Daniel Sturridge sorgte fĂŒr den Last-Minute-Siegestreffer der EnglĂ€nder.

© REUTERS/Christian Hartmann

EURO 2016
06/16/2016

England gewinnt "Battle of Britain"

England kommt im britischen Duell gegen Wales erst in der Nachspielzeit zum 2:1-Sieg.

England hat das britische Duell in der EURO-Gruppe B gegen Wales auf den letzten DrĂŒcker fĂŒr sich entschieden. Der 2:1-Siegestreffer von Daniel Sturridge fiel in der 92. Spielminute.

Gareth Bale schoss den Underdog aus Wales in der 42. Minute in Fron. Die eingewechselten James Vardy (56.) und Daniel Sturridge (92.) drehten die Partie aber noch.

England hĂ€lt damit als neuer TabellenfĂŒhrer bei vier Punkten, Wales weiter bei drei. Die Waliser treffen am Montag (21.00 Uhr) in ihrem letzten Gruppenspiel in Toulouse auf Schlusslicht Russland (1 Punkt). Zeitgleich spielt England in Saint-Etienne gegen die Slowakei (3).

Wales - England in Bildern:

Schwache erste Halbzeit

Der mit Spannung "Battle of Britain" hatte in der ersten HĂ€lfte wenig Highlights zu bieten. Die EnglĂ€nder machten mehr fĂŒrs Spiel, taten sich aber schwer, die starke Defensive der Waliser zu knacken. Und wenn das gelang, fehlte die nötige Effizienz. Nach einem schönen Konter und einer Lallana-Hereingabe setzte Raheem Sterling den Ball aus bester Position drĂŒber (7.). Zudem fiel ein Cahill-Kopfball zu schwach aus (26.). In der 32. Minute kam auch noch Pech dazu. Ein Kane-Kopfball sprang dem Waliser Ben Davies im Strafraum an die Hand, der Elfmeterpfiff vom deutschen Schiedsrichter Felix Brych blieb aber aus.

Die Laune der englischen AnhĂ€nger wurde auch in der 36. Minute nicht besser, da ein Smalling-Kopfball hauchdĂŒnn am Tor vorbeiging. Doch es kam noch schlimmer. Die Waliser, die zuvor ohne Chance geblieben waren, gingen aus einem Freistoß in FĂŒhrung. Bei Bales Schuss aus rund 25 Metern sah Englands Tormann Hart ganz schlecht aus, lenkte den Ball bei seiner Parade ins eigene Tor (42.).

Joker-Tore

Zur Pause reagierte Englands Teamchef Roy Hodgson mit der Hereinnahme der Offensiv-Asse Sturridge und Vardy fĂŒr die ziemlich farblos gebliebenen Harry Kane und Sterling, und das tat dem Spiel der "Three Lions" gut. Unmittelbar nachdem Wayne Rooney noch am wieder fitten Wayne Hennessey gescheitert war (55.), ließ Vardy dem Wales-Goalie keine Chance. Der Leicester-MeisterstĂŒrmer kam nach einem missglĂŒckten Kopfball-KlĂ€rungsversuch von KapitĂ€n Ashley Williams völlig frei stehend zum Abschluss und hatte keine MĂŒhe aus kurzer Distanz zu vollenden (56.).

Die EnglĂ€nder drĂŒckten bei deutlich höherem Tempo als vor der Pause auf den Siegtreffer, konnten die spielerische Überlegenheit aber lange Zeit nicht ummĂŒnzen. Auch nicht nach der Hereinnahme von Manchester Uniteds Saisonentdeckung Marcus Rashford, dem mit 18 Jahren jĂŒngsten Spieler bei der laufenden EM, in der 73. Minute.

In fast der letzten Aktion im Spiel schlugen die Favoriten aber doch noch zu, Sturridge stocherte den Ball nach schöner Kombination ins kurze Eck (92.). FĂŒr die EnglĂ€nder kam damit das GlĂŒck zurĂŒck, beim 1:1 zum Auftakt gegen Russland hatten sie ja noch in der Nachspielzeit den bitteren Ausgleich hinnehmen mĂŒssen. FĂŒr Wales war es nach dem 2:1 gegen die Slowakei ein RĂŒckschlag, die Aufstiegschancen sind aber nach wie vor intakt.

Bale: "Ich bin sehr stolz auf jeden"

Chris Coleman (Teamchef Wales): "Wie erwartet war es das schwierige Spiel, aber bei so einem Ende kann man nicht sagen, dass es verdient war. Diese Frage wĂŒrde sich nicht stellen, wenn sie nicht in den letzten Sekunden getroffen hĂ€tten. Wir waren sehr entschlossen, aber manchmal braucht man auch ein bisschen GlĂŒck. Dieses Ende ist schwer zu verdauen. Die Gefahr ist, dass wir jetzt zu viel ĂŒber dieses Spiel grĂŒbeln. Wenn man mir vor dem Turnier gesagt hĂ€tte, dass wir nach dem zweiten Spiel noch am Leben sind, hĂ€tte ich das genommen. Wir mĂŒssen versuchen, das zu vergessen."

Roy Hodgson (Teamchef England): "Wir haben uns die vier Punkte aus den zwei Matches verdient. Wir haben gedacht, wir können ĂŒber den Ballbesitz zum Sieg kommen, aber die Waliser haben gut verteidigt und wir waren nicht in der Lage, unsere klaren Chancen zu verwerten. Ich habe nicht gezögert, Vardy einzuwechseln. Es hat großes Selbstbewusstsein im Moment. Beide Spieler (Vardy und Sturridge; Anm.), die zur Pause gekommen sind, haben dem Spiel eine andere QualitĂ€t gegeben. Wenn man andere Spieler auf dem Platz hat, bringt das die Verteidiger zum Zweifeln. Der Doppeltausch war meine beste Entscheidung bisher, aber es sind erst zwei Partien gespielt."

Jamie Vardy (1:1-TorschĂŒtze England): "Jeder möchte von Beginn an spielen, aber es ist ein Teamsport. Wir sind alle zusammen eine Einheit. Wenn man in der FrĂŒh aus dem Bett kommt, möchte man etwas Bedeutendes tun, und ich habe heute die Chance dazu gehabt. Wir haben gut gespielt. Die Botschaft (bei der Einwechslung; Anm.) war klar: Es war notwendig, dass wir so weiterspielen und darauf vertrauen, dass die Toren fallen werden. Das ist, was passiert ist. Wir wollen jedes Spiel so nehmen, wie es kommt."

Daniel Sturridge (2:1-TorschĂŒtze England): "Ein großes GefĂŒhl, unglaublich. Es ist so schön sein Land zu reprĂ€sentieren und den Jungs zu helfen, das Spiel zu gewinnen."

Gareth Bale (TorschĂŒtze Wales): "Es ist natĂŒrlich enttĂ€uschend. Ich bin sehr stolz auf jeden, wir haben alles gegeben. Wir haben 100 Prozent in das Spiel gelegt. Wir fĂŒhlen uns noch immer stark, wir sind noch immer gut drauf. Das Turnier ist noch nicht vorbei, im nĂ€chsten Spiel mĂŒssen wir noch besser spielen. Jedes Spiel ist wichtig. Wir werden weiterkĂ€mpfen, auch wenn es heute kein großartiges Resultat war."

Wayne Rooney (KapitĂ€n England): "In der ersten HĂ€lfte war es okay, aber wir hĂ€tten den Ball schneller laufen lassen mĂŒssen. Der Trainer hat ein paar wichtige Umstellungen vorgenommen und das hat sich bezahlt gemacht. Wir haben den Ball besser in den eigenen Reihen gehalten und am Ende das zweite Tor gemacht. Auch wir Spieler wissen, dass wir nicht nur die elf Leute sind, die auf dem Platz stehen. Wir haben eine gute Gruppe. Es ist ein angenehmes GefĂŒhl, auf diese Art und Weise zu gewinnen. Wir sind jetzt fast weiter. Das ist ein großer Sieg, aber ein verdienter Sieg."

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