Momentaufnahme eines turbulenten Abends: Stefan Schwab (Mitte) und seine Rapid-Kollegen bejubeln das 3:0.

© APA/HERBERT NEUBAUER

314. Wiener Derby
08/12/2015

5:2 - Eiskalte Rapidler im heißen Favoriten

Die Austria geht in der Generali Arena gegen den effizienten Erzrivalen unter.

von Alexander Strecha, Alexander Huber

Pro Jahr findet das Derbygesetz mindestens vier Mal seine Anwendung. Es besagt, dass bei den Duellen zwischen Austria und Rapid meist der Favorit nicht gewinnen kann. Am Mittwochabend wurde das Gesetz eindrucksvoll außer Kraft gesetzt. Rapid war als Favorit nach Favoriten gekommen und fuhr als klarer 5:2-Sieger heim nach Hütteldorf.

Grund zum Feiern hatten die Veilchen nur vor dem Anpfiff, als Herbert Prohaska zum 60. Geburtstag gratuliert wurde. Selbst Tibor Nyilasi kam extra aus Ungarn, um mitzufeiern.

Grünes Feuerwerk

Die erste Hälfte war nicht zu überbieten. Beide Teams starteten aggressiv, lieferten sich ein intensives Match. Die Austria wirkte leicht überlegen, Kayode und Kehat sorgten mit ihrer Schnelligkeit bei den Rapidlern für Unruhe. Allerdings gelang es den Veilchen nicht, sich gefährlich in den Strafraum zu kombinieren. Nur einmal, als Kayode auf und davon lief und an Novota scheiterte. Es wäre der Ausgleich gewesen, denn Rapid führte zu diesem Zeitpunkt schon 1:0, was aus einer Fehlentscheidung von Schiedsrichter Hameter resultierte. Denn er gab ein Foul von Holzhauser an Auer, Hofmanns Freistoß verwertete Stangl per Kopf (17.).

Austria-Coach Thorsten Fink tobte und beruhigte sich fortan nicht mehr. Kaum hatte nämlich Kayode besagte Chance verjuxt, erhöhte Rapid auf 2:0 (27.). Beric nützte nach einem Lochpass von Stangl ein Missverständnis zwischen Shikov und Stronati, bediente Schobesberger, der Almer keine Chance ließ.

Bei 33 Grad präsentierten sich die Hütteldorfer eiskalt. Aus der vierten Möglichkeit machten sie nämlich ihr drittes Tor. Ein besonders sehenswertes. Nach einem Fehler von Kehat zirkelte Schwab den Ball ins linke Kreuzeck (33.).

Die geschockte Austria kam nur langsam wieder in die Gänge, haderte nicht ganz zu Unrecht mit Referee Hameter. Der gestand den Violetten in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen Elfmeter nach Foul von Sonnleitner an Gorgon zu. Der traf mit viel Bauchweh im Nachschuss zum 1:3 (45.+1). Hurra, sie lebte noch, die Austria.

Violette Hoffnung

Und sie legte nach dem Wechsel nach. Vor allem der flinke Kaoyde bereitete den Rapidlern immer wieder Kopfschmerzen, verabsäumte aber, endlich ein Tor zu erzielen. Abermals scheiterte er allein auf weiter Flur an Novota (52.).

Wenige Minuten später wurde die fehlende Effizienz einmal mehr bestraft. Aus einem Konter entschied Rapid das Derby für sich. Schobesberger servierte Hofmann den Ball, der Kapitän schlenzte ihn ins lange Eck – 4:1 (56.). Die Moral der Austria war gebrochen, Rapid verlegte sich aufs Kontern und hatte weitere Top-Möglichkeiten durch Stangl und Beric.

Der grüne Goalgetter schlug wenig später mit dem Kopf zum 5:1 zu, weil die Austria-Abwehr überhaupt nicht mehr funktionierte. Die Hausherren wurden am Ende regelrecht vorgeführt. Immerhin, Gorgon gelang aus einem Freistoß-Trick, bei dem die Abwehr und Novota schliefen, eine Ergebnis-Kosmetik zum 2:5 (72.) .

Spitzenreiter Rapid bleibt auch nach dem vierten Spiel noch ohne Punkteverlust.

Austria - Rapid 2:5 (1:3)

Wien, Generali-Arena, 12.500 (ausverkauft), SR Hameter

Tore:
0:1 (17.) Stangl
0:2 (27.) Schobesberger
0:3 (33.) Schwab
1:3 (45.+2) Gorgon (Elfmeter-Nachschuss)
1:4 (56.) S. Hofmann
1:5 (66.) Beric
2:5 (72.) Gorgon

Austria: Almer - F. Koch (82. De Paula), Sikov, Stronati, Martschinko - Vukojevic (67. Serbest), Holzhauser - Gorgon, A. Grünwald (60. Friesenbichler), Kehat - Kayode

Rapid: Novota - Auer, Sonnleitner, Dibon (46. M. Hofmann), Stangl - Petsos, Schwab - Schobesberger, S. Hofmann (57. Schaub), F. Kainz - Beric (74. Alar)

Gelbe Karten: Vukojevic, Holzhauser, Kayode, Friesenbichler bzw. Sonnleitner, Petsos, Auer

Barisic: "Der Hunger hat die Spieler ausgezeichnet"

Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Ich kann der Mannschaft vom Kampf her nichts vorwerfen, sie hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles gegeben. Rapid ist momentan bärenstark. Wir wussten, dass wir unsere Abwehr verändern müssen, da ist nicht alles nach Plan verlaufen und Rapid hat das gut ausgenützt. Wir haben gewusst, dass sie gut drauf sind und wir haben den ein oder anderen Fehler gemacht. Der Schiedsrichter hat auch unser ganzes Spiel mit einer Fehlentscheidung vor dem 0:1 durcheinandergebracht. Gut ist aber, dass wir Chancen herausgespielt haben und der Einsatz."

Zoran Barisic (Rapid-Trainer): "Es war ein spannendes Spiel, wir haben ein bisschen gebraucht, bis wir unseren Rhythmus gefunden haben. Das Allerwichtigste war, dass wir die Druckphase speziell zu Beginn der zweiten Hälfte überstanden und aus einem Konter das 4:1 erzielt haben, das war die spielentscheidende Phase. Wir haben nicht aufgehört, nach vorne zu spielen. Egal wie das Resultat war, die Mannschaft hat immer versucht Chancen herauszuspielen, das nächste Tor zu erzielen, der Hunger hat die Spieler ausgezeichnet, das hat mir sehr imponiert. Das Resultat ist das, was am Ende zählt, die Leistung und die Weiterentwicklung der Mannschaft spricht aber für sich. Es ist ganz wichtig, mit beiden Beinen am Boden zu bleiben."

Steffen Hofmann (Rapid-Kapitän und -Torschütze): "Es war ein hart umkämpftes Spiel. In der ersten Hälfte haben wir aus unseren Möglichkeiten gleich Tore gemacht, das war sehr wichtig. In der zweiten Hälfte hätten wir eigentlich mehr Tore machen müssen. Wenn man einmal so vorne ist, werden die Beine leichter. Wir sind noch lange nicht an irgendeinem Ziel, haben noch einiges vor, sind aber auf einem guten Weg."

Alexander Gorgon (Austria-Doppel-Torschütze): "Wir wollen uns nicht nur am Schiedsrichter ausreden, wir müssen uns an der eigenen Nase packen. Bei 1:3 haben wir eine gute Chance gehabt, die haben wir vergeben und nach unserem eigenen Eckball sind wir dann ausgekontert worden. Das 1:4 war ein großer mentaler Knackpunkt, dann war es schwer, noch einmal ranzukommen. Wenn du im Derby so viele individuelle Fehler machst, dann ist es schwer. Man sieht, dass Rapid eine intakte Mannschaft hat. Ich glaube, dass man Lehren ziehen, was Positives rausnehmen kann, das Ergebnis ist aber bitter."