Novak Djokovic (rechts) besiegte Gael Monfils

© APA/AFP/GETTY IMAGES/AL BELLO

Tennis
09/10/2016

Djokovic im Finale gegen Wawrinka

Der Serbe besiegte Monfils in vier Sätzen, der Schweizer setzte sich gegen Nishikori durch.

Boris Becker saß entspannt in der hintersten Ecke des Spielergartens. Während Angelique Kerber in acht verschiedene Fernsehkameras über ihre Rolle als neue Nummer eins im Damen-Tennis redete, machte sich Novak Djokovic vor den Augen seines prominenten Trainers mit der roten Trainingsjacke und der roten Schirmmütze gewissenhaft warm. Bis zum Halbfinal-Tag der US Open war der Weltranglisten-Erste aus Serbien ja praktisch nicht gefordert worden.

Spaziergänge

Die Statistikexperten der ATP fanden sogar heraus, dass Djokovic der erste Spieler in der Geschichte des Profitennis war, der bei einem Grand-Slam-Turnier nach drei Absagen oder Aufgaben das Halbfinale erreichte. In der zweiten Runde konnte der Tscheche Jiri Vesely wegen einer Verletzung am Arm nicht spielen. In der dritten Runde gab der Russe Michail Juschni im ersten Satz wegen einer Oberschenkelblessur auf, und im Viertelfinale musste der Franzose Jo-Wilfried Tsonga nach zwei Sätzen wegen Knieproblemen das Match beenden.

So richtig wussten also weder Becker noch die Fans in New York oder Djokovic selbst das Leistungsvermögen des 29-Jährigen einzuschätzen. Zumal der Titelverteidiger zuletzt von Problemen am Handgelenk und am Ellbogen geplagt wurde. In Wimbledon flog er in der dritten Runde raus, bei Olympia in Rio war sogar schon nach dem Auftaktmatch Schluss.

Gegen den Franzosen Gael Monfils stand im Semifinale also wieder ein echter Härtetest an – und Djokovic bewältigte ihn trotz Problemen in Satz drei, eines zerrissenen T-Shirts und zweier Schultermassagen am Ende souverän mit 6:3, 6:2, 3:6, 6:2.

In seinem siebten US-Open-Finale und dem insgesamt 21. Grand-Slam-Endspiel strebt Djokovic nun am Sonntag (22.00 MESZ/live Eurosport) gegen Stan Wawrinka seinen 13. Major-Titel und den dritten in New York an. „Er liebt es, auf den großen Bühnen gegen die Großen zu spielen. Ich habe das Gefühl, dass er sich dann noch steigert“, sagte Djokovic über den Schweizer. „Er glaubt an sich.“

4:19 gegen Djokovic

Wawrinka entschied das zweite Halbfinale gegen den Japaner Kei Nishikori mit 4:6, 7:5, 6:4, 6:2 für sich. Im direkten Vergleich mit Djokovic liegt der 31-Jährige zwar 4:19 zurück, doch auf dem Weg zu seinen beiden bislang einzigen Grand-Slam-Siegen hat Wawrinka den Serben geschlagen: im Viertelfinale der Australian Open 2014 und im Endspiel der French Open 2015. Wer als Favorit in das Arthur-Ashe-Stadium einmarschiert, ist nur schwer einzuschätzen.

Monfils nervte Djokovic im dritten Satz derart, dass er vor Wut im Stile des „Unglaublichen Hulk“ sein weißes Oberteil zerfetzte. „Manchmal siehst du einen zerbrochenen Schläger, dann ein zerrissenes Shirt. So etwas passiert in der Hitze des Gefechts.“ Sein Finalgegner Wawrinka dagegen blieb gegen Nishikori ruhig und abgeklärt – und rechnet sich nun gegen Djokovic durchaus Chancen aus.