Servicemann Ligety

© Eckharter Rainer

Hinter WM-Kulissen
02/15/2013

Der Herr über die Weltmeister-Skier

Alexander Martin, Servicemann von US-Star Ligety, erlaubte einen Blick in sein Reich.

von Christina Pertl

„Das ist zufällig das Rennbaby“, sagt Alexander Martin und schiebt wieder ein kleines Häufchen weißer Wachsspäne über den schwarzen Belag eines Skis. Bis zum Ende, hinein in den schwarzen Müllsack, der an der Werkbank befestigt ist. Gewissenhaft und routiniert führt der Mann in der blauen Schürze die Handgriffe aus. Immer und immer wieder. „Mit dem wer’ ma das Rennen fahren“, wiederholt der Servicemann und meint mit „Wir“ Ted Ligety, den Ski-Star aus dem US-Team, der am Freitag im Riesentorlauf nach der dritten Goldmedaille in Schladming greift. Seit drei Jahren betreut Alexander Martin den 28-jährige Mr. Riesenslalom. Mit Erfolg, wie die jüngsten WM-Titel in Super-G und Kombination beweisen.

„Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe“, sagt der 40-jährige Vorarlberger und nimmt eine braune Bürste von der Halterung oberhalb seines Arbeitstischs. Sieht aus, als könnte man damit auch ein Pferd striegeln. Im konkreten Fall bearbeitet der Servicemann damit aber die Skier von Ted Ligety. Konzentriert werkt er im Schein der hellen Glühbirnen, die seinen Arbeitsplatz ausleuchten. „Ted ist relativ einfach zu handhaben“, erzählt Martin, der früher Olympiasieger Mario Reiter oder Mats Larsson (Sd) mit schnellen Brettern versorgt hat. Die Beziehung zwischen Läufer und Servicemann spielt eine große Rolle. „Ich mein“, holt der Vertraute aus, „das muss nicht so ein Verhältnis wie zu deiner Frau sein, aber ein Läufer ist nur dann erfolgreich, wenn er Feedback gut zurückgeben kann.“ Und das kann Ted Ligety offenbar ziemlich gut.

Perfekte Kombination

500 bis 600 Kilo Material werden vom US-Skiteam rund um die Welt geflogen. Während der WM werden die Skier von Ligety und Kollegen im Skikeller des Raunerhofs in Preunegg präpariert – nur wenige Kilometer vom Pichelmayergut, der Bastion der Österreicher, entfernt. Am Ende eines schmalen Ganges, wo man eigentlich weitere Hotelzimmer vermuten würde, riecht es nach Wachs. Das vollgeräumte Zimmer wird von den Skiern eingerahmt, die rundum an den Wänden lehnen. Schön ordentlich, in Reih und Glied.

14 Paar davon gehören Ted Ligety. „Aber nur drei sind in der engeren Auswahl“, erzählt sein Servicemann, während das heiße Wachs auf die Unterseite des Skis tropft. 227 Tage war er im letzten Jahr mit seinem erfolgreichen Schützling unterwegs. „Aber Geheimnis gibt es keines“, sagt der Materialexperte: „Er hat einfach irrsinnig viel trainiert, ist ein super Athlet – und das Material passt auch perfekt.“