Sport | Bundesliga
06.02.2018

Derby-Skandal: Grüner Kampf mit roten Linien

Elf Werfer wurden ausgeforscht. Die Strafen werden härter, aber Rapids Probleme liegen tiefer.

Der Tag nach einem Derby im Allianz Stadion ist mittlerweile fest verankert als Tag der Aufregung, Analyse und Enttäuschung über Anhänger, die den falschen Idealen anhängen. Auch nach dem 1:1 im 325. Duell von Rapid und Austria ist der Sport nur Nebensache. Wieder einmal haben "Fans" Rapid geschadet und den gesamten Verein in Erklärungsnot gebracht. Fragen und Antworten im KURIER-Überblick:

Wer hat den Derby-Skandal zu verantworten?

24 Stunden nach dem 1:1 waren von Rapid mittels Video elf Werfer ausgeforscht. "Jetzt geht es um die Identifizierung", sagt Präsident Michael Krammer, der die angekündigten "rigorosen Konsequenzen" präzisiert: Neben Regressforderungen "mindestens zwei Jahre Stadionverbot". Köln, Düsseldorf und Rostock hätten sich erfolgreich Geld von "Fans" zurückgeholt: "Das ist nötig, damit alle erkennen, wie sehr Rapid geschadet wurde."

Was ist neu an der Reaktion von Rapid?

Krammer achtet genau auf seine Wortwahl und ließ Sonntagabend im KURIER-Interview erstmals kein Pardon durchklingen, weil "rote Linien überschritten wurden". Eine Kooperation mit Vertretern der "Fan-Vereine" Basel und Schalke soll Fehlentwicklungen aufzeigen. Dass es künftig keine Probleme mehr gäbe, wäre aber auch für Krammer "eine Illusion".

Wie fallen die Reaktionen aus?

Selbst unter Rapid-Fans werden mehrheitlich harte Konsequenzen gefordert. "Da gibt es ein klares Bild in der Community", berichtet Krammer. Auf kurier.at haben über 3500 Leser abgestimmt, der höchste Anteil spricht sich bei den Konsequenzen für "ein oder mehrere Geisterspiele" aus.

Welche Rolle spielte Raphael Holzhauser?

Der Austria-Kapitän ist der Reibebaum der Rapid-Fans, zeigte aber erneut sein Herz für die Schwächen der Grünen.Vor einem Jahr verzichtete er auf Konsequenzen für einen (alkoholisierten) Rapid-Fan, der ihn mit dem Umbringen bedroht hatte. Am Sonntag hätte er nach dem Feuerzeug-Treffer in Minute fünf und der entstandenen Verletzung laut Regulativ als Kapitän sofort für einen Abbruch (und damit einem 3:0 für die Austria) sorgen können. Der 24-Jährige teilte Schiedsrichter Eisner aber mit, dass weitergespielt werden sollte.

Wie reagiert die Liga?

Das bereits eingeleitete Verfahren wird frühestens am Montag abgeschlossen. Eine mögliche Sanktion wäre eine Fan-Sektorsperre (wie etwa in Dortmund nach dem Duell mit Leipzig) und eine Strafe in sechsstelliger Höhe. Laut APA haben Fan-Verfehlungen seit 2010 Rapid rund 1,2 Millionen Euro gekostet.

Hat Rapid seinen Anhang unter Kontrolle?

Insider haben zuletzt eine Entfremdung zwischen Führungspersonal und Fanszene ausgemacht. Passend dazu wurden die warnenden Durchsagen von Stadionsprecher Marek durch die Vorsänger des Block West übertönt. Krammer: "Wir haben 7000 statt wie im Hanappi-Stadion 2500 Fans im Block. Da gibt es noch welche, die Probleme mit den roten Linien haben." Die elf Werfer vom linken und rechten Tribüneneck vermutet er aber "nicht im Bereich der organisierten Szene", weil die im Mittelblock wäre.

Was passiert mit den Flitzern?

Das Duo wurde identifiziert und hat ebenso zwei Jahre Stadionverbot und Regressforderungen zu erwarten. Dass weit und breit keine Ordner zu sehen waren, ist laut Krammer "eine Fehlleistung, die vom Ordnerdienst und der zuständigen Firma zu erklären ist".

Gespielt wurde auch. Was bedeutet das 1:1?

Die Austria hat die vorletzte Chance vergeben, im direkten Duell Punkte auf Rang drei gutzumachen: Acht Zähler in 15 Spielen sind nur schwer aufzuholen. Andererseits war der Sechste besser als zumeist im Herbst. Bei Rapid schmerzt vor allem der Ausfall von Kapitän Stefan Schwab. Ein MRT wird klären, wie schwer das Seitenband im Knie nach einem Monschein-Foul beim besten Rapid-Scorer verletzt ist.