Mit Augenklappe: Neue Einblicke für Rapid-Piraten

FOTOMONTAGE: Rapid trainiert mit Augenklappen
Foto: Kurier/Christandl FOTOMONTAGE: Rapid trainiert mit Augenklappen

Vor dem Duell mit Bilbao ließ Coach Damir Canadi die Rapidler mit Augenklappen trainieren.

Die Vorbereitung auf das letzte Europa-League-Spiel gegen Bilbao (19 Uhr) war für Damir Canadi ungewohnt. Erstmals seit seinem Antritt hatte der neue Rapid-Coach zwei Trainingstage ohne direkte Match-Vorbereitung zur Verfügung. Diese Zeit sollte für Überraschungen genutzt werden.

Dienstagabend, Training im eiskalten Prater. Canadis Team-Entwickler Michael Prokop ist zu Gast und hat etwas mitgebracht: Augenklappen. Bekannt aus Piraten-Filmen und in Österreich eigentlich nur im Fasching öfter zu sehen. Psychologe Prokop, Vater von Austria-Talent Dominik und hauptberuflich bei den ÖBB angestellt, teilt an jeden Spieler eine Augenklappe aus. Geplant ist aber kein Piraten-Sketch, sondern eine an sich einfache Pass-Übung. Der Hintergrund: Wer weniger sieht, muss aufmerksamer sein und mehr auf die Kommunikation achten. Außerdem wird das periphere Sehen geschult.

Mehr Kommunikation

Tatsächlich reden die Spieler beim Passspiel nach wenigen Sekunden mehr und lauter miteinander. Canadi schmunzelt, die Übung hat ihren Sinn erfüllt. Denn in den ersten Trainingswochen hatte der Wiener eine "viel zu ruhige Mannschaft" kennengelernt.

"Wir müssen mehr miteinander kommunizieren", lautet eine der ersten Erkenntnisse des Ex-Altach-Trainers. "Mir war so eine Übung völlig neu. Aber es ist ganz gut gegangen und wir sind sehr lernwillig", sagt Abwehrchef Mario Sonnleitner über die neuen Reize.

Mehr Tempo

Auch bei den folgenden Übungen (ohne Augenklappe) kommuniziert Canadi auffallend viel. "Vertikal!", ist das meist genutzte Wort, weil die Rapidler schneller in die Spitze spielen sollen. Nach dem Ballgewinn gibt es nur sieben Sekunden Zeit, um den Angriff abzuschließen. Wer länger braucht, wird durch einen Pfiff Canadis gestoppt. Es folgt der direkte Ballverlust und der Sprint zurück in die Verteidigungszone. "Fußball ist Arbeit", kommentiert Canadi.

Das bemerkt auch Steffen Hofmann bei seiner ersten vollständigen Einheit unter dem neuen Trainer. Der Kapitän hat sich nach dem am 2. Oktober in Ried (2:4) erlittenen Muskelbündelriss im Adduktorenbereich früher als erwartet zurückgekämpft. "Wenn Steffen wieder matchfit ist, wird er uns im Frühjahr sicher helfen können", erwartet Canadi.

Volles Haus?

Gegen Bilbao wird Hofmann noch auf der Tribüne sitzen. Eigentlich gibt es nur noch rund 200 Restkarten. Ob die 22.800 verkauften Tickets auch zur Gänze eingelöst werden? Canadis Ankündigung von Rotationen und "einem Vorbereitungsspiel auf hohem Niveau" lässt nicht unbedingt einen packenden Europacup-Abend erwarten. Doch der neue Chefcoach stellt auch klar: "Wir müssen auf unserem Top-Niveau agieren. Sonst bekommen wir gegen diese Spitzenmannschaft sicher die Rechnung präsentiert."

(kurier) Erstellt am
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