Sport
15.08.2017

NFL-Star blieb aus Protest bei US-Hymne sitzen

Nach der Schande von Charlottesville: Football-Stars protestieren gegen Rassismus.

Nach den von Rechtsextremen ausgelösten Gewalttaten von Charlottesville ist das Thema "Intoleranz und Rassismus" wieder Gegenstand öffentlicher Proteste in den USA. Auch im Sport, vor allem in der NFL, wie der Sportinformationsdienst (SID) berichtet.

Michael Bennett, Footballprofi und Star der Seattle Seahawks, weigerte sich vor dem Testspiel gegen die Los Angeles Chargers aufzustehen als die US-Hymne erklang. "Ich will sehen, dass die Leute die Gleichberechtigung erhalten, die sie verdienen. Daher möchte ich diese Plattform nutzen, um diese Botschaft kontinuierlich zu pushen", kommentierte Bennett. Es soll auch nicht dabei bleiben. Wenn im September die Saison beginnt, will Bennet seinen Protest fortsetzen. In dem er sitzen bleibt, wenn andere von Ehrfurcht gepackt aufstehen.

Schon vor einem Jahr hat Colin Kaepernick seine Meinung zu Präsident Donald Trumps Aussagen durch eine ähnliche Geste kundgetan. Resultat: Er ist arbeitslos. Der Quarterback fand keinen Klub mehr. Sein Engagement gegen den Rassismus ist wohl dafür verantwortlich, auch wenn dies keiner der Verantwortlichen offen ausspricht. Man will die Fans nicht gegeneinander aufbringen.

Couragiert

Kaepernick ist 29 Jahre, mit 1,93 Metern eine mächtige Erscheinung, hat in sechs Jahren 77 Mal für die San Francisco 49ers gespielt, stand immer im ersten Aufgebot. "Ignoranz, verbunden mit Macht, ist der schlimmste Feind, den Gerechtigkeit haben kann." Kaepernick postete dieses Zitat des schwarzen US-Schriftstellers James Baldwin auf Instagram. Damit bezieht er eine unmissverständliche Meinung zur aktuellen politischen Situation in den USA.

Während sich seine früheren Kollegen auf den Saisonstart vorbereiten, muss Kaepernick auf das Angebot eines Klubs warten, denn er will nicht still bleiben. Er hat dafür viel Geld auf das Spiel gesetzt.

Die Baltimore Ravens haben vor ein paar Tagen ein loses Offert abgegeben. Weil sich dort die Nummer eins auf der Position des Quarterbacks, Joe Flacco, verletzt hat. Aber auch in Baltimore scheut man eine Konfrontation mit dem Thema. Immerhin haben sich vor dem Stadion Fans niedergekniet mit dem Schild in Händen: "Sagt Nein zu Rassismus und verpflichtet Collin Kaepernick."

Zweigeteilt

Die NFL muss sich mit dem Problem auseinandersetzen. Commissioner Roger Goodell zeigt sich verständnisvoll: "Das Abspielen der Nationalhymne ist für mich ein besonderer Moment. Aber wir müssen auch die andere Seite verstehen. Menschen haben Rechte, und diese wollen wir respektieren."

Inzwischen macht Bennetts Beispiel Schule. Am vergangenen Wochenende blieb auch ein anderer altgedienter NFL-Spieler bei der Hymne in der Sitzposition. Allerdings auf eine ganz spezielle Art und Weise. Marshawn Lynch, der soeben nach einer einjähriger Pause wieder zurück in die Liga kam, nahm auf einer Kühltruhe Platz und aß eine Banane. Sein Trainer meinte, Lynch sei als Exzentriker immer für solche Einlagen gut, dies habe nichts mit Protest zu tun.

Eine Ansicht, die nicht glaubhaft erscheint. Denn irgendwann hatte Lynch über Kapernick gesagt: Wenn du wirklich kein Rassist bist, siehst du sein Verhalten nicht als Bedrohung für Amerika. Er weist auf ein Problem hin, dass da ist."