Sport | Formel-1
02.08.2017

F1-Debüt für Auer: "Vom Limit noch weit weg"

Mit starken Leistungen bei den Testfahrten in Budapest will sich der Österreicher für höhere Aufgaben empfehlen.

Erstmals seit 2010 sitzt wieder ein Österreicher am Steuer eines aktuellen Formel-1-Boliden. Anders als damals Christian Klien, der für HRT im Renneinsatz war, ist Lucas Auer vorerst nur im Testbetrieb unterwegs. Sein Debüt für Force India am Dienstag machte aber Lust auf mehr - nicht nur ihm selbst. "Als mir klar wurde, dass ich hin und wieder atmen auch muss, ist es gleich viel lockerer gegangen", meint er scherzhaft.

So richtig Ernst machte der 22-jährige Tiroler am Dienstag noch nicht. "Ich bin vom persönlichen Limit noch sehr weit weg", meinte der DTM-Pilot. "Ich habe trotzdem praktisch keinen Fehler gemacht, und es war auch nicht mein Plan, etwas kaputt zu machen."

Für Auer geht es bei seiner ersten Ausfahrt in einem Auto der Königsklasse vor allem darum, Erfahrung zu sammeln. Aktuell ist er zweifellos die größte Motorsporthoffnung des Landes - und mit einer guten Leistung in der DTM könnte sich der Mercedes-Werksfahrer auch für eine Zukunft in der Formel 1 empfehlen. Paul di Resta, Pascal Wehrlein und Esteban Ocon haben es vorgemacht - weil di Resta bei Williams den erkrankten Felipe Massa ersetzte, waren alle drei Ex-DTM-Piloten im Ungarn-GP am Sonntag im Einsatz.

Eine Visitenkarte abgeben

Als aktuell Zweiter der Gesamtwertung hat Auer gute Karten, sich als nächster Mercedes-Fahrer für die Königsklasse zu empfehlen. Dass die Konkurrenz dabei groß ist, zeigt ein Blick auf die Zeitenliste. Als Neunter lag Auer mit 1:20,563 für seine schnellste Runde knapp drei Sekunden hinter Ferrari-Wunderkind Charles Leclerc, der den Test als Schnellster beendete. Allerdings durfte Leclerc auch den ganzen Tag fahren, Auer musste sich hinter Force-India-Testfahrer Nikita Mazepin anstellen.

Am Mittwoch wird umgedreht - Auer fährt am Vormittag, der Russe übernimmt den pinken Force-India-Renner am Nachmittag. "Da geht noch viel, speziell im High-Speed-Bereich", meint Auer, der beeindruckt davon war, "wie schnell sich das Auge an das alles gewöhnt. Anfangs denkst du dir, was ist das für ein Wahnsinn, und dann bremst du immer später."

Mit einer starken Leistung am Mittwoch könnte der Tiroler eine weitere Visitenkarte beim vom österreichischen BWT-Unternehmen prominent unterstützten Force-India-Team abgeben. Auer, der auch in der DTM mit BWT-Sponsoring fährt, möchte "den nächsten Schritt machen" - und hofft auf eine deutliche Zeitenverbesserung.

Die Blicke werden am Mittwoch aber vermutlich auf jemand anderen gerichtet sein: Nach sechs Jahren Abwesenheit kehrt mit Robert Kubica ein einstiger WM-Anwärter ins Cockpit zurück. Der Pole, der vor Saisonbeginn 2011 als Titelkandidat galt, ehe ein schwerer Rally-Unfall seine Karriere unterbrach, feierte erst vor Kurzem sein Test-Comeback in einem älteren Renault-Renner und klettert am Mittwoch erstmals in ein Auto der aktuellen Generation. Kubica gilt als aussichtsreicher Kandidat auf die Nachfolge des glücklosen Renault-Piloten Jolyon Palmer.