Sport | Bundesliga
12.06.2017

Red Bull Salzburg: Ein Kurzschluss mit Folgen

Am 12. Juni 2012 trat Ricardo Moniz als Salzburg-Trainer zurück und beeinflusste damit viele Berufsleben.

Es war der Auslöser einer Lawine bei Red Bull: Genau heute vor fünf Jahren legte Ricardo Moniz sein Amt als Trainer bei Salzburg zurück, obwohl er erst ein paar Wochen davor das erste Double der Klubgeschichte geholt hatte.

Wie der Rücktritt öffentlich wurde, war schon kurios. Es begann mit einem belanglosen Chat an einem gar nicht sommerlichen Juni-Nachmittag unter Journalisten. Thema waren mögliche weitere Salzburg-Transfers. Der Kollege eines Internetsportportals, der ein ziemlich enges Verhältnis zum eigenwilligen Niederländer gepflegt hatte, meinte schlussendlich, er werde Moniz deshalb anrufen.

Zehn Minuten später kam von jenem Kollegen eine SMS-Nachricht: "Wahnsinn! Moniz ist zurückgetreten." Ein weiterer Anruf beim damaligen Salzburger Pressesprecher brachte die Bestätigung des völlig Unerwarteten einen Tag nach dem offiziellen Trainingsstart und zwei Tage vor dem ersten gemeinsamen Training.

Streit

Der Niederländer hatte überreagiert, nachdem es am Vormittag des 12. Juni eine verbale Auseinandersetzung mit der gerade neu installierten medizinischen Abteilung gegeben hatte, die sich laut Moniz in die Trainingsplanung einmischen wollte.

Nicht einmal eine Stunde später der Sinneswandel: Der Niederländer wollte plötzlich vom Rücktritt zurücktreten. Doch da war es zu spät. Denn zu diesem Zeitpunkt war schon Red-Bull-Boss Didi Mateschitz informiert worden. Ein Zurück gab es nicht mehr.

Die Kurzschlusshandlung von Moniz beeinflusste direkt das Berufsleben vieler Menschen – auch dieser vier bekannten Persönlichkeiten des Fußballgeschäftes, die stellvertretend dafür stehen, welche Lawine durch den Niederländer am 12. Juni 2012 ausgelöst worden ist.

Ralf Rangnick

Der Deutsche wäre vielleicht trotzdem irgendwann bei Red Bull gelandet, aber mit ziemlicher Sicherheit nicht schon im Sommer 2012. Bereits davor war Rangnick, der sich eine Auszeit nach einem Burn-out genommen hatte, mehrmals ein mediales Thema gewesen, auch weil er in der Salzburger Innenstadt gesehen worden war – aber aus einem Grund, der nichts mit Fußball zu tun hatte: Sein Zahnarzt hat seine Praxis im nahen Bad Reichenhall. Mit dem neuen Sportchef änderte sich in Salzburg alles. Er injizierte dem Verein eine neue Spielphilosophie und tauschte fast das komplette sportliche Führungspersonal aus.

Peter Pacult

Ralf Rangnick wurde ja nicht nur für Salzburg engagiert, sondern war von Beginn an auch für den deutschen Red-Bull-Klub Leipzig verantwortlich. Dort beurlaubte er als quasi erste Amtshandlung Trainer Peter Pacult. Dem Wiener, der eigentlich noch ein Jahr Vertrag hatte, war kurz zuvor von Red Bull noch zugesichert worden, dass er trotz des Nicht-Aufstieges in die 3. Liga eine zweite Chance bekommen würde. Pacult war mitten in der Saisonvorbereitung, einige Spieler waren bereits verpflichtet worden wie etwa Adrian Mrowiec. Der Pole passte aber nicht in Rangnicks Konzept und wurde ausbezahlt – ohne ein einziges Mal eingesetzt worden zu sein. Pacult fand zwar ein halbes Jahr später einen Job bei Dynamo Dresden. Aber wie bei seinen nachfolgenden Stationen (FAC, Zavrc, Cibalia) war er auch bei Leipzigs Lokalrivalen nur ein Kurzzeittrainer.

Niko Kovac

Der Salzburger Ex-Spieler war einer der Assistenten von Ricardo Moniz. Nach dessen Rücktritt wurde davon ausgegangen, dass der Kroate, der auch schon die Red Bull Juniors betreut hatte, eine Chance als Cheftrainer bekommen wird. Immerhin leitete er auch wochenlang die Vorbereitung nach dem Moniz-Abgang. Doch Ralf Rangnick hatte andere Pläne, engagierte den damals in Österreich unbekannten Paderborn-Coach Roger Schmidt. Kovac musste nach sechs Jahren als Spieler und Trainer Salzburg verlassen. Ein Engagement bei der Austria kam nicht zustande, Kovac wurde im Jänner 2013 kroatischer U-21-Teamchef, zehn Monate später übernahm er das A-Team, das Kovac bei der WM 2014 in Brasilien betreute. Seit März 2016 ist der 45-Jährige Trainer von Eintracht Frankfurt. Mit dem Bundesligisten erreichte er diese Saison das DFB-Pokalfinale, das gegen Dortmund 1:2 verloren ging.

Oliver Glasner

Der Rieder Ehrenkapitän war gerade sechs Monate als Salzburger Sportchef im Amt, da war er durch die Verpflichtung von Ralf Rangnick seinen Job schon wieder los. Gemeinsam mit Geschäftsführer Peter Vogl sollte er Salzburg ummodeln, die Verpflichtung von Florian Klein, Stefan Ilsanker und Christopher Dibon waren nur Vorboten, dass unter dem Duo Vogl/ Glasner viel mehr auf Österreicher gesetzt werden sollte. Doch mit Rangnick blieb es bei einer Legionärstruppe. Der Deutsche holte schon in seiner ersten Transferperiode acht Nicht-Österreicher und keinen einzigen Österreicher. Im Gegensatz zu vielen anderen blieb Glasner aber im Klub, wurde Co-Trainer von Roger Schmidt. Erst als der Salzburg 2014 Richtung Leverkusen verließ, ging auch der Oberösterreicher. Ein Schmidt-Angebot nach Deutschland mitzugehen, schlug Glasner aus. Er wurde lieber Cheftrainer in Ried. Nach einer Saison ging er zum LASK. Die Linzer führte er in diesem Jahr zurück in die oberste Spielklasse.