Sport 05.12.2011

Football-WM-Ziel: Europas bestes Team

© Bild: AP

Dafür sind Siege gegen Frankreich und wohl auch gegen Deutschland nötig.

Österreichs American-Football-Nationalteam hat die ersten beiden Spiele der Heim-WM wenig überraschend verloren. Vor allem die Leistung am Montag gegen Mitfavorit Kanada (14:36) gibt aber Anlass zur Hoffnung, das verbliebene WM-Ziel zu erreichen. Die Österreicher wollen zumindest Platz fünf, und damit zur Nummer eins in Europa avancieren. Dafür darf im abschließenden Gruppenspiel am Mittwochabend (19.00 Uhr/live ORF Sport Plus) in Graz zumindest einmal gegen Frankreich nicht verloren werden.

"Wir wollen das beste europäische Team sein", versicherte Receiver Jakob Dieplinger, der im vierten Viertel gegen Kanada den ersten österreichischen WM-Touchdown der Geschichte gefangen hatte. "Dafür müssen wir Frankreich und wohl auch Deutschland schlagen." Bei der EM im Vorjahr in Deutschland hatten sich die Österreicher hinter den beiden Rivalen noch mit EM-Bronze begnügen müssen. Dieplinger: "Es war knapp, jetzt wollen wir die Revanche."

"Hoffen, dass wir jetzt Spiele gewinnen"

Die Franzosen haben ihre beiden Auftaktspiele in Gruppe B ebenfalls verloren - mit 10:45 (Kanada) und 10:35 (Japan) sogar noch deutlicher als die Österreicher, denen damit bereits ein unwahrscheinliches Remis zum dritten Gruppenplatz reichen würde. "Wir hoffen, dass wir jetzt Spiele gewinnen", versicherte Österreichs Teamchef Rick Rhoades. "Aber es wird schwierig. Frankreich hat sich seit der EM erheblich verbessert."

Zudem haben die Österreicher - wie alle Teams in einem dermaßen engen Spielplan - Verletzungssorgen. Top-Runningback Florian Grein etwa zog sich im Finish gegen Kanada ein eingerissenes Band im Sprunggelenk zu, will aber gegen Frankreich spielen. "Das ist eine WM, etwas anderes kommt für mich gar nicht infrage", erklärte der Tiroler. Auf der gleichen Position hatte Andrej Klimann bereits vor der WM einen Kreuzbandriss erlitten.

Chefcoach Rhoades äußerte allgemeine Bedenken über die physische Belastung, kommt die Regeneration doch bei einem WM-Spiel alle zwei Tage zu kurz. Üblicherweise wird im American Football auch in den Profiligen höchstens einmal pro Woche gespielt. "Es ist kein Wunder, dass unsere Physiotherapeuten derzeit unsere wertvollsten Mitarbeiter sind", sagte Rhoades, der mit seinem Team am Dienstagnachmittag lediglich ein lockeres Training absolvierte. Sonst standen Therapie und Videostudium im Mittelpunkt.

Spiel gegen Deutschland um Platz fünf möglich

Noch einmal über die Grenzen zu gehen, dafür könnten die Fans verantwortlich sein. Die nicht ganz 5.000 Zuschauer hatten die UPC-Arena gegen Kanada vor allem nach den Touchdowns von Dieplinger und Lokalmatador Mario Nerad in ein Tollhaus verwandelt. "Diese Fans sind außergewöhnlich", meinte Rhoades. Der AFBÖ-Cheftrainer hatte in den USA schon vor weit größeren Kulissen gecoacht. "Trotzdem ist das ein großes Highlight meiner Karriere."

Ein weiteres Highlight könnte zum Abschluss am Samstag im Wiener Ernst Happel Stadion ein Duell mit Deutschland um Platz fünf werden, sollten die Deutschen wie erwartet am Dienstagnachmittag in Innsbruck gegen Australien die Oberhand behalten. Zuvor müssen allerdings die Franzosen aus dem Weg geräumt werden, die sich mit dem Gastgeber auf Augenhöhe sehen. "Wir werden uns steigern", versprach Quarterback Maxime Sprauel. "Wir haben eine Chance."

Lernprozess

Dabei hatten die Österreicher gegen die große Football-Nation Kanada phasenweise gut mitgehalten. "Wir haben die beste Partie seit langer Zeit geliefert", meinte Rhoades. "Um auf dieses Level zu kommen, müssen wir uns an den größeren Speed gewöhnen. Diesen Lernprozess machen wir gerade durch." Österreichs bisher bester Offensivspieler Dieplinger sah es ähnlich: "Wir brauchen uns nicht zu schämen, aber der große Unterschied ist die Athletik."

Österreichs Spieler sind allesamt Amateure. Sie trainieren drei bis viermal pro Woche, gehen aber daneben einem Brotberuf nach. Die Spieler der vier Topnationen USA, Kanada, Japan und Mexiko haben zum Großteil zumindest vier Jahre College-Erfahrung auf dem Buckel. Zudem können sie daraus resultierend auf einige Profis zurückgreifen. "Das ist ein großer Unterschied", erinnerte Rhoades.

Erstellt am 05.12.2011