Sport | Formel-1
03.12.2016

Wehrlein in Poleposition für Rosberg-Nachfolge

Der deutsche Nachwuchspilot hat gute Karten, das Weltmeister-Cockpit zu erben.

Im Castingverfahren für das vakante Formel-1-Cockpit bei Mercedes hat Testfahrer Pascal Wehrlein gute Karten. Bei Fernando Alonso hingegen schrillen innerhalb des Daimler-Konzerns die Alarmglocken. Eine Situation wie im Jahr 2007, als sich Alonso und Lewis Hamilton bekriegten, sei "absolut ein Territorium, das ich nicht betreten möchte", stellte Sportchef Toto Wolff am Samstag in Wien klar.

"Wir haben ein Junior-Programm, und wir haben zwei, meiner Meinung nach, der talentiertesten jungen Fahrer da drinnen. Es wäre aufregend, einen der beiden im Auto zu haben", verwies Wolff auf Wehrlein und Esteban Ocon. Der 20-jährige Franzose hat für das kommende Jahr bei Force India einen Platz ergattert, dort könnte man ihn aber relativ leicht rausbekommen, zumal Mercedes das indisch-englische Team mit Motoren beliefert.

"Wollen den Besten nehmen"

Für Wehrlein, dessen Zukunft nach seiner Debütsaison bei Manor noch unklar ist, spricht, dass er in diesem Jahr fleißig für Mercedes getestet hat, unter anderem mit den neuen, breiten Pirelli-Reifen. "Ja mit Großbuchstaben", antwortete Wolff auf die Frage, ob das ein Vorteil für den Deutschen sei. "Und er hat sich sehr ordentlich angestellt bei den letzten Tests in Abu Dhabi jetzt." Der Teamboss gab zu bedenken, dass Wehrlein und Hamilton "eine explosive Mischung" seien.

"Andererseits werden wir keinen Kompromiss machen und nach interner Evaluierung den Besten nehmen", sagte Wolff in kleiner Runde in der Wiener Innenstadt. Die Frage laute: "Wollen wir wieder zwei gleichwertige Teamkollegen haben, was eigentlich unserer Philosophie entsprechen würde." Genau das soll am Montag im Stützpunkt im englischen Brackley geklärt werden.

Verrückte Lösung nicht "total von der Hand weisen"

Bei der FIA-Pressekonferenz in Wien bot sich am Freitag der im Auditorium wartende Rallye-Weltmeister Sebastien Ogier als Rosberg-Ersatz an. Und der Einwurf des Franzosen, der im Saal für heitere Auflockerung sorgte, hat einen ernsten Hintergrund. Nach dem Rückzug des Volkswagen-Konzerns könne Ogier seine Rückkehr in den Rallyesport "nicht zu hundert Prozent garantieren", wie er sagte.

Auch die Moto-GP-Asse Valentino Rossi und Jorge Lorenzo haben sich im Scherz ins Spiel gebracht. "Jemand, der Motorrad fahren kann auf dem Level, Rallye oder einen Sportwagen, kann auch einen Formel 1 konkurrenzfähig bewegen. Ich glaub' jetzt nicht, dass das super realistisch ist, aber total von der Hand weisen darf man's auch nicht", bestätigte Wolff, dass auch eine verrückter Schachzug nicht ganz ausgeschlossen sei.