Sport | Formel-1
26.08.2017

Belgien-GP: Stresstest im Spa-Bereich

In Spa-Francorchamps nimmt das WM-Duell Vettel vs. Hamilton wieder Fahrt auf. Der Mercedes-Star ist der Favorit.

Kaum zurück aus der Sommerpause kamen sich die beiden großen Rivalen der Formel-1-Gegenwart prompt wieder gefährlich nahe. Zumindest auf der Ergebnisliste nach dem ersten freien Training für den Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps (Start: Sonntag, 14 Uhr).

Weniger als eine Zehntelsekunde lag am Freitagvormittag zwischen Mercedes-Pilot Lewis Hamilton und dem WM-Führenden Sebastian Vettel im Ferrari. In der schnelleren zweiten Einheit war dann der Brite nicht zu bremsen, er nahm Vettel fast eine halbe Sekunde ab.

Das Duell scheint aber auch auf der beliebten Traditionsstrecke in den Ardennen munter weiterzugehen. Die offenen Fragen nach vier Wochen Sommerpause:

Wer ist in Belgien zu favorisieren?
Die Berg- und Talfahrt auf der längsten Strecke der Saison mit einem Vollgas-Anteil von 70 Prozent kommt üblicherweise Mercedes mit den leistungsstarken Motoren entgegen. In den vergangenen Jahren war das Rennen fest in den Händen der Silberpfeil-Piloten. "Wir sind selbstbewusster hierhergekommen als zuletzt nach Budapest", sagt auch Mercedes-Pilot Valtteri Bottas.

Für wen spricht das Restprogramm?
Nach Spa sind noch acht Grands Prix ausständig. Vettel nimmt 14 Punkte Vorsprung auf Hamilton mit in die zweite Saisonhälfte – das ist weniger, als man für einen Rennsieg gutgeschrieben bekommt (25 Punkte). Die Streckencharakteristik der noch ausstehenden Rennen bevorteilt eher das deutsche Werksteam, das auf den Hochgeschwindigkeitspisten in Spa, Monza und Austin zu favorisieren ist. Eindeutig für Ferrari spricht der enge Stadtkurs in Singapur. In Malaysia, Suzuka, Mexiko-Stadt, São Paulo und Abu Dhabi gibt es keinen klaren Favoriten.

Wer hat in der Sommerpause am meisten in die Technik investiert?
Mit jeweils mehr als 1000 Mitarbeitern für die Formel-1-Abteilungen haben Mercedes und Ferrari die meisten Ressourcen aller Rennställe. Einen neuen, leistungsstärkeren Motor hat allerdings nur Mercedes für beide Piloten nach Belgien gebracht. Der Entwicklungsschub birgt aber auch eine Gefahr: In dieser Saison darf jeder Pilot nur noch vier Antriebseinheiten straffrei einsetzen, andernfalls drohen Rückversetzungen in der Startaufstellung. Auch deshalb lässt Konkurrent Ferrari vorerst noch die Zuverlässigkeit testen – und zwar von seinem Kundenteam Haas. Der amerikanische Rennstall fasste in Spa jene neuen Ferrari-Triebwerke aus, die das Werksteam kommende Woche beim Heimrennen in Monza einsetzen will.

Wie verhalten sich Vettel und Hamilton?
Während sich der Deutsche zurückhaltend gibt ("Mercedes ist der klare Favorit"), befindet sich Hamilton vor seinem 200. Rennen in der Königsklasse im Angriffsmodus: "Eigentlich sollte sich die Leidenschaft und die Motivation nach 200 Rennen etwas abschwächen. Aber bei mir ist genau das Gegenteil der Fall. Ich bin so heiß auf diesen Titel wie noch nie", sagt Hamilton, der heute im Qualifying (14 Uhr MESZ/live ORFeins, RTL, Sky) den Poleposition-Rekord von Michael Schumacher (68)einstellen kann.

Der Dreifach-Weltmeister arbeitet munter an seinem Legendenstatus: "Wenn ich aufhöre, möchte ich als einer der Größten gelten." Zu den Gerüchten, wonach Vettel in Zukunft sein Teamkollege werden könnte, erklärt der 32-jährige Brite: "Ich denke, es ist sehr unwahrscheinlich, dass er herkommt. Ich glaube nicht, dass er mein Teamkollege sein will."