Auf der Hohen Warte soll weiter gekickt werden

© KURIER/Gilbert Novy

Fußball
03/01/2017

Die Vienna stellt den Insolvenz-Antrag

Der Regionalligist will die Saison fertig spielen. Im Sommer droht aber der Zwangsabstieg.

von Michaela Reibenwein, Alexander Strecha

Es war eine echte Zitterpartie am Mittwochabend für die Vienna, aktuell Dritter der Regionalliga Ost. Allerdings nicht auf der Hohen Warte, sondern im Saal der Volkshochschule in der Gatterburggasse.

Bei Neonlicht und Turnsaal-Charme wurden die 150 der insgesamt 444 Mitglieder bei der außerordentlichen Generalversammlung auf den Boden der Tatsachen geholt: Der Traditionsverein Vienna muss per 3. März Insolvenz anmelden.

Ein Zwangsabstieg droht ab kommender Saison – vermutlich in die Wiener Liga. Darüber werden der ÖFB und der Wiener Verband zu entscheiden haben. "Damit haben wir kein Problem", sagt Robert Haidinger, Obmann der Vienna Supporters. "Nur den Namen ,First Vienna Football Club 1894’ müssen wir behalten."

Nur wenige Stunden zuvor war die Zuversicht noch größer, einen Ausgleich zustande zu bringen. Doch das nötige Geld war einfach nicht aufzutreiben. Mehrere Hunderttausend Euro fehlen allein im laufenden Betrieb. Geld sollte unter anderem durch die Vermietung an andere Vereine reinkommen. Der Deal mit den Vienna Vikings (American Football, Anm.) schien fix, sollte kommende Woche offiziell verkündet werden.

Spritze & verhungern

Auch mit Vertretern der Stadt wurden am Mittwoch noch Gespräche geführt. Die zeigten sich willig: "Einen Traditionsverein lässt man nicht verhungern. Aber wir können ihn nicht mit einer Finanzspritze retten", hieß es aus dem Büro von Sportstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Die Fans wollen ihrem Klub die Treue halten. "Wir wissen, dass die Situation sehr kritisch ist, aber gäbe es keine Chance, gäbe es nicht dieses große Tamtam", so Haidinger. Rund 10.000 Euro haben die Fans im Vorfeld mit Aktionen für ihren Verein gesammelt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Vienna in finanziellen Turbulenzen ist. Adi Tiller, langjähriger ÖVP-Bezirksvorsteher und von 1982 bis 1986 Präsident der Vienna, erinnert sich an schwere Zeiten: "Damals mussten wir einen Kredit über 200.000 Schilling aufnehmen, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten."

Aktuell ist die Lage aber komplizierter. Denn Care Energy, der deutsche Hauptsponsor, ist nach dem Tod des Firmenchefs Martin Kristek in die Insolvenz geschlittert. Laut Vertrag gehen Einnahmen durch weitere Sponsoren zu 75 Prozent an Care Energy. "Aber welcher Sponsor will schon, dass 75 Prozent seines Gelds nach Hamburg wandern", schüttelt Tiller den Kopf.

Bangen & hoffen

Der Plan, so Geschäftsführer Gerhard Krisch gestern bei der Versammlung, sieht vor, dass das Budget von 2,5 Millionen künftig auf 1,8 Millionen reduziert wird. Sogar bei einem Abstieg in die Wiener Stadtliga, womit die Vienna weit mehr Finanzen zur Verfügung hätte als sämtliche Gegner.

Mögliche neue Sponsoren wollen in den Traditionsverein investieren, warten jedoch die Insolvenz ab. Man hofft, dass der Vertrag mit Care Energy auf diese Weise null und nichtig wird.

Übrigens: Am Samstag startet die Vienna ins Frühjahr der Regionalliga Ost mit einem Gastspiel beim Tabellenführer Ritzing, der 2014 in einer ähnlichen finanziellen Situation war wie jetzt die Döblinger sind.

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