© REUTERS/Jason Cairnduff

Fußball
06/18/2016

Kroatische "Fans": "Schande vor den Augen Europas"

Während des Spiels zwischen Tschechien und Kroatien kommt es zu unschönen Szenen.

Bengalos, Prügeleien und rassistisches Verhalten: Wegen der Ausschreitungen einiger Fans ermittelt die UEFA gegen den kroatischen und den türkischen Verband. Vor allem den "vorbestraften" Kroaten droht eine hohe Strafe. Am Samstag eröffnete die Europäische Fußball-Union Disziplinarverfahren gegen beide Verbände.

Beim 2:2 gegen Tschechien hatten sich am Freitag kroatische Anhänger im Stadion untereinander Schlägereien geliefert und Bengalos auf das Spielfeld geworfen hatten, woraufhin die Partie in Saint-Étienne für vier Minuten unterbrochen wurde. Laut UEFA sollen einige Kroaten auch mit rassistischen Äußerungen aufgefallen sein.

Bei der ebenfalls am Freitag ausgetragenen Partie Türkei gegen Spanien (0:3) in Nizza waren ebenfalls Feuerwerkskörper gezündet und Gegenstände auf den Platz geworfen worden. Beide Fälle werden am Montag durch die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkommission der UEFA verhandelt.

Wiederholungstäter

Die Kroaten sind bereits mehrfach bestraft worden – unter anderem mit Zuschauerausschlüssen, Geldstrafen und sogar einem Punktabzug in der EM-Qualifikation. Erst im vergangenen Sommer war es vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Italien in Split zu einem Skandal gekommen: Unbekannte hatten ein Hakenkreuz in den Rasen des Stadions gebrannt. Auch bei zwei Freundschaftsspielen im März waren diskriminierende Gesänge zu hören.

Kroatiens Trainer Ante Cacic war nach der Partie gegen die Tschechen außer sich. "Ich nennen das eine Art von Terror. Das sind für mich keine Fans, ich nenne sie Hooligans", sagte er. Er verurteilte die Vorfälle als "Schande vor den Augen ganz Europas".

Der ehemalige Topstar Robert Prosinecki kritisierte: "Das war Absicht, eine gezielte Provokation. Aber das ist auch ein Problem des kroatischen Staates. Es sind immer die gleichen 50 Hooligans, und sie wissen auch genau, wer das ist. Aber trotzdem passiert nichts."

Experten und Beobachter sind sich einig, dass es den Anhängern primär um eines geht: dem eigenen, vermeintlich korrupten und mafiösen Verband zu schaden und ihn zu diskreditieren. Das ist ihnen offenbar wichtiger als der Erfolg des Teams.

Gerichtsbekannt

Die skandalösen Verhältnisse im kroatischen Fußball sind mittlerweile gerichtsfest. So ist Zdravko Mamic, langjähriger Präsident von Serienmeister Dinamo Zagreb und Vizepräsident des kroatische Verbandes HNS, angeklagt, jahrelang beim Transfer von Dinamo-Spielern ins Ausland in die eigene Tasche und an der Steuer vorbei gewirtschaftet zu haben. Mamic gilt als "Pate" des kroatischen Fußballs. Sogar der frühere Weltklasse-Stürmer Davor Suker an der Spitze des HNS wird nur als Marionette angesehen.

Die eigentlich verfeindeten Ultras von Dinamo, Hajduk Split und NK Osijek sind sich in einem einig: in ihrer Ablehnung von Mamic und auch Suker. In Saint-Étienne kamen zahlreiche Anhänger mit T-Shirts ins Stadion, auf die durchgestrichene Fotos von Mamic oder durchgestrichene Logos des HNS gedruckt worden waren.

Unklar ist nur noch, wer die brennenden Fackeln auf den Rasen warf und wer anschließend im Fanblock auf wen losging. Die meisten Beobachter sprachen zunächst von Ultras aus Split als Auslöser der Randale. Spiegel Online veröffentliche am Samstag aber einen vermeintlichen Bekenner-Post einer Fangruppe von Dinamo Zagreb.

Barcelona-Star Ivan Rakitic appellierte nach dem Spiel: "Wir müssen zusammenhalten wie eine Familie. Wenn wir das tun, kann uns niemand besiegen." Nur hat am Freitag jeder gesehen, dass der kroatische Fußball keine Familie ist.

"Wer gibt ihnen das Recht, Modric, Rakitic und Perisic dieses Turnier zu stehlen?", titelte die Zeitung Vecernji List. Aber neues Ungemach droht: Aus "Fan"-Kreisen wurden schon Pläne für Aktionen beim letzten Gruppenspiel am Dienstag gegen Spanien ins Internet gestellt ...

Das Spiel und die Ausschreitungen in Bildern:

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.