Sport | Formel-1
29.10.2017

Lewis Hamilton: Champion auf und neben der Strecke

Lewis Hamilton ist zum vierten Mal Weltmeister. Gereift ist der 32-Jährige aber auch abseits des Sports.

Sein Meisterwerk ist vollendet, Lewis Hamilton ist Formel-1-Weltmeister 2017. Beim Großen Preis von Mexiko reichte dem 32-jährigen Engländer Rang neun, um seinen insgesamt vierten Titel in der Königsklasse des Motorsports zu fixieren. Damit reiht sich Hamilton in die Liste der Erfolgreichsten seines Sports wie Sebastian Vettel oder Alain Prost.

Mit dem vierten Titel seiner Karriere reiht sich der 32-jährige Lewis Hamilton ein in die Liste der Erfolgreichsten seines Sports wie Sebastian Vettel oder Alain Prost. Mehr WM-Titel haben nur Juan Manuel Fangio (5) und Michael Schumacher (7) gesammelt.

Hamilton bewegte sich in dieser Saison fast in einer eigenen Liga. Mit 13:5 setzte er sich im Qualifying-Duell gegen seinen fast bemitleidenswerten Teamkollegen Valtteri Bottas durch, der nie seinen Status im Team gefährden konnte. Der Brite war rasend schnell unterwegs, trotzdem passierten ihm kaum Fehler auf den und abseits der Rennstrecken.

Aufgelebt

Der Engländer schien richtig aufzuleben, nachdem sein Jugendfreund und Teamkollege Nico Rosberg Ende 2016 seinen Rücktritt erklärt hatte. Dieser Moment bildete den Schlussstrich unter ein frustrierendes und vergiftetes Team-Duell der beiden Alpha-Männchen in den Silberpfeilen, in dem sich Hamilton zuletzt benachteiligt gefühlt hatte.

Eskaliert war die Situation beim Finale in Abu Dhabi 2016: Rosberg holte den Titel, Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bat Hamilton zur Aussprache. "Wir hatten letztes Jahr einen schweren Tag in Abu Dhabi", sagte Wolff. "Zwei Tage danach haben wir uns dann in meiner Küche zusammengesetzt und über alles geredet. Lewis ist danach mit einer großartigen Einstellung zurückgekehrt."

Auch für Hamilton war das Gespräch am Küchentisch ein Wendepunkt: "Es war entscheidend, dass wir alles auf den Tisch gepackt haben, um eine stärkere Beziehung aufzubauen."

2017 scheint Hamilton seine Race-Life-Balance gefunden zu haben. Er wirkt gereift, souverän und locker. Wie kein anderer beherrscht er das Spiel mit Twitter, Instagram und Co. Mittlerweile interessiert er sich auch für Themen abseits der Strecke: Er hat die Liebe zur Kultur gefunden, er hat vegane Ernährung für sich entdeckt, er äußert sich zu den Protesten der NFL-Spieler gegen die Rassendiskriminierung in den USA. Außerdem fühle er sich so gut wie nie zuvor, sowohl körperlich aber auch geistig, sagt Lewis Hamilton über Lewis Hamilton. Sein Chef Toto Wolff sagt über Hamilton: "Er fährt derzeit auf einem noch nie dagewesenen Niveau, und er hat sich in diesem Jahr unglaublich weiterentwickelt."

Der Jüngste

Schnell war Hamilton immer schon. Mit neun Podestplätzen in Folge startete er 2007 in seine erste Formel-1-Saison, den Titel verpasste er um nur einen Punkt. Im Jahr darauf wurde er im McLaren mit 23 Jahren der bis dahin jüngste Weltmeister, in seiner Heimat feierten sie ihn wie einen Popstar.

Doch mit dem Erfolg kamen die Neider, Hamiltons Sympathiewerte gingen zurück. Seine schwierigste Saison erlebte er 2011: Da verlor er erstmals ein teaminternes Duell (gegen Jenson Button), und auch neben der Strecke ging es turbulent zu. Doch mit dem Wechsel zu Mercedes fand Hamilton den Weg zurück zum Erfolg. Zwei weitere Titel folgten 2014 und 2015.

Den Speed hat Lewis Hamilton auch mit seinen 32 Jahren noch immer. Mit seinem vierten WM-Titel gehört er zu den Größten. Gewachsen ist er in diesem Jahr aber vor allem als Mensch.