Sport
05.12.2011

"Es ist ein Traum, ihm zuzuschauen"

Ex-Profi Stefan Koubek spricht im KURIER-Interview über seinen Freund und Tennisvorbild Roger Federer.

Stefan Koubek war schon ein bisserl beeindruckt, was sein Freund Roger Federer in New York anstellte. 6:1, 6:2 und 6:0. Und das Ganze in einem Achtelfinalmatch eines Grand-Slam-Turniers. Juan Monaco hieß der Leidtragende der Federer'schen Festspiele. Während der Weltranglistendritte, der bei einem Major seit 2004 nicht mehr vor einem Viertelfinale scheiterte, mit Selbstvertrauen in die Partie gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga geht, geht Koubek mit Gleisdorf in die Staatsliga-Entscheidung. Der 34-Jährige, der seine Profi-Karriere vor wenigen Wochen in Kitzbühel beendete, plaudert über Freund und Vorbild Roger Federer.

KURIER: Glauben Sie, dass Federer heuer die US Open gewinnen kann?
Stefan Koubek: Auf jeden Fall kann er hier zum sechsten Mal gewinnen. Er ist ein Riesenspieler, obwohl er nicht seine beste Saison gespielt hat. Aber von der Klasse kann er noch einige Grand-Slam-Turniere gewinnen. Ich wünsche es mir.

Wo hat er seine Vorzüge gegenüber den Konkurrenten?
Er kann einfach alles, hat keine Schwächen. Es schaut bei ihm alles so kinderleicht, so spielerisch aus. Es ist ein Traum ihm zuzuschauen. Wie er das macht, ist selbst für mich als ehemaligen Profi nicht nachvollziehbar. Ebenso wenig, wie Novak Djokovic so eine Serie hingelegt hat. Das ist auch für Insider ein Rätsel.

Federer ist im August 30 Jahre alt geworden und ist derzeit die Nummer drei der Welt. Wie lange kann er vorne mitspielen?

Er spielt zumindest so lange, solange er ganz vorne dabei ist.
Wenn er merkt, das geht nicht mehr, wird er einen Schlussstrich ziehen. Eine Olympia-Goldene im Einzel im nächsten Jahr ist ein großes Ziel.

Federer gilt als extrem harter Arbeiter im Training.
Naja, trainieren tun alle, aber er hat ein erstklassiges Umfeld, das fängt beim Physiotherapeuten an und endet beim Masseur. Er überlässt nichts dem Zufall, will sich immer weiterentwickeln.

Koubek eventuell als ORF-Co-Kommentator


Haben Sie regelmäßig Kontakt zu ihm?

Im Prinzip schon. Aber Roger ist extrem beschäftigt, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich schreibe ihm oft ein SMS, dann antwortet er oft erst eine Woche später. Dafür muss man aber Verständnis haben. Spielt er nicht, jagt ein Medien-Termin den nächsten.

Aber Sie haben schon auch Tage mit ihm verbracht. Wie ist er als Mensch?
Er ist ein Star, der sich alles erlauben kann, und die Leute würden trotzdem vor ihm knien. Aber er erlaubt sich nichts, gar nichts. Es gibt nicht viele auf der Tour, die so gute Umgangsformen pflegen wie Roger, seine Erziehung ist unglaublich.

Was machen Roger und Stefan, wenn sie privat unterwegs sind.
Zuletzt haben wir mit seinen Zwillingen gespielt, aber wie Sie schon gefragt haben – das ist privat. Aber im Prinzip treiben wir nichts Außergewöhnliches.

Themenwechsel. Was treiben Sie denn so?
Ich spiele am Wochenende mit Gleisdorf im Final-Four der Staatsliga. Mir fehlt der Wettkampf, ich will nach dem Ende meiner Profikarriere nicht abrupt aufhören, das wäre auch nicht gut für meinen Körper. Und im Oktober bin ich vielleicht als ORF -Co-Kommentator bei den Erste-Bank-Open in der Wiener Stadthalle dabei. Das würd’ mir gefallen.

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