Sport | Formel-1
09.07.2017

Start-Ziel-Sieg von Bottas in Spielberg

Der Finne gewinnt vor dem Deutschen Vettel und dem Australier Ricciardo. Hamilton wird Vierter.

Der 30. Formel-1-Grand-Prix von Österreich hat am Sonntag eine finnische Start-Ziel-Siegesfahrt gebracht. Pole-Setter Valtteri Bottas gewann auf dem Red Bull Ring hauchdünn vor Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo und holte damit den vierten Sieg für Mercedes AMG in Spielberg in Folge. Ferrari-Star Vettel baute seinen WM-Vorsprung auf Lewis Hamilton, der Vierter wurde, auf 20 Zähler aus.

"Ich bin richtig glücklich. Es war erst mein zweiter Sieg", sagte Bottas, der am Start sensationell schnell reagiert hatte. "Ich hatte ein bisschen ein Deja-vu, es war wie in Russland, wo er am Ende zu mir aufgeschlossen hat. Ich hatte aber auch mit Blasenbildung am linken Hinterreifen zu kämpfen", erklärte der 27-Jährige.

Unzufriedener Vettel

"Ich brauche mehr Runden am Ende", ärgerte sich Vettel unmittelbar nach dem Rennen über den knappen Rückstand von 0,658 Sekunden. "Ich hätte noch eine Runde gebraucht, dann hätte ich ihn gehabt, er hatte schon echte Probleme, auf den Berg zu kommen." In Spielberg war der Deutsche zuvor noch nie auf dem Treppchen gestanden. Seit der Rückkehr des Österreich-Grand-Prix in den Kalender im Jahr 2014 hat auf der Strecke in der Steiermark nur Mercedes gewonnen.

In der Gesamtwertung (siehe weiter unten) verkürzte Bottas den Rückstand auf Vettel deutlich. Der Ferrari-Fahrer liegt nunmehr 35 Punkte vor dem WM-Dritten. In Spielberg war es nach den beiden Erfolgen von Ex-Weltmeister Mika Häkkinen 1998 und 2000 auf dem A1-Ring der dritte finnische Sieg.

Red-Bull-Ass Ricciardo freute sich über seinen hart erkämpften fünften Podestplatz in Folge. "Ein Podium hier beim Heim-Grand-Prix von Red Bull zu holen, ist etwas Besonderes", meinte der Australier. "Das ist ganz toll. Das war ein Rennen, das Spaß gemacht hat." Sein Teamkollege Max Verstappen kam erneut nicht ins Ziel.

Turbulenter Start

Beim Start löste Toro-Rosso-Fahrer Daniil Kwjat in der ersten Kurve eine Kettenreaktion aus, die McLaren-Pechvogel Fernando Alonso und Verstappen ins Out beförderte. Der Russe wurde später mit einer verpflichtenden Boxendurchfahrt bestraft, Alonso und Verstappen mussten das Rennen beenden. Für die beiden war es jeweils der fünfte Ausfall in diesem Jahr.

Bottas dagegen legte einen Raketenstart hin. Laut offizieller Berechnung betrug seine Reaktionszeit nur rekordverdächtige 0,21 Sekunden. Vettel wollte das nicht glauben. "Es war hundertprozentig ein Frühstart", sagte er unmittelbar nach dem Rennen. Die Rennjury sah sich zunächst jedoch nicht genötigt, weitere Schritte zu unternehmen.

Verfolgt von Ricciardo, der Kimi Räikkönen in der ersten Runde überholte, blieb Vettel einige Sekunden hinter dem Finnen. Hamilton arbeitete sich schrittweise nach vor. Der dreimalige Weltmeister, der mit Supersoft-Reifen gestartet war, überholte Sergio Perez und Romain Grosjean, war vorerst Fünfter. In der 31. Runde wechselte er auf die weichere Ultrasoft-Mischung, um mittels Undercut-Manöver an Räikkönen vorbei zu kommen. Das gelang dem Briten schließlich auch.

Nur das Ende war spannend

Gegen Ende rückten die ersten vier des Feldes zusammen und lagen vier Runden vor Schluss plötzlich innerhalb von sieben Sekunden. Bottas musste sich gegen Vettel ebenso hart verteidigen wie Ricciardo gegen Hamilton. In der letzten Runde blieb aber alles beim Alten.

"Am Ende war es verdammt knapp, aber zum Glück habe ich seinen Angriff abwehren können", sagte Ricciardo. Hamilton, der nach einer Strafe wegen vorzeitigen Getriebewechsels von Startplatz acht ins Rennen gegangen war, betonte, alles gegeben zu haben: "Das war ein schwieriges Wochenende. Ich freue mich jetzt auf die Fans zu Hause, hoffentlich kommen wir ohne Probleme nach Silverstone."

Dort findet bereits am Sonntag in einer Woche das nächste Rennen statt. Der nächste Österreich-Grand-Prix steigt 2018 am 1. Juli. Heuer verfolgten laut offiziellen Angaben 145.000 Zuschauer am Wochenende das Geschehen vor Ort mit. Ein Regenrennen blieb auch diesmal aus.

Endstand nach 71 Runden a 4,318 km = 306,452 km

1.

Valtteri Bottas (FIN)

Mercedes

1:21:48,527

Durchschnittsgeschw.:

227,001 km/h

2.

Sebastian Vettel (GER)

Ferrari

+00,658

3.

Daniel Ricciardo (AUS)

Red Bull

+06,012

4.

Lewis Hamilton (GBR)

Mercedes

+07,430

5.

Kimi Räikkönen (FIN)

Ferrari

+20,370

6.

Romain Grosjean (FRA)

Haas

+01:13,160

7.

Sergio Perez (MEX)

Force India

+1 Runde

8.

Esteban Ocon (FRA)

Force India

+1 Runde

9.

Felipe Massa (BRA)

Williams

+1 Runde

10.

Lance Stroll (CAN)

Williams

+1 Runde

11.

Jolyon Palmer (GBR)

Renault

+1 Runde

12.

Stoffel Vandoorne (BEL)

McLaren

+1 Runde

13.

Nico Hülkenberg (GER)

Renault

+1 Runde

14.

Pascal Wehrlein (GER)

Sauber

+1 Runde

15.

Marcus Ericsson (SWE)

Sauber

+2 Runden

16.

Daniil Kwjat (RUS)

Toro Rosso

+3 Runden

Ausgeschieden: Fernando Alonso (ESP) McLaren, Kevin Magnussen (DEN) Haas, Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso, Max Verstappen (NED) Red Bull
Schnellste Runde: Lewis Hamilton (GBR) Mercedes, 1:07,411, Runde 69

WM-Stand (nach 9 von 20 Rennen):

1.

Sebastian Vettel (GER)

Ferrari

171

2.

Lewis Hamilton (GBR)

Mercedes

151

3.

Valtteri Bottas (FIN)

Mercedes

136

4.

Daniel Ricciardo (AUS)

Red Bull

107

5.

Kimi Räikkönen (FIN)

Ferrari

83

6.

Sergio Perez (MEX)

Force India

50

7.

Max Verstappen (NED)

Red Bull

45

8.

Esteban Ocon (FRA)

Force India

39

9.

Carlos Sainz jr. (ESP)

Toro Rosso

29

10.

Felipe Massa (BRA)

Williams

22

11.

Lance Stroll (CAN)

Williams

18

12.

Nico Hülkenberg (GER)

Renault

18

13.

Romain Grosjean (FRA)

Haas

18

14.

Kevin Magnussen (DEN)

Haas

11

15.

Pascal Wehrlein (GER)

Sauber

5

16.

Daniil Kwjat (RUS)

Toro Rosso

4

17.

Fernando Alonso (ESP)

McLaren

2

Konstrukteurs-WM (9/20):

1.

Mercedes

287

2.

Ferrari

254

3.

Red Bull

152

4.

Force India

89

5.

Williams

40

6.

Toro Rosso

33

7.

Haas

29

8.

Renault

18

9.

Sauber

5

10.

McLaren

2

Nächster Grand Prix: 16. Juli in Großbritannien/Silverstone