Sport | Bundesliga
01.12.2016

Rapids Joker stach: Canadi schrieb erstmals an

Canadi bot erstmals eine Dreierkette und vier Innenverteidiger auf. © Bild: Georg Diener Agentur Diener/DIENER / Alex Domanski

Rapid rutschte auf Rang sieben ab. Mattersburg machte beim 1:1 einen Punkt auf St. Pölten gut.

Dass Rapid eine heiße Phase durchmacht, machte sich an der Kleidung der Spieler bemerkbar. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt wählten nur drei Feldspieler der Startelf die langen Leiberl (Sonnleitner, Dibon, Mocinic), der Rest spielte in Kurzarm. Offensichtlich waren nur die Mattersburger darauf eingestellt, dass man sich für das Duell mit Rapid warm anziehen sollte. Nur Verteidiger Malic trug kurz.

Viel Vorsicht

Sei es, wie es sei. Die Partie war eine lauwarme Sache. Der Dresscode für dieses Spiel hätte grüne und braune Streifen auf den Trikots lauten müssen, Vom Grätschen und Rutschen. Rapid hat ja unter dem neuen Trainer die ersten drei Spiele verloren. Und Mattersburg rutschte in der letzten Runde vier Punkte hinter den Vorletzten, St. Pölten.

Auf die heiße Phase des Spiels warteten die wenigen Zuschauer mehr als 70 Minuten. Rapid agierte mit wenig Selbstvertrauen, Mattersburg mit großer Vorsicht. Also konnten nur ein Volley von Schaub ans Außennetz (23.) und ein von Kuster abgewehrter Weitschuss von Joelinton (38.) die Starre in den klammen Patschhändchen der Fans etwas lösen.

Kuster stand nach sechs Spielen Verletzungspause wieder im Tor der Mattersburger, wo er sich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit auszeichnete. Krasser Fehlpass von Höller auf Mocinic, der zu Kvilitaia, der Kuster überheben wollte, aber nicht konnte.

Der Georgier spielte erstmals unter Canadi mit Joelinton als Doppelspitze. Canadi bot erstmals eine Dreierkette und vier Innenverteidiger auf, Dibon spielte im defensiven Mittelfeld an Stelle des müden Grahovac.

Kvilitaia hatte gleich nach Seitenwechsel auch die zweite große Möglichkeit, doch Kuster hielt seinen Schuss, und Höller blockte den Nachschuss von Schaub (49.). Aber erst in der letzten Viertelstunde wurde das Spiel halbwegs spannend und den Fans ein bisschen warm ums Herz.

Zwei Tore

Jano erzielte mit einem platzierten Freistoß ins Tormann-Eck die Führung (72.). Die Freude währte aber nur kurz. Canadi brachte Malicsek für Mocinic, und der Joker stach nach etwas mehr als einer Minute und schöner Vorarbeit von Schrammel und Joelinton (76.). Rapid wurde gefährlich, ein Schaub-Schuss wurde wieder geblockt – diesmal von Rath (84.). Den Matchball hatte Pink auf dem Fuß, der aus einem Meter aber nur den Fuß von Strebinger traf (86.).

Trotzdem sah sich Canadi vor allem in der zweiten Halbzeit im Vorteil. "Wir sind enttäuscht, weil wir hergefahren sind, um drei Punkte zu holen", sagte er.

Canadi: "Mannschaft ist mehr verunsichert als erwartet"

"Es ist nicht mühsam, Rapid-Trainer zu sein, natürlich hätte ich es mir anders vorgestellt", meinte Canadi nach dem Remis und Rückfall auf Platz sieben gegenüber Sky.

Wie schon Vorgänger Büskens bemängelt auch der Ex-Altach-Erfolgscoach die chronische Ineffizienz der Rapidler im Abschluss. "In der 45. Minute müssen wir finalisieren, und Kvilitaia versucht den Tormann zu überheben. Dann gehst du mit einem 1:0 in die Pause. Gleich nach der Pause hat Schaub die große Chance - dann steht es 2:0, und so gewinnst du solche Spiele. Und in der 92. Minute müssen wir den Stanglpass konsequenter spielen", erinnerte Canadi daran, dass vor und nach dem Wechsel sowie kurz vor dem Schlusspfiff wieder einmal "Hunderter" leichtfertig verschleudert worden waren.

"Positiv war, dass wir den Rückstand gleich ausgleichen konnten", betonte Canadi, der nun am Samstag daheim gegen den Vorletzten St. Pölten endlich den ersten Dreier einfahren will. Rapid ist allerdings auch in der Heimtabelle mit lediglich elf Punkten aus acht Spielen nur Siebenter. Und im zweiten Saisonviertel ist der Vizemeister mit bisher mickrigen fünf Zählern überhaupt das Schlusslicht.

"Natürlich sind wir nicht zufrieden, man merkt die Verunsicherung im Kombinationsspiel. Die Mannschaft ist mehr verunsichert als erwartet, und dann muss man auch einmal einen Schritt zurückgehen, und ich werde der Mannschaft die Hilfestellung geben", kündigte Canadi an. "Ich freue mich auf diese Aufgabe nach wie vor, und wir werden schauen, dass wir noch mit den nötigen Punkten in den Winter kommen. In dieser Phase kann die Mannschaft sehr viel lernen und mitnehmen. Wir müssen diese Situation annehmen, und ich werde der Mannschaft Lösungen anbieten", erläuterte der Rapid-Coach, wie er den Abwärtstrend stoppen will.