Gerald Baumgartner soll den Klassenerhalt möglich machen.

© DIENER / Eva Manhart

Bundesliga
03/03/2017

Baumgartner: "Spielerisch ist Luft nach oben"

Im Abstiegskampf baut Mattersburg auf Trainer Gerald Baumgartner.

von Günther Pavlovics

KURIER: Salzburg machte ein Geheimnis um den Abgang von Soriano, damit Mattersburg vor dem Spiel nichts darüber erfahren sollte. Sie aber haben schon im Abschlusstraining Ihre Mannschaft auf Salzburg ohne Soriano eingestellt. Sind Sie noch immer so gut mit Salzburg vernetzt?
Gerald Baumgartner: Ich bin im Guten gegangen und kenne noch viele Menschen dort. Ich habe was läuten gehört, war aber nicht hundertprozentig sicher. Unsere spanischen Spieler haben dann im Internet darüber gelesen.

Jetzt spielen Sie gegen St. Pölten, wo sie auch Trainer waren. Haben Sie auch dorthin noch gute Beziehungen?
Warum nicht? Auch mein Abgang aus St. Pölten war ohne Misstöne. Mein Wechsel zur Austria war ja eine große Chance.

Die aber nach neun Monaten wieder vorbei war. Haben Sie Angst, dass sie nun als guter Trainer angesehen werden, der aber nur bei kleinen Klubs Erfolg hat?
Damit muss man leben, dass man schnell einen Stempel rauf bekommt. Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man aber Ursachen und Probleme. Da ist ein Kader, den man nicht zusammengestellt hat, da träumen Spieler vom Ausland, da fehlt Geschwindigkeit im Kader. Und es kommt der Druck der Fans dazu, die beim ersten Rückpass pfeifen. Aber das ist Geschichte und war lehrreich.

Auch in Mattersburg kamen sie zu einer Mannschaft, die sie nicht zusammengestellt haben und die sogar an letzter Stelle lag. Wie waren Ihre ersten Eindrücke?
Es war mir klar, wenn du 14 Runden Letzter bist, dass das Selbstvertrauen am Boden ist. Aber vom ersten Training an habe ich gesehen, dass die Spieler ehrgeizig sind und im Training voll mitziehen.

Wo haben Sie angesetzt?
Natürlich mit Gesprächen, im Team, in kleinen Gruppen und in Einzelgesprächen. Ich wollte die Spieler von Anfang an besser kennen lernen und jeden einzelnen mit ins Boot nehmen. Ich habe jedem Spieler gesagt, was wir von ihm erwarten, verlangen können, und was er tun kann um bestmöglich seine Leistung abzurufen. Und wir haben versucht, die Spieler mit speziellen Trainingsformen aggressiver und aktiver zu machen. Sie sollten früher und konsequenter verteidigen, um die Gegner weiter weg vom Tor zu halten.

Das hat ja ganz gut funktioniert.
Bis jetzt ganz gut. Gegen Sturm hatten wir im Finish Probleme, weil wir vielleicht ein wenig Angst vor dem Gewinnen hatten. Gegen den WAC hat die Mannschaft den nächsten Schritt gemacht, war auch nach dem Ausgleich aktiv und wollte den Sieg noch schaffen. Wir haben da bis zum Schluss an unseren Sieg geglaubt und waren dem 3:1 näher als der Gegner dem 2:2.

Gegen Salzburg gab es dann die erste Niederlage und sie mussten auf die Tribüne, wurde vom Strafsenat aber nur abgemahnt.
Zuerst muss man festhalten dass ich niemanden beleidigt oder persönlich angegriffen habe. Mir hat nicht gefallen, dass kaum Fouls für uns gepfiffen wurden. So hatten wir nie die Chance, zu gefährlichen Standards zu kommen. Das habe ich dem Schiedsrichter mehrmals gesagt. Aber ich will nicht den Schiedsrichter im Nachhinein kritisieren. Wenn ich mich ruhiger verhalten hätte, wäre ich nicht auf der Tribüne gelandet. Das brutale Foul an Michi Novak war aber krass und der Schiedsrichter hat auch da kein Foul gesehen.

Offensiv ist viel auf lange Bälle und Standards ausgelegt. Nicht sehr attraktiv.
Ich weiß, dass spielerisch sicher noch Luft nach oben ist. Aber es war nicht viel Zeit. Wir wollten im ersten Schritt die Defensive verbessern, dass wir so schnell wie möglich Spiele zu Null spielen können und weniger Tore bekommen. Im zweiten Schritt haben wir viel an unserem Offensivspiel gearbeitet, auch daran, dass Torchancen konsequenter verwerten werden. Und wir wollen so schnell wie möglich wieder ein heimstarkes Team werden.

Das ist mit sechs Punkten gelungen. Jetzt steht das Spiel gegen St. Pölten vor der Tür, das vor der Rückrunde als ein Schlüsselspiel um den Klassenerhalt angesehen wurde.
Wir schauen auf uns und wollen punkten. Das klingt banal. Aber wir haben uns kein Feindbild geschaffen, also einen Verein, vor dem wir am Ende liegen wollen und somit nicht absteigen. Es geht so eng zu, dass sich die Tabelle von Runde zu Runde ändert. Wir wollen in jedem Spiel das Maximum für uns heraus holen.

Also ist die Partie gegen St. Pölten keine besondere?
Natürlich wollen wir gewinnen, natürlich ist St. Pölten ein unmittelbarer Gegner im Kampf gegen den Abstieg. Aber sie waren am Transfermarkt sehr aktiv, haben sechs gute Spieler geholt. Ein weiterer Heimsieg wäre enorm wichtig.

Viele Trainer nehmen einen Co-Trainer ihres Vertrauens mit. Warum Sie nicht?
Der Kurtl (Kurt Russ) war bereits da. Ich kannte ihn ja gut. Und ich habe einen Trainer mitnehmen können, den Martin Baier, Sportwissenschafter und Athletikcoach. Seine Arbeit mit der Mannschaft ist enorm wichtig, um zum Beispiel die Jungs bestmöglich auf die Belastungen im Fußball vorzubereiten und so das Verletzungsrisiko gering zu halten. Aber natürlich auch um alle athletischen Bereiche bestmöglich abdecken zu können.

Haben Sie sich schon eingelebt?
Ja. Die Spieler und der Verein waren dabei sehr hilfreich. Es war ein gutes Willkommen, die Leute hier sind sehr freundlich. Das Umfeld ist super, es gibt eine unglaublich gute Infrastruktur in unserer Fußball-Akademie Burgenland, der Verein steht wirtschaftlich gut da, die Gehälter kommen pünktlich. Und mit Martin Pucher gibt es einen Klubchef, der seit Jahrzehnten das Kommando hat, seine ganze Energie in die Belangen des Klubs steckt und dem jeder hier viel zu verdanken hat.

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