Doppelpass der halben Holländer

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Foto: rts/apa/KURIER-Montage Marcel Hirscher stellt sich den Fragen von Frenkie Schinkels.

Ein Gespräch über niederländische Wurzeln und sportliche Gemeinsamkeiten.

Früher, erinnert sich der gebürtige Niederländer Frenkie Schinkels, habe ihn der Sportchef des De Telegraaf stets angerufen, um Neuigkeiten über den österreichischen Fußball zu erfahren. Heute erkundigt er sich bei ihm über Marcel Hirscher. Denn dessen Mama kommt aus Den Haag. Hirschers Ski-siege werden auch in den Niederlanden immer wieder groß gewürdigt.

Sylvia Hirscher war der Liebe wegen in einer Zeit nach Salzburg übersiedelt, in der Schinkels in Wien den österreichischen Pass bekam. 1992 erzielte Frenkie für Österreich ein Länderspieltor – gegen die Niederlande. Marcel Hirscher hätte für Holland starten können. Was lag somit näher, als ein Frage-Antwort-Spiel der Doppel-Staatsbürger. Schinkels hat es, ehe er in St. Pölten mit 190 Gästen im Trachtenlook seinen 50.Geburtstag feierte, in seiner Muttersprache begonnen: „He Marcel. Hoe is het met jouw Hollands Praat je zoals je moeder mek eer Haags accent.“ (Übersetzung wie folgt).

Frenkie Schinkels: Hi Marcel. Wie steht’s um dein Holländisch? Sprichst du wie deine Mutter mit dem Den-Haag-Akzent? Der hat in Rotterdam, wo ich herkomme, den Ruf, so ziemlich der extremste zu sein.
Marcel Hirscher:
Mittlerweile tue ich mir auf Englisch fast leichter, weil ich Englisch viel öfters brauche. Verstehen tu’ ich auf Holländisch alles. Aber reden – dazu brauch’ ich zwei, drei Tage bis ich das wieder kann.

Musstest du in deiner Jugend viele Widerstände überwinden als kleingewachsener Skifahrer? Ich konnte in Holland als kleiner Spieler nur überleben, weil ich viel Technik besaß.
Grundsätzlich hat’s geheißen, aus dem Hirscher wird sowieso nie ein Rennfahrer, weil er körperlich zu unterlegen ist. Ich kam auch in Studien vor – als Negativbeispiel dafür, dass man mit meinem Stil als 16-, 17-Jähriger kaputte Knie haben muss. Jetzt bin ich einer der wenigen Rennläufer, der gesunde Kniegelenke hat.

Wenn mich ein Holländer um eine Beschreibung von Österreich ersucht, dann sage ich: ein kleines Paradies, viel Natur, viel Gemütlichkeit, Land der Berge, gute Weine. Wie aber würdest du einem Österreicher Holland schmackhaft machen?
Es ist primär die Weite, die mich fasziniert. Das In-die-Ferne-blicken-Können. Und die Seeluft ist sowieso ganz was Besonderes. Die Holländer sind sehr herzlich, sehr zuvorkommend. Die Gemütlichkeit ist sehr angenehm.

Was geht deiner Mutter in Österreich am meisten ab?
Ihre Schwester. Wahrscheinlich auch das Meer, die Nordsee.

Mit welchen holländischen Gerichten bist du aufgewachsen?
Toast mit Streuselkuchen, Brot mit Erdnussbutter. Die Kost war sehr Multikulti, sehr asiatisch halt.

Wo siehst du die Unterschiede zwischen der holländischen und der österreichischen Sportmentalität?
Die Offenheit.

Was hast du am meisten von deiner Mama geerbt? Was glaubst du, ist an dir typisch holländisch?
Die Offenheit.

Hat es dir getaugt, dass der Holländer Marvin van Heek bei der Abfahrt in Gröden als Achter besser platziert war als alle Österreicher?
Da müssen’s aufpassen, unsere Jungs (lacht). Es ist nur die Frage, ob Van Heek so eine Platzierung öfters schaffen kann.

Nachdem ich als halber Holländer Zweiter bei den österreichischen Dancing-Stars wurde, freu’ ich mich schon, wenn der nächste halbe Holländer bei den Dancing Stars gewinnt? Könntest das du sein?
Zunächst stellt sich die Frage, welchen Halb-Promi außer mir du sonst noch als halben Holländer einstufst. Aber im Ernst: Bis es bei mir so weit ist, dauert es noch einige Jahre. Im Moment würden meinen Tanzstil die wenigsten Leut’ als Tanzstil einstufen.

Was ist deiner Meinung nach eher vorstellbar? Dass Österreich Fußball-Europameister wird oder ein Holländer auf der Streif gewinnt?
Mit einer Antwort würde ich mir nur ein Eigentor schießen – in beiden Richtungen.

Marcel Hirscher kletterte in Garmisch erneut aufs Podest und schrieb ein neues Kapitel seiner Erfolgsgeschichte. Beim Saisonfinale 2007 in Lenzerheide hatte Hirscher als RTL-Junioren-Weltmeister seinen ersten Auftritt im Weltcup: Rang 24 und damit Drittletzter. In der folgenden Saison durfte er sich Anfang Dezember im Slalom von Bad Kleinkirchheim über seine ersten Weltcup-Punkte freuen. Vier Wochen später schaffte er es im Slalom von Adelboden erstmals unter die Top Ten. Der erste Stockerlplatz sollte nicht lange auf sich warten lassen - im März desselben Jahre wurde er in den Slaloms von Bormio und Kranjska Gora jeweils Dritter. Im Winter 2008 konnte er sich endgültig im Weltcup etablieren und verpasste bei der WM in Bormio als Viertplatzierter um ganze 0,07 Sekunden Bronze im Riesentorlauf. Im Dezember 2009 schlug erstmals die große Stunde des Marcel Hirscher: Erst triumphierte er beim nicht zum Weltcup zählenden Einladungsslalom in Moskau, kurz darauf im Slalom von Val d'Isere. 2011 musste er die Saison wegen eines Kahnbeinbruchs vorzeit beenden und sollte den Durchbruch zum Weltcup-Star auf den nächsten Winter verschieben. Die Saison 2011/'12 begann dann für Hirscher so richtig nach Maß: Drei Siege in den ersten drei Rennen waren seit den Zeiten eines Ingemar Stenmarks keinem Läufer mehr gelungen. Insgesamt kam er in jenem Winter auf 9 Siege und holte sich damit den Sieg im Gesamtweltcup. Und den steuert er auch in der aktuellen Saison wieder an. In allen bisherigen sechs Saisonslaloms stand der Salzburger auf dem Podest. Kurz vor der Heim-WM in Schladming dann der jüngste Höhepunkt. Marcel Hirscher gewinnt den Slalom am Ganslern-Hang in Kitzbühel und präsentiert sich als erster Anwärter auf Gold. Dieses holte er sich nach einem Auftritt, den die Ski-Nation lange nicht vergessen wird. Und auch nach der Heim-WM sammelt Hirscher weiter fleißig Podestplätze. In Garmisch schaffte es der bald 24-Jährige im Riesenslalom auf den 2. Platz - trotz eines Infektes.

Im Porträt

Schinkels: In ganz Österreich zu Hause

Karriere Frenk Schinkels wurde am 9. Jänner 1963 in Rotterdam geboren. Der 1,68 Meter große Mittelfeldspieler unterschrieb mit 16 Jahren bei Feyenoord seinen ersten Profivertrag. 1981 ging er nach Schweden zum Halmstads BK. 1982/’83 spielte er in Alkmaar, 1983 bis 1985 bei Excelsior Rotterdam. 1985 ging er nach Österreich. Nach einem Jahr beim SAK ging er zum Wiener Sportklub, danach zur Wiener Austria, zu Spittal, VOEST Linz, VSE St. Pölten, Austria Salzburg, wieder VSE St. Pölten. Zum Abschluss kickte er bei Unterklassenvereinen. 1992 berief ihn Ernst Happel ins Nationalteam, er bestritt sechs Spiele (ein Tor). 1995 begann er als Trainer und betreute u. a. Krems, St. Pölten, Austria Wien (Meister plus Cupsieg), Austria Kärnten und die Vienna.
Privat Mit seiner tödlich verunglückten Frau Esther hat der mehrfache Großvater vier Töchter, mit seiner zweiten Frau Romana einen Sohn.

Hirscher: Lange Sommer auf der Alm

Privat Marcel Hirscher wurde am 2. März 1989 in Annaberg (Lammertal, Salzburg) geboren. Seine Mutter stammt aus Den Haag, sein Vater ist Mitbesitzer der Skischule Annaberg. Sylvia und Ferdinand Hirscher bewirtschafteten jahrelang die Stuhlalm, auf der Marcel und sein heute 15-jähriger Bruder Leo die Sommer verbrachten. Die Hotelfachschule in Bad Hofgastein absolvierte Marcel Hirscher mit Auszeichnung. Vater Ferdinand Hirscher war der erste Skitrainer von Marcel, der drei Mal Gold bei der Junioren-WM holte. Hirscher Senior steht bei allen europäischen Weltcuprennen im Ski-Keller und am Pistenrand.
Karriere Der 1,73 Meter große Hirscher ist Titelverteidiger im Gesamtweltcup und fuhr in dieser Saison bei allen neun Slaloms oder Riesentorläufen auf das Podium. 2011 hatte er sich vor der WM in Garmisch verletzt, weshalb Schladming seine WM-Premiere sein wird.

(KURIER) Erstellt am
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