Sport | Bundesliga
25.07.2017

Marco Rose: "Ich bin ein Kind der DDR"

Salzburgs neuer Trainer spricht im KURIER-Interview über seinen Job, seine Wurzeln und sein Leben.

Vier Siege, 15:0 Tore: Der Salzburger Saisonstart unter dem neuen Trainer Marco Rose ist gelungen. Nun wartet in der 3. Qualifikationsrunde der Champions League gegen Kroatiens Meister Rijeka ein Härtetest. Dem KURIER gab der 40-Jährige vor dem Heimspiel am Mittwoch ein persönliches Interview.

KURIER: Sie betreuen erstmals einen Topklub. Was ist für Sie der größte Unterschied zu der Arbeit im Nachwuchs? Marco Rose: Die Bedingungen, unter denen ich jetzt arbeite. Im Nachwuchs bin ich in einem Großraumbüro gesessen, jetzt habe ich ein eigenes Büro (lächelt). Die Spieler sind insgesamt ein bisschen älter. Aber ich habe sogar das Gefühl, dass mir das im Moment leichter fällt. Die Mannschaft macht es mir aber auch sehr einfach, weil sie einen guten Charakter hat. Deswegen kann ich gar nicht so große Unterschiede feststellen.

Sie stehen aber auch medial viel mehr im Mittelpunkt als bisher. Wie schwierig ist es, so oft Rede und Antwort zu stehen?

Das ist sicher auch ein Unterschied. Aber das gehört dazu, das ist wichtig. Deswegen mache ich das auch gerne. Wenn man von der Medienabteilung so unterstützt wird wie bei uns, dann ist das auch nicht das große Problem.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich bin ein Familienmensch, grundsätzlich sehr ehrgeizig. Ich identifiziere mich immer zu 100 Prozent mit den Dingen, die ich mache. Aber ich erwarte deshalb auch sehr viel zurück. Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker. Grundsätzlich kann man mit mir auskommen. Aber wenn man mit mir nicht zurechtkommt, kann es auch schwer werden. Allerdings bin ich kein nachtragender Mensch.

Welche Eigenschaft hätten Sie gerne, die Sie nicht haben?

Ich wäre gerne hie und da ein Stück geduldiger.

Sehen Sie ein Glas halb voll oder halb leer?

Gerne eher halb voll. Aber ich kann mich auch nicht davon freimachen, dass es Phasen in meinem Leben gibt, in denen es eher halb leer ist.

Sie sind 1976 in Leipzig geboren worden und haben die letzten Jahre vor der deutschen Wiedervereinigung miterlebt. Wie viel DDR steckt noch in Ihnen?

Ich verleugne meine Herkunft überhaupt nicht. Ich bin ein Kind der DDR und hatte eine sehr schöne Kindheit. Aber ich weiß natürlich, dass da nicht alles Gold war, was geglänzt hat. Gerade erwachsene Menschen haben keine einfache Zeit gehabt. Deswegen ist es auch gut, wie es jetzt ist, sonst wäre ich möglicherweise nicht hier.

Ihre Familie lebt noch immer in Leipzig. Wie kompliziert ist Ihr Privatleben?

Eigentlich gar nicht. Wir haben dieses Lebensmodell seit vielen Jahren. Ich würde natürlich gerne meine Familie häufiger sehen. Meine Tochter ist in der Schule, sie jetzt von dort rauszuholen und woanders reinzustecken, ist bei meinem Beruf, in dem es schnell Veränderungen geben kann, keine einfache Entscheidung. Wir kommen im Moment so gut klar, aber wir hinterfragen das natürlich auch immer wieder.

Sie waren insgesamt 17 Jahre Fußballprofi, 15 Jahre davon haben Sie mit Lok Leipzig und Mainz bei zwei Vereinen verbracht. Das ist für das moderne Fußball-Business sehr ungewöhnlich. Wie wichtig ist Ihnen Vereinstreue?

Mich wollte auch einfach keiner haben, das war das Problem (lächelt). Ich habe mich in Mainz sehr wohlgefühlt. Wenn ich mich für eine Sache entschieden habe, ist Treue sicher wichtig. Aber wenn ich die Möglichkeit habe, den Verein zu wechseln, wenn Dinge interessant erscheinen, dann muss man sich das auch anhören. Ich denke, dass es wichtig ist, dass man sich in dem Moment, in dem man da ist, auf das, was man macht, einlässt und trotzdem weiß, dass es im Profifußball auch Veränderungen geben kann.

Welcher Trainertyp möchten Sie sein?

Am liebsten ein erfolgreicher. Das klingt gut, finde ich. Ich bin so, wie ich bin. Ich bin jetzt mit 40 auch schon älter, da wird man ein bisschen weiser. Ich habe das Gefühl, man fährt am besten damit, dass man so ist, wie man ist, und sich treu bleibt, aber trotzdem versucht, sich weiterzuentwickeln, Dinge zu hinterfragen, selbstkritisch zu bleiben. Das ist für mich wichtig, und damit bin ich bis jetzt sehr gut gefahren.

In den letzten Jahren hat sich der Fußball extrem weiterentwickelt. Wie weit darf das gehen?

Wenn die Weiterentwicklung der Attraktivität dient, dann darf er sich gerne weiterentwickeln. Fußball ist sehr facettenreich, aber mir ist schon auch wichtig, dass Fußball Fußball bleibt. Da bin ich von der alten Schule. Ich habe von möglichen Regeländerungen gehört wie etwa der Nettospielzeit. Das schaue ich mir gerne an, aber da bin ich sehr skeptisch.

Sie haben ein sehr großes Betreuerteam in Salzburg. Sind Sie noch Trainer, oder nicht viel mehr Manager?

In erster Linie bin ich gerne Mensch und arbeite gerne mit Menschen zusammen. Ich bin jetzt nicht der Manager von irgendjemandem. Fakt ist, dass ich Verantwortung habe, dass ich Entscheidungen treffen muss. Das ist klar als Cheftrainer. Das mache ich. Und das mache ich auch gerne. Aber ich diskutiere Entscheidungen und lasse mich beraten, nehme auch Ratschläge an und Kritik auf. Wir sind ein großes Trainerteam, das die Arbeit gerne gemeinsam macht. Ich muss das am Ende nach außen tragen. Das ist meine Aufgabe.

Unter Ihrem Vorgänger Óscar war Englisch die Trainingssprache. Wie halten Sie das?

Wir reden Denglish (lächelt). Nein, wir reden schon in erster Linie Deutsch.

Würden Sie gerne den Fußballer Marco Rose trainieren?

Jein. Er war ein total zuverlässiger Führungsspieler, dem es immer um die Sache und den Verein ging, der sehr integrativ war, wenn neue Spieler gekommen sind, der sehr loyal war. Er war allerdings auch kein einfacher Typ, der auch sehr jähzornig sein konnte und dadurch manchmal auch vielleicht unkontrollierbar war, der aber mit den Jahren und der Erfahrung immer leichter zu handeln war.

Wann sind Sie mit Ihrer Mannschaft wirklich zufrieden?

Ich gehe mit einem guten Gefühl nach Hause, wenn sie hart gearbeitet hat, wenn ich erkenne, dass sie auf den Punkt für das Training da war, dass sie in Spielen versucht, Dinge umzusetzen, die wir besprochen haben.

Seit Red Bull 2005 in Salzburg eingestiegen ist, war kein Trainer länger als zwei Saisonen im Amt. Ist es ein Ziel, Giovanni Trapattoni und Roger Schmidt als Rekordtrainer abzulösen?

Das ist für mich kein Ziel. Dafür kenne ich das Geschäft zu gut. Dafür ist der Fußball zu kurzlebig. Ich wusste nicht, als ich nach Salzburg gekommen bin, dass ich vier Jahre in der Akademie Trainer sein würde. Ich möchte gerne erfolgreich sein. Das andere ergibt sich dann von ganz alleine.