Sport | Formel-1
10.07.2017

Laut Statistik wird Bottas Weltmeister

Jeder Finne, der mehr als ein Rennen gewann, holte auch den Titel.

Valtteri Bottas hat den WM-Titel sicher. Vielleicht nicht heuer, aber zumindest irgendwann wird der 27-Jährige die Weltmeisterschaft gewinnen. Denn jeder Finne, der mehr als ein Rennen in der Formel 1 gewinnen konnte, wurde in der Folge auch irgendwann Weltmeister. Und Bottas gewann am Sonntag in Spielberg von der Poleposition aus vor Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo.

Pressestimmen zum Österreich-GP

Rosberg war der Erste

Nico Rosbergs Vater Keke Rosberg feierte 1982 seinen ersten Formel-1-Erfolg. Dieser reichte, um sich noch im selben Jahr mit Williams zur Krönung zu schleppen. Es folgten dann noch vier weitere Siege bis Ende 1985.

Mika Häkkinen stand 1997 erstmals auf dem Podest ganz oben, im Jahr darauf wurde der McLaren-Mercedes-Mann Weltmeister, 1999 ein zweites Mal.

Die längste Wartezeit unter den Finnen hatte Sebastian Vettels aktueller Ferrari-Teamkollege Kimi Räikkönen. 2003 gewann er für McLaren in Malaysia sein erstes Rennen, vier Jahre später feierte er sechs Saisonsiege und wurde bis dato der letzte Fahrer-Weltmeister der Scuderia.

Fokus auf den Titel

Auch für Bottas ist der WM-Titel das erklärte Ziel. Keine Rede ist davon, sich mit der Rolle als Nummer-2-Fahrer bei Mercedes zufrieden zu geben. "Natürlich will ich schon heuer Weltmeister werden. Aber ich werde nicht so viel darüber reden", sagte er unmittelbar nach dem Rennen.

Laute Töne sind nicht die Sache des Blondschopfs. Schon bei Williams, wo er im internen Duell immerhin Felipe Massa regelmäßig bezwingen konnte, war er durch Bescheidenheit und kontinuierliche Arbeit aufgefallen. "Man muss Rennen für Rennen vorgehen, Session für Session, Runde für Runde. Aber ich weiß, dass ich mit meinen Punkten voll dabei bin."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff will sich in puncto Vertragsverlängerung trotzdem Zeit lassen. "Valtteri hat die Rolle von Nico gut eingenommen. Es sind jetzt noch zwei Rennen vor der Sommerpause. Danach werden wir weitersehen", sagte der Wiener. "Wir werden keine voreilige Entscheidung treffen, sondern schauen, was die beste Fahrerkonstellation für uns im nächsten Jahr ist. 2019 wird dann ziemlich viel Bewegung in den Fahrermarkt kommen."

Super-Start

Besonders imponiert hat die Fachwelt am Sonntag in Spielberg der laut Vettel fast übermenschliche Start, den Bottas hinlegte. Mit einer Reaktionszeit von fast exakt 0,2 Sekunden fuhr er dem Feld auf den ersten Metern deutlich davon. "Es war schon ziemlich riskant", sagte der Finne zu den Vorwürfen, er habe einen Frühstart hingelegt. "Ich glaube, der Mensch kann reagieren, da gibt es aber eine Grenze, wie schnell er reagieren kann", sinnierte Vettel.

Der Automobilsport-Weltverband (FIA) stellte den Spielberg-Gewinner jedoch ein einwandfreies Zeugnis aus. Bottas habe eine "außergewöhnlich genaue und glückliche Abwägung" vorgenommen, um fast exakt den Zeitpunkt zu treffen, als das letzte rote Licht erlosch, hieß es in einem Statement. Wer nichts wagt, der nicht gewinnt.

Er habe seinen "Silberpfeil" tatsächlich zu früh geringfügig bewegt, allerdings gebe es einen erlaubten Spielraum, da die Fahrer "manchmal letzte Anpassungen bei der Kupplung" durchführen müssten. Das Frühstar-Erkennungssystem der FIA sei "seit 20 Jahren im Einsatz und hat sich als extrem verlässlich herausgestellt".

1,6 Millionen verfolgten Spielberg-Wochenende im ORF

Der Grand Prix von Österreich hat dem ORF starke Zuschauerquoten beschert. In Summe 1,637 Millionen Seher waren bei den Übertragungen vom Spielberg-Wochenende - der ORF berichtete insgesamt 15 Stunden - dabei, hieß es in einer Aussendung am Montag. Das entspricht 22 Prozent der heimischen TV-Bevölkerung ab 12 Jahren.

Das Rennen am Sonntag sahen im ORF bis zu 733.000 Motorsportfans, im Schnitt waren es 704.000 bei 52 Prozent Marktanteil. Damit schaffte der Große Preis von Österreich 2017 den Topwert für einen Formel-1-WM-Lauf im ORF seit dem Spielberg-Rennen im Juni 2015.

Der deutsche Privatsender RTL vermeldete durchschnittlich 4,44 Millionen Seher und einen Marktanteil von 30,4 Prozent beim Rennen. Der Pay-TV-Sender Sky verbuchte mit 580.000 Zuschauern sogar einen neuen Saisonrekord.

Abseits des Sports zogen die Einsatzkräfte eine positive Bilanz. Zwar sei es zu ein paar meist alkoholbedingten Raufereien sowie Diebstählen gekommen, jedoch sei "nichts Grobes" vorgefallen, sagte Polizei-Sprecher Fritz Grundnig. Rund 13.000 Autos standen am Sonntag auf den Wiesen rund um den Ring, dazu 200 Motorräder und 84 Busse. Insgesamt waren 145.000 Fans am Rennwochenende zu Besuch.

289 Patienten

Die Freiwilligen Feuerwehren mussten einen kleinen Wiesenbrand löschen und 35 Wassertransporte durchführen. Das Rote Kreuz versorgte bis Sonntagabend 289 Patienten. 27 Personen mussten nach Stürzen oder hitzebedingten Schwächeanfällen in die Landeskrankenhäuser Judenburg und Knittelfeld gebracht werden. In einem Fall war der Einsatz des Notarzthubschraubers notwendig.

Zu den erwarteten Staus kam es bei der Abreise. Auf der S6 in Richtung Wien mussten die Autofahrer vor einer Baustelle bis zu einer Stunde Geduld haben.