Sport
29.06.2017

Die etwas andere Promi-Millionenshow

Europa lockt mit Rekordpreisgeld und will so den USA Konkurrenz machen.

Vor zwei Jahren feierte Bernd Wiesberger mit dem Sieg bei den Open de France seinen bislang größten Erfolg als Profi-Golfer. Vielleicht hätte sich der Burgenländer den Erfolg (auf)sparen sollen.

Der diesjährige Sieger des ältesten Turniers in Kontinentaleuropa erhält mit 1,6 Millionen Euro Preisgeld mehr als das Dreifache (!) als Wiesberger im Jahr 2015. Sorgen muss man sich freilich keine Sorgen machen um den 31 Jahre alten Oberwarter. Dennoch wird im professionellen Golf gerade so viel Geld verteilt wie noch nie.

Die am Donnerstag beginnenden Open de France sind der zweite Bewerb einer neuen Reihe von Bewerben der Extraklasse. Mit der "Rolex Series" wollen die Verantwortlichen der European Tour dem Pendant in den USA Konkurrenz machen. Es ist ein beinharter Verdrängungswettbewerb um die Gunst von Sponsoren und Spielern, Fans und Fernsehanstalten. Die US-PGA-Tour hat diesbezüglich Maßstäbe gesetzt und Golfer aus der ganzen Welt zu ihren Turnieren nach Nordamerika angelockt.

Hello USA!

Vor allem in den Sommermonaten mussten daher die Turnierveranstalter in Europa oft mit jenen Spielern vorliebnehmen, die die Übersee-Reise mangels Einladungen nicht antreten durften. Aufstrebende Nachwuchsgolfer aus Europa versuchten zuletzt immer öfter, sich nach dem Umstieg vom Amateur- ins Profiliga prompt in den USA durchzuschlagen, anstatt den Umweg über die European Tour zu gehen.

Bestes Beispiel: Jon Rahm. Der 22-jährige Spanier ist der Shootingstar im internationalen Golf, er benötigte nur zehn Monate, um in die Top Ten der Weltrangliste vorzustoßen. In Paris bestreitet die aktuelle Nummer elf der Welt nun erstmals einen European-Tour-Bewerb auf europäischem Boden.

Der Kampf um die besten Spieler ist hart – und kostspielig. Bei einem normalen Turnier auf der PGA-Tour (exklusive Major-Events und Bewerbe der World Golf Championship) gibt es im Durchschnitt 7,06 Millionen Dollar zu verdienen – von dieser Summe ist die European Tour (noch) weit entfernt.

Auch sportlich gibt es in den USA mehr zu holen. Bekam ein Turniersieger auf der PGA-Tour in der Saison 2016 im Schnitt 50,6 Weltranglistenpunkte gutgeschrieben, waren es in Europa 32,9 Zähler. So kommt es auch, dass die Open de France trotz Rekordpreisgeldes mit dem Schweden Alex Noren nur einen aktuellen Top-10-Spieler vorweisen können.

Harte Anforderungen

Golfer, die auf beiden Touren ihren Verpflichtungen nachkommen, werden immer weniger. Die PGA-Tour etwa verlangt von ihren Mitgliedern 15 Saisonstarts.

Bernd Wiesberger hat sich längst für die European Tour als seine Heimat ausgesprochen. Und das mit dem richtigen Timing für Erfolge bekommt er auch noch hin. 2018 findet auf der Anlage der Open de France der Ryder Cup statt. Bei dem Kontinentalwettkampf gibt es zwar keinen Cent Preisgeld, aber dafür jede Menge Ruhm.

Acht Turniere mit je sieben Millionen Dollar

Die neue Premium-Turnierserie der European Tour umfasst acht Turniere, von denen jedes mit mindestens sieben Millionen US-Dollar dotiert ist. Den Auftakt der „Rolex Series“, die BMW PGA Championship, gewann der Schwede Alex Noren. Diese Woche steigen die Open de France, danach folgen: Irish Open (6. bis 9. Juli), Scottish Open (13. bis 16. Juli), Italian Open (12. bis 15. Oktober), Turkish Airlines Open (2. bis 5. November), Nedbank Golf Challenge (Südafrika/9. bis 12. November) sowie die World Tour Championship (Dubai/16. bis 19. November).