachwuchs, da wollen wir weiter regelmäßig und noch mehr Spieler in den Nationalteams stellen. Wirtschaftlich sollten wir in fünf Jahren zur Gänze gesundet sein. Da gibt es noch ein paar Altlasten zu beseitigen.

Wie sehr stört es einen Geschäftsmann, dass man auch heuer bei der Lizenz in erster Instanz durchgefallen ist?

Das ist furchtbar. Da müssen wir alle besser werden und besser kommunizieren mit der Bundesliga. Klar sind die Anforderungen ganz klar definiert. Trotzdem muss man auf die Leute zugehen und sie fragen: Was meint ihr damit, was wollt und braucht ihr wirklich?

Wie viele Fans sind mittelfristig realistisch?

Die Südstadt verträgt regelmäßig 5000 Zuschauer. Wir müssen ihnen etwas bieten und sie abholen. Die Infrastruktur muss verbessert werden. Das ist generell ein österreichisches Problem. Ich habe vier Jahre in den USA gelebt. Wer dort zu einem Basketball-Spiel geht, der weiß, was Infrastruktur ausmacht. Generell stimmen viele Kriterien in unseren Stadien nicht mehr.

Zum Beispiel?

Die Leute müssen schnell ihr Bier und ihr Würstel bekommen, die Parkplätze müssen nah sein. Als ich als Kind zu einem Spiel gegangen bin, sind wir noch 15 Minuten über die Wiese zum Stadion gegangen. Das geht heute nicht mehr.

Grödig hat den Profibetrieb gerade eingestellt, weil der Klub in der zweiten Liga nicht mehr finanzierbar ist. Kein gutes Zeichen!

Wichtig wäre, dass es für den Absteiger einen Fallschirm gibt, der ihn auffängt. In der jetzigen Liga kann es jeden ab Platz vier treffen. Der Absteiger muss im ersten Jahr so abgesichert sein, dass er sich eine Liga darunter halten kann. Hätte Grödig eine Akademie, an der Hunderte Kinder dranhängen, würde bei einem Ausstieg richtig viel Erde verbrannt werden. Da gibt es für den österreichischen Fußball ein übergeordnetes Interesse, dass Akademie und Verein bestehen bleiben. Der Akademie wird in den Lizenzauflagen generell zu wenig Beachtung geschenkt.

Warum?

Auch wir könnten sagen: Pfeif’ auf die Akademie, die uns eine Million im Jahr kostet. Wir kaufen uns eine Truppe aus abgehalfterten Ligaspielern zusammen. Damit bleiben wir auch erstklassig. Aber das ist doch keine Vision für einen Fußballverein.

Ein Wort zum heutigen Finalgegner Red Bull Salzburg?

Der Klub ist ein Segen für die Liga. Sie pushen alle, und wir alle jagen sie.

Können Sie die Anfeindungen verstehen?

Aus einer emotionalen Fan-Sicht vielleicht, aus wirtschaftlichen Überlegungen aber überhaupt nicht. Wir müssen froh sein, dass es jemanden gibt, der vorne weg marschiert und die Latte immer höher legt. Wir alle sind durch Salzburg besser geworden – nicht nur sportlich.

Admira Wacker Mödling - Red Bull Salzburg

Wörthersee-Stadion Klagenfurt, 20.30 Uhr, SR Schörgenhofer, live ORFeins

Letzte Infos: Bei Salzburg fehlt Damari (Adduktoren). Der Einsatz von Soriano (Wade) und Pehlivan (Prellung) ist fraglich. Bei Admira ist Kapitän Schösswendter nicht fit, auch Ebners Einsatz ist fraglich.

Der Weg ins Finale

Admira: Schwechat (A) 4:2 i.E., Wallern (A) 4:2 i.E., Lankowitz 1:0 (A), Rapid (A)1:0, St. Pölten (H) 2:1
Salzburg: Deutschlandsberg (A) 7:0, Horn (A) 3:2 n.V., Ried (H) 4:2, Sturm (A) 1:0, Austria (H) 5:2

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