8-8-8: Salzburgs neue Kicker-Formel

dapdFussball, tipp3 - Bundesliga, Saison 2011/12, 27. Spieltag, FC Admira -  FC Salzburg, Samstag (24.03.12), Trenkwalder Arena, Maria Enzersdorf: Salzburgs Trainer Ricardo Moniz gestikuliert. Das Spiel endete 2:2..Foto: Guenter Artinger/dapd
Foto: dapd Muss Trainer Moniz im Sommer gehen?

In Salzburg gibt es ein fertiges Konzept, um Talenten eine wirkliche Chance zu geben. Lässt es sich auch umsetzen?

Dietmar Kühbauer war stolz. "Die Jungen haben ein wunderbares Spiel gemacht. Das ist schön für einen Trainer", meinte der Admira-Trainer nach dem 2:2 gegen Salzburg.

Kühbauer hatte aus der Not eine Tugend gemacht. Der Ausfall von fünf Verteidigern veranlasste ihn nicht dazu, etwa Mittelfeldspieler umzufunktionieren, sondern er gab zwei Abwehrspielern der Admira-Amateure eine Chance: Thomas Ebner (20 Jahre alt) und Thomas Weber (18). Beide konnten bei ihrem Bundesliga-Debüt mehr als überzeugen.

Bei Gegner Salzburg wird das anders gehandhabt. Da ist es Usus, bei Ausfällen lieber noch einen Legionär zu verpflichten als einem Spieler aus dem zweiten Team eine Chance zu geben.

Überangebot

dapdFussball, tipp3 - Bundesliga, Saison 2011/12, 27. Spieltag, FC Admira -  FC Salzburg, Samstag (24.03.12), Trenkwalder Arena, Maria Enzersdorf: Admiras Thomas Weber (r.) spielt gegen Salzburgs Goerg Teigl. Das Spiel endete 2:2..Foto: Guenter Artinger/d Foto: dapd Bei Admira sind junge Spieler wie Thomas Weber die Regel, bei Salzburg ist Georg Teigl die Ausnahme.

Nur ein Beispiel von vielen: Chema Anton war im Sommer als fünfter Innenverteidiger verpflichtet worden, weil Franz Schiemer nicht fit war. Der Spanier hat zuletzt am 21. August 2011 in der Bundesliga gespielt. Die Reise zur Admira machte er nicht mit. Trotzdem saßen in der Südstadt mit Petri Pasanen, Douglas und Martin Hinteregger drei Innenverteidiger auf der Bank. Auf dieser Position spielte Rasmus Lindgren, der Schwede war von Trainer Ricardo Moniz im Sommer 2011 für das defensive Mittelfeld geholt worden.

Da darf sich niemand wundern, dass die Salzburger von Wunschspieler Christopher Dibon einen Korb bekommen werden. Bei Rapid ist der Weg in die Stammelf für einen jungen Österreicher nämlich bei weitem nicht so weit wie jener in Salzburg. Deshalb wird der Admira-Verteidiger wohl nach Hütteldorf gehen.

In Salzburg ist zwar schon im Mai 2011 von Moniz und dem damaligen Sportchef Heinz Hochhauser angekündigt worden, dass künftig vermehrt auf junge Spieler aus den eigenen Akademien gesetzt werden würde.

Doch das war eigentlich nur leeres Geschwätz. Seit damals wurden zehn neue Legionäre geholt, die den Jungen den Platz verstellen. Aus den Akademien stehen mit Martin Hinteregger, Georg Teigl und Stefan Savic nur drei Eigenbau-Spieler im 27-Mann-Kader.

Das soll bald anders sein. Es gibt ein fix-fertiges Konzept der neuen Geschäftsführung, um den eigenen Talenten eine größere Chance zu geben als bisher. 8-8-8 lautet die Zauberformel. Acht Legionäre, acht arrivierte Österreicher und acht Spieler aus den Red-Bull-Akademien sollen in einem 24-Mann-Kader stehen.

Legionärsflut

Doch lässt sich dieser Plan überhaupt umsetzen? Derzeit gehören Salzburg 18 Legionäre, von denen gleich 14 langfristige Verträge haben. Dazu hat auch die neue Geschäftsführung beigetragen. Denn im Jänner wurden zwar drei Ausländer abgegeben, aber auch mit Cristiano und Jonathan Soriano zwei neue geholt, die bis ins Jahr 2015 verpflichtet wurden.

Dazu stellt sich die Frage: Wer wird dieses Konzept umsetzen? Trainer Moniz macht kein Hehl daraus, dass es für ihn egal ist, ob ein Spieler Österreicher oder Legionär, alt oder jung ist. Der Niederländer, der laut Eigenaussage am liebsten "40 Spieler" im Kader hätte, rotiert fleißig. In einem Jahr im Amt hat er weder eine Stammelf noch einen -kader gefunden. In der Bundesliga kamen 31 Spieler zum Einsatz, darunter 21 Legionäre.

Viel deutet darauf hin, dass ein anderer Trainer spätestens ab Sommer mit dem neuen Konzept Probleme haben wird. Glaubt man der Grazer Gerüchtebörse, dann wird das Franco Foda sein. Doch gegen den Sturm-Meistermacher spricht dessen autoritärer Führungsstil sowie sein Auftreten in einem Verein und in der Öffentlichkeit. Einer seiner Ex-Spieler machte bei Red Bull dazu noch alles andere als Werbung für seinen Ex-Trainer, erzählte etwa wie rau der Ton in der Sturm-Kabine ist.

Ein neuer Trainer alleine ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. In Salzburg mangelt es an einer starken Persönlichkeit in der Geschäftsführung, an einem Sportchef, dem Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz vertraut, der das neue Konzept auch wirklich umsetzt und der, wenn es notwendig wird, den Trainer overruled.

In der Formel 1 hat Mateschitz mit Helmut Marko einen starken Abteilungsleiter gefunden. Im Motorsport mischt sich Mateschitz auch praktisch nicht ein. Im Fußball macht dies der Red-Bull-Chef hingegen öfters als es in der Öffentlichkeit den Anschein macht. Dort hat er auch noch immer keinen Vertrauensmann gefunden. Der neue Salzburg-Chef Peter Vogl fiel bisher nur dadurch auf, dass er in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung tritt - ganz im Gegensatz zu Red-Bull-Motorsportchef Marko.

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(kurier) Erstellt am
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