FILE - In this Sept. 12, 2009 file photo Tyson Gay, left, of the United States and Asafa Powell from Jamaica compete in men's 100 meters during an IAAF World Athletics Final at Thessaloniki's Kaftanzoglio stadium, Greece. Former 100-meter world-record holder Asafa Powell and Jamaican teammate Sherone Simpson have each tested positive for banned stimulants, according to their agent. Paul Doyle told The Associated Press on Sunday, July 14, 2013 that they tested positive for the stimulant oxilofrine at the Jamaican championships and were just recently notified. The news came the same day that American 100-meter record holder Tyson Gay revealed that he also failed a drug test. (AP Photo/Thannasis Stavrakis, File)

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Schock
07/15/2013

Die Leichtathletik steht vor einem Scherbenhaufen

Der neue Doping-Skandal wirft seine Schatten auf die WM im August in Moskau.

Es war das Platzen einer Seifenblase. Jeder wusste, dass dies irgendwann passieren wird. Und am Sonntag ist es passiert. Der Leichtathletik-Sport hat einen neuen Doping-Skandal, dessen Dimension sich noch nicht abschätzen lässt. Die Doping-Enthüllungen um die Sprintstars Tyson Gay (USA), Asafa Powell und Sherone Simpson (beide Jamaika) versetzen die Szene jedenfalls in einen Schockzustand – und das kurz vor der WM in Moskau (10.–18. August 2013).

Der Internationale Leichtathletikverband IAAF war Montag bemüht, Schadensbegrenzung zu betreiben. „Die Glaubwürdigkeit unseres Anti-Doping-Programms wird jedes Mal, wenn wir einen neuen Fall aufdecken, gestärkt, nicht geschwächt“, erklärte IAAF-Generalsekretär Nick Davies.

Kommentieren wollte der IAAF die Doping-Fälle nicht. Davies wies nur auf den Einsatz des Dachverbandes im Kampf gegen Doping hin, „weil wir eine ethische Verpflichtung gegenüber der Mehrzahl der Athleten haben, die an einen sauberen Sport glauben“.

Neben Gay, Powell und Simpson sind noch weitere drei jamaikanische Leichtathleten positiv getestet worden. Staffel-Olympiasieger Nesta Carter soll zu den Ertappten gehören, auch zwei Werfer sollen dabei sein.

Powell soll der Polizei Mittel ausgehändigt haben, die sein Trainer dem 30-jährigen Sprinter und Simpson gegeben haben soll. Beide sind positiv auf das Stimulanzium Oxilofrin getestet worden. Der Name seines Trainers wurde vorerst geheim gehalten.

Powell und Simpson bestritten, wissentlich gedopt zu haben. Sie bestätigten aber, dass ihre Doping-Tests das Stimulanzmittel Oxilofrin enthielten. Auch Gay, der schnellste Mann 2013 über 100 m (9,75 Sek.) gab zu, positiv getestet worden zu sein. Auch er beteuerte seine Unschuld. Die US-Anti-Doping-Agentur kündigte an, die Analyse der B-Probe in Kürze vorzunehmen. Um welches Doping-Mittel es sich handelt, ist unbekannt.

Bei der WM fällt nun das mit Spannung erwartete 100-m-Duell zwischen Gay und Usain Bolt (Jamaika) aus. Es droht ein Solo für den Weltrekordler, weil dazu auch noch der Start von Bolts Trainingspartner Yohan Blake wegen einer Verletzung fraglich ist.

Auch Österreichs Top-Athletin Beate Schrott zeigte sich schockiert – nicht nur über den aktuellen Skandal. „Es sind wahnsinnig viele Dopingfälle in der Türkei, sodass sie überlegen, eine ganze Nation von der WM auszuschließen“, sagt die Hürdensprinterin, die auch beunruhigt ist: „Einerseits ist es positiv, weil ich mir denke, die ganzen Betrüger sind jetzt mal weg. Andererseits frage ich mich, wie gibt es das, dass sie auf einmal dreißig Leute erwischen? Was war davor? Ich meine, die haben ja nicht alle jetzt zum Dopen begonnen. Ich verstehe es einfach nicht.“ Auch für Schrott ist eine Seifenblase geplatzt. „Ich habe geglaubt, dass der Sport zusehends sauberer wird, aber das beweist das Gegenteil.“

EPO im Radsport

Ebenfalls erwischt wurde gestern der Sieger der Türkei-Rundfahrt. Der Türke Mustafa Sayar hatte im März einen positiven EPO-Test abgegeben. Bereits beim Gesamtsieg des Außenseiters vor zwei Monaten hatte der Deutsche Marcel Kittel auf Twitter geschrieben: „Ich war in meinem Leben selten so wütend über das Ergebnis eines anderen. Und ich sehe viele Leute, die ähnlich fühlen“

Das Dopingmittel der Jamaikaner

Das bei den jamaikanischen Sprinstars positiv getestete Stimulanzmittel nehmen normalerweise Menschen mit einer Kreislaufschwäche ein. Der Wirkstoff Oxilofrin steigert den Blutdruck und behebt typische Symptome wie Blässe, Schweißausbrüche oder Flimmern vor den Augen.

Das Stimulanzmittel verengt die Blutgefäße und erhöht dadurch die Schlagkraft des Herzens.

Als Nebenwirkungen können Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen oder Herzklopfen auftreten. Oxilofrin ist in der Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) als eines der verbotenen Stimulanzmittel aufgeführt.

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