Dankesworte: Teamchef Marcel Koller und sein Lieblingstorhüter.

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EURO 2016
06/20/2016

Bestandsaufnahme nach zwei mäßigen EM-Vorstellungen

Was Mut macht und was besser werden muss.

von Alexander Strecha

180 EURO-Minuten sind für Österreich gespielt, vor dem finalen Auftritt in der Gruppe am Mittwoch gegen Island darf man immer noch vom Aufstieg ins Achtelfinale träumen. Dazu benötigt die Koller-Elf nichts Geringeres als Österreichs ersten Sieg bei einer EM überhaupt. Was macht Mut, was sollte bis dahin noch verbessert werden?

Positiv

Der Charakter
Die Österreicher haben sich nach dem Schock gegen Ungarn mit verbesserter Leistung präsentiert und eine positive Reaktion auf den Rückschlag gezeigt. Über den Willen und den Kampf und mit einer gehörigen Portion Glück hat man zurück ins Turnier gefunden. Und vor allem dem Druck standgehalten.

Die Fans
Sie stehen zu dieser Mannschaft, wie in Paris zu sehen und vielmehr noch zu hören war. Die Stimmung war viel besser als noch in Bordeaux gegen die Ungarn, vielleicht auch, weil es gegen Portugal mittlerweile um alles oder nichts ging. Der eine Punkt wurde von den Feierlichkeiten her einem Sieg gleichgestellt. Vielleicht machen sich am Dienstag und Mittwoch jetzt noch mehr Österreicher auf den Weg nach Paris, um die Mannschaft im Stade de France im Finale gegen Island zum Aufstieg zu schreien.

Die Umstellungen
Teamchef Marcel Koller hat nach dem Ungarn-Spiel personell reagiert bzw. reagieren müssen, fast alle Überlegungen sind gegen Portugal aufgegangen. Prödl hat in der Innenverteidigung mit Hinteregger harmoniert, Ilsanker war das Pendant zu Baumgartlinger und hat aufgezeigt, dass auf ihn einmal mehr Verlass ist, wenn es Spiel, Gegner und taktische Ausrichtung erfordern. Selbst Harnik hat als Solo-Spitze einen deutlich besseren Eindruck hinterlassen als an der Flanke im Ungarn-Spiel. Nur Sabitzer auf der rechten Seite und Alaba im offensiven Mittelfeld konnten die Erwartungen nicht erfüllen.

Der Mut
Marcel Koller nahm Alaba nach 65 Minuten völlig zu Recht aus dem Spiel. Eine Handlung, zu der sich nicht jeder Trainer entschließt, weil es doch auch Mut erfordert, seinem Star die Grenzen aufzuzeigen.

Der Almer-Faktor
Wer bei einem Turnier keinen Rückhalt im Tor hat, der hat schon verloren. Goalie Robert Almer erlaubte sich bei den Gegentoren gegen die Ungarn keinen Patzer, gegen die Portugiesen samt Superstar Cristiano Ronaldo hielt er sensationell das 0:0 fest. Dabei war Österreichs Nummer eins vor der EM nicht unbedingt in der Rubrik "Stärken" zu finden. Wer weiß, vielleicht wird diese Gala gegen die Portugiesen noch zum Sprungbrett für einen finalen Auslandstransfer in seiner Karriere. Erstmals seit Friedl Koncilia und dem 2:0 gegen Algerien am 21. Juni 1982 bei der WM in Spanien blieb ein österreichischer Torhüter bei einem Großturnier ohne Gegentor.

Negativ

Die Gefährlichkeit
Österreich hat aktuell Probleme, sich wirklich gute Tormöglichkeiten zu erspielen. Gegen Ungarn kam man nur einmal wirklich aus einer schönen Aktion heraus gefährlich vor des Gegners Tor, als Harnik einen Stanglpass von Arnautovic nicht verwerten konnte. Die restliche Gefährlichkeit resultierte aus Schüssen. Gegen Portugal hatte Harnik nach drei Minuten die Führung auf dem Kopf, danach war man zumeist mit dem Verteidigen beschäftigt.

Die Nullnummer
180 Minuten ohne Torerfolg – diese negative Serie muss beendet werden, soll der Aufstieg ins Achtelfinale gelingen. Immer noch ist Ivica Vastic Österreichs einziger Torschütze bei einer EM. Er traf noch dazu nur aus einem Elfmeter. Nichts gegen den aktuellen Mattersburg-Trainer, aber eigentlich ist das ein untragbarer Umstand. Die Österreicher vergaben ihre wenigen Topchancen. Teamchef Koller selbst meinte vor dem Portugal-Spiel: "Man sieht bei dieser EM, dass jene Teams, die ihre Chancen effektiv nutzen, auch fast immer als Sieger das Feld verlassen." Die Aussage darf zwar nicht als höhere Fußball-Philosophie gewertet werden, entspricht aber der Realität. Österreich muss viel effektiver werden, will man nicht schon nach der Gruppenphase den Heimflug antreten.

Die Formtiefs
Ein paar Schlüsselspieler sind auf der Suche nach ihrer Normalform. Allen voran David Alaba. Aber auch der in den letzten Testspielen so starke Marko Arnautovic ließ gegen Portugal aus, ebenso wie Marc Janko gegen die Ungarn, da er nach seiner Verletzung noch nicht die 100-prozentige Fitness erlangt hatte. Aber auch der gegen Portugal gesperrte Aleksandar Dragovic hat nach seiner Knöchelverletzung noch nicht sein gewohntes Niveau erreicht. Von der in der Qualifikation wunderbar funktionierenden Achse bringen nur Robert Almer und Julian Baumgartlinger gewohnte Leistungen.

Der Junuzovic-Ausfall
Die Verletzung des Mittelfeld-Motors schmerzt. Zlatko Junuzovic wird auch gegen Island fehlen und würde erst im Achtelfinale wieder zur Verfügung stehen.

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