Bühne frei für Superstar Bolt

Usain Bolt ist der Mann, um den sich alles dreht bei der WM.
Foto: rts

Usain Bolt macht über 100-Meter Jagd auf die WM-Goldmedaille. Der Jamaikaner vertraut auf die Kraft der Süßkartoffel.

Es hat ja so kommen müssen. Was wäre die Leichtathletik ohne ihre lauten Nebengeräusche und die ständigen Gerüchte und Tuscheleien. Rechtzeitig vor dem ersten Höhepunkt der WM in Daegu (Südkorea), vor dem 100-Meter-Finale, sind sie wieder da. Die Doping-Schatten über Usain Bolt.

Sie sind aufgetaucht in Gestalt von einer der zwielichtigsten Figuren rund um die Tartanbahnen. Victor Conte, Inhaber des berüchtigten Balco-Labors, das seinerzeit etliche namhafte US-Sportler mit Mitteln versorgt hatte. Ein Dutzend Leichtathleten musste im Zuge der Balco-Affäre die Medaillen zurückgeben, der ehemalige Sprint-Star Marion Jones landete gar im Gefängnis.

Eben dieser Victor Conte wundert sich nun laut über die schnellen Beine des schnellsten Menschen der Welt. "Ich habe ernsthafte Zweifel bei Bolt", sagte Conte dem schwedischen Sportbladet, "das liegt an der Entwicklung seiner persönlichen Bestzeiten. Er wäre für mich weniger verdächtig, wenn er nicht aus einem Land käme, das kein Anti-Doping-Programm hat."

Mythos

Usain Bolt ist der Mann, um den sich alles dreht bei der WM. Foto: rts Usain Bolt ist der Mann, um den sich alles dreht bei der WM.

Usain Bolt hat längst gelernt, mit solchen Anschuldigungen zu leben. Einen Weltrekordhalter über die prestigeträchtigen 100 Meter hat immer schon die Aura des Mystischen umgeben. Überhaupt wenn jemand im Eilschritt in solche Dimensionen vordringt, in die der Jamaikaner gesprintet ist. 9,58 Sekunden über die 100 Meter, 19,19 Sekunden über die 200 Meter - Usain Bolt hat in der Leichtathletik neue Maßstäbe gesetzt und längst werden in seinem Zusammenhang sämtliche Superlative strapaziert.

Weltwunder wurde er genannt, Blitz und Donner - manchmal auch süffisant die schnellste Kartoffel der Welt. Denn Bolt versichert, dass das Geheimnis seiner flinken Beine in der Kraft der Kartoffeln liegt. Die jamaikanische Trelawny-Süßkartoffel hat dank Bolt weltweite Berühmtheit erlangt.

Vor der WM in Daegu war nicht der Speiseplan des Weltrekordhalters das große Thema, sondern die fehlende Konkurrenz. Der 100-Meter-Lauf, er dürfte zu einem Solo für Bolt werden, nachdem ihm reihenweise die Gegner abhanden gekommen sind. Der Amerikaner Tyson Gay? Im Krankenstand. Asafa Powell (Jam), Inhaber der Jahresbestleistung? Mit Leistenproblemen out. Steve Mullings (Jamaika) und Michael Rodgers (USA)? Beide beim Doping ertappt.

Selbstsicherheit

Usain Bolt ist der Mann, um den sich alles dreht bei der WM. Foto: rts Usain Bolt ist der Mann, um den sich alles dreht bei der WM.

Aber Usain Bolt ist es ohnehin egal, gegen wen er laufen muss. Er ist sowieso davon überzeugt, dass er allen den Rang abläuft. Auf und neben der Tartanbahn. "Es ist einfach für mich, weil ich das schon vier Jahre lang mache. Ich will einfach raus auf die Laufbahn und Gold gewinnen", erklärte er bei der WM-Präsentation in seiner locker-lässigen Art.

Und zog dabei seine typischen Grimassen, die inzwischen genauso berühmt sind wie sein legendärer Weltrekordlauf vor zwei Jahren in Berlin. 41 Schritte hatte er für die 100 Meter benötigt und war dabei mit knapp 45 km/h über die Bahn geflitzt. 9,58 Sekunden - eine Zeit, die seither unerreicht blieb. Auch für Bolt, der in dieser Saison mit seinen 9,88 Sekunden lediglich die Nummer sieben der Welt ist. Doch niemand zweifelt daran, dass Bolt in Daegu seinen WM-Titel verteidigt. Am wenigsten Bolt selbst. "Wenn ich in meinen Laufschritt hineinkomme, glaube ich nicht, dass mich jemand erwischen kann."

Glücksfall

Usain Bolt ist der Mann, um den sich alles dreht bei der WM. Foto: rts Usain Bolt ist der Mann, um den sich alles dreht bei der WM.

Vorsorglich hat Usain Bolt seine Fans aber bereits vorgewarnt. "Es wird hier keine neuen Rekorde geben", verkündete er vor dem 100-Meter-Bewerb. Vielleicht dann 2012 in London, bei Olympia, jetzt in Südkorea hat der 25-Jährige vorrangig goldene Ambitionen. "Ich will als einer der besten Athleten aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen. Dafür muss ich die größten Wettkämpfe gewinnen - und viel größer als die Weltmeisterschaften werden sie nicht", sagte der Superstar.

Lamine Diack hört das gerne. Für den Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes ist Bolt ein Glücksfall. Ein laufender Usain Bolt. Ein Usain Bolt, der nicht in die Dopingfalle rennt. Wie meint der afrikanische Boss doch gleich. "Usain Bolt ist der berühmteste Sportler der Welt."

(kurier) Erstellt am
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