Arnautovic (li.) musste im letzten Test einiges einstecken - vor allem eine Niederlage.

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Fußball
06/04/2016

0:2 gegen Niederlande: ÖFB-Team verpatzt Generalprobe

Die Österreicher können im letzten Match vor der EM nicht das nötige Selbstvertrauen tanken.

von Alexander Strecha, Andreas Heidenreich

48.000 Fans verabschiedeten das Nationalteam nach einem 0:2 gegen die Niederlande mit Applaus aus dem Prater zur EURO, sie schrien: "Frankreich, wir kommen." Dabei war es ein Abend der gemischten Gefühle, weil es sich einerseits um einen Test ohne unmittelbare Folgen handelte, auf der anderen Seite konnten die Österreicher nicht das erhoffte Selbstvertrauen vor dem Ernstfall tanken.

Einerseits zeigte man gelungene Kombinationen, wie man sie von diesem Team schon während der ganzen Qualifikation gesehen hatte, umgekehrt offenbarte dieser Test, woran man bis zum ersten Gruppenspiel gegen die Ungarn noch arbeiten muss: an der Konzentration in der Defensive.

Die Österreicher starteten schwungvoll, die erste Chance brachte beinahe die Führung. Ein Fallrückzieher des sehr aktiven Arnautovic verfehlte nur knapp das Ziel, die Zuschauer waren enthusiasmiert.

Plötzliche Stille

Wenige Minuten später reduzierte sich der Lärmpegel auf Null, als die Niederlande 1:0 in Führung ging (9.). Bei einer Flanke von der rechten Seite zögerten Dragovic und Goalie Almer, einer verließ sich offenbar auf den anderen, Janssen nützte den freien Raum per Kopf aus nur vier Metern Entfernung, eigentlich Almers Hoheitsgebiet. Zumal die Flanke nicht scharf geschossen war, sondern in hohem Bogen in den Strafraum kam.

Schon wieder so ein Blackout in der rot-weiß-roten Defensive, abermals hatte dieses Missverständnis Folgen. Diese Fehler ziehen sich mittlerweile wie ein roter Faden durch die Testspiele.

KURIER-Noten für Teamspieler:

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FUSSBALL FREUNDSCHAFTSSPIEL: ÖSTERREICH - NIEDERLA

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Zunächst erwachte das Publikum aus der Schockstarre, trieb das Team lautstark in die Offensive. Die Mannschaft zeigte sich willig, Junuzovic und Janko hatten den Ausgleich auf den Füßen. Österreich wollte es erzwingen, so wie Alaba mit einem Weitschuss (24.).

Die Hoffnung

Koller’s Eleven spielte ambitioniert nach vorne und nicht sattelfest nach hinten. Vor allem Dragovic hatte in einigen Situationen mit dem agilen Janssen seine Probleme, die technisch starken und beweglichen Niederländern bewegten sich geschickt zwischen Österreichs Linien und kamen so fast zu ihrem zweiten Tor. Ein Glück, dass der abgefälschte Schuss von Bazoer über Almer hinweg nur an die Stange klatschte (35.).

Die Fans bewiesen EM-Form, sie versuchten mit ihren Stimmen das Team zu stärken. Doch die Gäste zeigten im Prater, weshalb sie in voran gegangenen Tests England (2:1) und Polen (2:1) auswärts geschlagen hatten.

Die Entscheidung

Österreich bemühte sich um die Kontrolle im Spiel, kombinierte phasenweise auch gefällig. Doch einigen schönen Aktionen fehlten die finale Präzision und somit der erfolgreiche Abschluss. Alaba jagte aus spitzem Winkel den Ball über das Tor. Verzweifelt lief man dem Rückstand hinterher. Man erhielt einen Vorgeschmack auf die Schwere der Aufgabe, sollte dies auch bei der EURO geschehen.

Die Niederlande blieben weiter gefährlich, Janssen hatte sein Visier bei einem weiteren Versuch nicht gut genug eingestellt, Promes verfehlte mit einem Schuss knapp das lange Eck. In der 66. Minute wurde es wieder still im Prater, Wijnaldum erhöhte nach einer sehenswerten Kombination über die linke Seite auf 2:0. Österreich präsentierte sich noch nicht EURO-reif, ein Glück, dass noch neun Tage bleiben.

Österreich - Niederlande 0:2 (0:1)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 48.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Undiano Mallenco (ESP)

Tore:
0:1 (9.) Janssen
0:2 (66.) Wijnaldum

Österreich: Almer - Klein, Dragovic, Prödl (79. Hinteregger), Fuchs - Baumgartlinger (89. Ilsanker), Alaba - Sabitzer (82. Schöpf), Junuzovic (68. Harnik), Arnautovic (82. Jantscher) - Janko (67. Hinterseer)

Niederlande: Zoet (74. Cillessen) - Tete (86. Veltman), Bruma, Van Dijk, Van Aanholt - Bazoer (79. Vilhena), Strootman (71. Van Ginkel) - Berghuis (61. Narsingh), Wijnaldum, Promes - Janssen (65. De Jong)

Gelbe Karten: keine bzw. Janssen

Koller testete ein letztes Mal seine Personal-Alternativen

Teamchef Marcel Koller ließ auch gegen die Niederlande nicht seine Stamm-Elf beginnen, er suchte offenbar nach personellen Alternativen für die EURO, brachte Sabitzer für den zuletzt schwachen Harnik auf der rechten Flanke und gab Prödl in der Innenverteidigung statt Hinteregger eine Chance.

Sabitzer hielt nicht stur seine Position auf der Außenbahn, immer wieder zog es den Leipzig-Legionär ins Zentrum des Geschehen, um auf diese Art mehr ins Spiel eingebunden zu sein, was zu Folge hatte, dass über die Flanke weniger gelungene Aktionen kam als erwartet. Er spielte sehr engagiert, konnte sich in der Offensive aber nicht entscheidend durchsetzen. Für ihn kam später Harnik ins Spiel.

England-Legionär Prödl hatte in der Qualifikation mit Dragovic mehrmals ein harmonisches Duo in der Innenverteidigung gebildet, am Samstag bot er eine solide Leistung, musste im Laufe der zweiten Hälfte aber Hinteregger weichen.

Fuchs: "Das hat nicht wirklich eine Aussagekraft"

Marcel Koller: "Ich denke, wir haben eine gute erste Halbzeit gezeigt. Dann haben wir ein unglückliches Tor bekommen. Da hat die Abstimmung gefehlt. Das hat Holland natürlich in die Karten gespielt. Wir sind defensiv gut gestanden, aber bei Ballbesitz haben die Holländer eine hervorragende Technik, tolle Fußballer. Es war ein guter Test gegen eine starke Mannschaft. Im konditionellen Bereich haben wir uns durch dieses Spiel weiterentwickelt. Vom Ergebnis stimmt es nicht, aber wir müssen nicht an uns zweifeln. Von der Konzentration war das schon besser als noch gegen Malta."

Über das Abwehrverhalten beim 0:1: "Es war so, dass eine abgefälschte Flanke länger geworden ist. Klein hat sich auf den Tormann verlassen, der Tormann auf Klein. Da muss die Kommunikation einfach besser werden."

Christian Fuchs: "Das hat nicht wirklich eine Aussagekraft. Wir haben eine gute Leistung gezeigt und waren die bessere Mannschaft. Okay, es war ein bisschen unglücklich bei den Gegentoren, und vorne hat uns das Glück gefehlt. Heute ist ein bisschen alles zusammengekommen. Wir fahren mit frohem Mut nach Frankreich. Wir haben eine gute Vorbereitung gehabt, wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft sind."

Robert Almer: "Vielleicht ist es auch nicht schlecht, in der Situation noch einmal vor Augen geführt zu bekommen, wie stark die Gegner sein werden bei der Europameisterschaft und dass wir hellwach sein müssen. Wir haben das ganze Spiel relativ gut dominiert, aber Holland hat es sehr clever gemacht. Sie haben auf Konter gespielt, die Chancen, die sie gehabt haben, waren auch hochkarätig. Wir haben jetzt zwei Tage frei, werden die Köpfe freibekommen und uns dann voll auf Ungarn konzentrieren. Es ist kein Selbstläufer, und wir müssen bei jedem Spiel 100 Prozent raushauen."

Zlatko Junuzovic: "Die Holländer haben es sehr gut gemacht. Sie haben praktisch Manndeckung gespielt, haben uns überall hin verfolgt. Wir haben trotzdem Chancen gehabt, aber der Tormann hat auch sehr gut gehalten. In der zweiten Halbzeit probierst du es halt, kriegst aber dann ein zweites Tor. Wir haben verloren, das ist ein bisschen bitter. Aber trotzdem haben wir noch ein bisschen Zeit. Wir müssen das jetzt sehr gut analysieren. Und wir müssen die Chancen verwerten, müssen entschlossener sein. Das Ungarn-Spiel ist sehr wichtig. Auf dem liegt der Fokus ganz allein."

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