Gold medallists team Russia kiss and celebrate at the women's 4x400 metres relay victory ceremony during the IAAF World Athletics Championships at the Luzhniki stadium in Moscow August 17, 2013. From left: Yulia Gushchina, Kseniya Ryzhova, Tatyana Firova and Antonina Krivoshapka. REUTERS/Grigory Dukor (RUSSIA - Tags: SPORT ATHLETICS)

© Reuters/GRIGORY DUKOR

Leichtathletik-WM
08/18/2013

Ein Kuss gegen Homophobie

Zwei russische Athletinnen protestierten gegen die steinzeitlichen Homosexuellen-Gesetze in Russland.

von Marcel Ludwig

Kseniya Ryzhova und Tatjana Firova gaben sich Samstagabend einen Kuss. An sich nichts Ungewöhnliches. Als Mitglieder der russischen 4x400m Staffel die soeben Gold bei der Heim-Weltmeisterschaft in Russland geholt hat, kann dieser Akt der Zuneigung jedoch gar nicht genug gewürdigt werden. Denn, in ihrer Heimat steht „Homosexuellen-Propaganda“ unter Strafe. Wer sich öffentlich outet oder nur Sympathie bekundet, muss nicht mehr nur mit - oft gewalttätigem - gesellschaftlichem Widerstand, sondern auch mit staatlicher Repression rechnen. Dabei war der Kuss nicht das erste Zeichen bei dieser WM gegen die homophobe Gesetzgebung des Gastgeberlandes.

Bereits unter der Woche hatten der US-Amerikaner Nick Simmonds sowie die schwedische Stabhochspringerin Emma Green Tregaro und ihre Landsfrau Moa Hjelmer deutlich gemacht, was sie von der geltenden Rechtslage in der Russischen Föderation halten.

Simmonds hatte die von ihm errungene Silbermedaille "all seinen schwulen Freunden daheim in Amerika" gewidmet, während Green Tregaro und Hjelmer ihre Fingernägel in Regenbogen-Farben lackierten.

Unverständliche Kritik

Vor allem Tregaro sah sich in der Folge mit Kritik konfrontiert. So revidierte Nationalheldin und Stabhochsprung-Ikone Jelena Isinbajewa ihre ursprüngliche Reaktion, wonach man sich fragen müsse ob man "erlauben sollte all diese Dinge auf der Straße zu propagieren", schließlich seien die Russen "normale Leute".

Womit Tregaro aber wohl nicht gerechnet hatte, dass sie der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) zurückpfeifen würde. Die Verhaltensregeln verböten jede Art von politischen oder kommerziellen Statements während der Veranstaltung, weshalb der schwedische Verband Tregaro dazu drängte ihre Fingernägel umzulackieren. Sie lief schließlich mit in "rot" auf der Tartanbahn auf.

Der Weltverband muss sich nun die Frage gefallen lassen, ob nicht ein Unterschied gemacht werden muss, zwischen Propaganda für ein kriegerisches Regime oder ein Gewinn-orientiertes Unternehmen oder der Forderung allgemeine Freiheitsrechte in einem Land zu beachten, dass im kommenden Winter die Olympischen Spiele ausrichten wird.

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