Sport 12.01.2018

Ein Handball-Land empfängt Europa

Österreichs Auswahl hofft auf eine gelungene Endrunde. © Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Gastgeber Kroatien verspricht ein Spektakel. Österreichs junges Team peilt die Hauptrunde an.

"Eine unheimlich attraktive Sportart. Da scheppert’s vorne, da scheppert’s hinten." Mit diesen Worten beschrieb einst ausgerechnet Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer den Handball-Sport. Scheppern wird’s wieder ab heute in Kroatien bei der EM – mit dabei ist Österreich. Was es zu wissen gilt vor der Endrunde in dem Handball-Land.

Wie sieht Österreichs Ausgangslage aus? Die Österreicher sind Außenseiter in der stark besetzten Gruppe B. "Aber in Bestform können wir für jede Mannschaft der Welt unangenehm werden", ist Tormann und Kapitän Thomas Bauer überzeugt. Entscheidend für den Aufstieg dürfte bereits das Auftaktspiel heute gegen Weißrussland werden (18.15 Uhr). Gelingt als mindestens Gruppen-Dritter der Einzug in die Hauptrunde, dürfen die Österreicher mit einer machbaren Aufgabe im Play-off für die WM 2019 rechnen.

Blick schon auf 2020

Für die Auswahl gilt das Turnier in Kroatien als wichtiger Zwischenschritt zur Heim-EM 2020, für die Teamchef Patrekur Johannesson den Kader entsprechend verjüngt hat. Der Isländer, seit Ende 2011 im Amt, ist mit drei Endrunden-Teilnahmen (EM 2014 und ’18 sowie WM ’15) der erfolgreichste Teamchef in der österreichischen Verbandsgeschichte. Von der WM 2015 sind diesmal noch sieben Spieler dabei, von der Heim-EM 2010 gar nur mehr drei ( Bauer sowie Robert Weber und Vytas Ziura). "Ich bin stolz, seit zehn Jahren Teil des Nationalteams zu sein", sagt Bauer. "Das Turnier 2010 war die Initialzündung, die bis heute wirkt. Im Hinblick auf 2020 wollen wir etwas Ähnliches aufbauen."

Die Bedingungen dafür scheinen gegeben. "Es gibt rein gar nichts auszusetzen an der Infrastruktur rund um das Team", lobt Frankreich-Legionär Bauer die Verbandsarbeit. "Wir haben in all den Jahren viel ausprobiert in der Trainingssteuerung. Handball ist als Sport simpel, aber im System komplex." Dennoch betont der Routinier: "Jeder im Team weiß: Die beste wissenschaftliche Analyse ist wertlos, wenn du nicht ausgeschlafen bist oder am Vortag ein Bier zu viel getrunken hast."

Wer sind die Vorrundengegner der Österreicher? Die ganze Konzentration gilt dem weißrussischen Auftaktgegner, der aber zugleich die große Unbekannte in der Gruppe ist. Nahezu alle Kaderspieler sind in der weißrussischen Liga am Ball. Das zweite Spiel gegen Frankreich, den zweifachen Olympiasieger (zuletzt 2012), fünffachen Weltmeister (zuletzt 2017) und dreifachen Europameister (zuletzt 2014), sehen die Österreicher als Privileg. Norwegen hatte man 2015 im WM-Play-off noch besiegt, nun reisen die Skandinavier als Vizeweltmeister nach Kroatien.

Wer sind die Favoriten auf EM-Gold? An erster Stelle stehen Frankreich, Olympiasieger Dänemark sowie Gastgeber Kroatien. EM-Gold ist der einzige große Titel, der dem kroatischen Herren-Team noch fehlt. Gleich zum Auftakt kommt es zu einem emotionalen Auftritt des Lokalmatadors: In Split bittet Kroatien am Freitag (20.30 Uhr) die serbische Auswahl zum Topspiel. Titelverteidiger Deutschland werden Außenseiterchancen eingeräumt.

Wo sind die Spiele im TV zu sehen? Die Partien der österreichischen Auswahl überträgt ORF Sport+ jeweils live. Zudem zeigt der Spartenkanal auch stets das zweite Spiel aus der Österreich-Gruppe sowie an den spielfreien Tagen ausgewählte Partien der Gruppen C und D. Alle Spiele der Deutschen werden im Wechsel bei der ARD bzw. im ZDF gezeigt. Ein Info-Magazin des europäischen Verbandes aus Zagreb (täglich um 12 Uhr) wird online auf Facebook und YouTube zu sehen sein.

( kurier.at ) Erstellt am 12.01.2018