Sport | Formel-1
27.03.2017

Die Königsklasse sieht wieder Rot

Ferrari ist zurück auf der Siegerstraße, die Dominanz von Mercedes gebrochen. Erkenntnisse vom Auftakt.

Nach 553 Tagen bekam die Formel 1 endlich wieder den Finger gezeigt. So lange mussten Sebastian Vettel und der Ferrari-Rennstall auf einen Grand-Prix-Sieg warten, den der Deutsche traditionell mit einem Fingerzeig an die Konkurrenz zelebriert.

Am Sonntag in Melbourne war der Zeigefinger des vierfachen Weltmeisters nach seinem sieglosen Jahr 2016 wieder zu sehen. Vettel gewann das Auftaktrennen vor den Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas – und zwar in bester Vettel-Manier: Einmal an der Spitze, kann er Tempo und Gegner kontrollieren wie kaum ein anderer Fahrer. Der 29-Jährige beschleunigte mit seinem 43. Karrieresieg nicht nur die Erwartungen der stolzen Scuderia, sondern auch die Hoffnungen vieler Formel-1-Fans. Nach den Solofahrten von Mercedes in den jüngsten drei Jahren sehnen sich etliche nach mehr Abwechslung im schnellsten Kreisverkehr der Welt.

Doch wie sehen die Erkenntnisse des ersten Saisonrennens aus? Mit welchen offenen Fragen werden Fahrer und Teams beim zweiten Rennen in Schanghai (9. April) konfrontiert?

Sind Ferrari und Vettel nun WM-Favorit?
Mit dem ersten Erfolg in Melbourne seit Kimi Räikkönen im Weltmeisterjahr 2007 kehrte die Scuderia triumphal auf die Siegerstraße zurück. "Am Start war ich nervös, aber danach konnte ich Druck auf Mercedes machen, damit sie die Botschaft verstehen: Wir sind hier", ließ Sieger Vettel wissen. An den WM-Titel will der Deutsche freilich noch lange nicht denken. Den Moment genießen gab er als Devise aus: "Es war eine Freude, ins Lenkrad greifen zu dürfen. Das Auto wurde immer schneller zum Schluss, ich konnte das Rennen gut kontrollieren."

Die Leistungssteigerung nach der sieglosen Saison ist dennoch augenscheinlich. Der rote Renner hat Potenzial, Vettel und Räikkönen konnten das Tempo der Silberpfeile mühelos mitgehen, in punkto Umgang mit den neuen Pirelli-Reifen hat man derzeit sogar die Nase vorn. "Grande Macchina", rief Vettel ins Teammikrofon, um nach Rennende anzufügen: "Viele Leute wissen nicht zu schätzen, was dieses Team in den vergangenen sechs Monaten geleistet hat."

Ist der Vorsprung von Mercedes komplett aufgebraucht?
Erstmals seit Jahresbeginn 2014 wird die WM-Wertung nicht von einem Silberpfeil angeführt. Eine Momentaufnahme. Denn der temporäre Stadtkurs von Melbourne dient nur bedingt als Gradmesser. "Der wichtigste Weckruf ist der am frühen Morgen. Auf uns bezogen der im ersten Rennen. Jetzt sind wir wach", kündigte Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda an. Als letztlich rennentscheidend erwies sich die falsche Strategie beim Boxenstopp von Poleposition-Mann Hamilton.

Lob erntete Neuzugang Bottas. "Er ist unter großem Druck ein fehlerfreies Rennen gefahren. Sein Speed lag nicht weit von dem von Lewis entfernt", sagte Motorsportchef Toto Wolff.

Haben die Regeländerungen zu den gewünschten Effekten geführt?
Die Autos sind schnell, das Fahren bereitet den Fahrern mehr Freude, aber auch mehr Mühe. Doch die einfachen Überholmanöver der vergangenen Jahre sind Geschichte. Durch den höheren Grip, können die Fahrer später bremsen, dadurch werden die Überholmöglichkeiten eingeschränkt. "Schlimmer als je zuvor" nennt es Hamilton – und: "Das wird für den Rest des Jahres so bleiben."